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Chaos in Bagdad: Medizinische Versorgung vor dem Kollaps

Die internationalen Hilfsorganisationen im Irak schlagen Alarm: Das Chaos, das nach dem Zusammenbruch von Saddam Husseins Regime ausbrach, gefährde massiv die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und medizinischer Hilfe.



Chaos in Bagdad nach dem Einmarsch der Alliierten: Hilfsorganisationen schlagen Alarm
AP

Chaos in Bagdad nach dem Einmarsch der Alliierten: Hilfsorganisationen schlagen Alarm

Bagdad - "Die Krankenhäuser selbst sind zum Ziel von Plünderungen geworden", sagte Roland Huguenin-Benjamin, Sprecher des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK), gegenüber dem US-Nachrichtensender CNN. Noch immer gebe es in Bagdad "weit verbreitete Übergriffe und Chaos". Das IKRK hatte am Mittwoch seine Arbeit vorübergehend eingestellt, nachdem ein kanadischer Mitarbeiter bei Schießereien getötet worden sei.

Die Präsenz von zahlreichen Bewaffneten verhindere, dass Verletzte in Krankenhäusern behandelt werden könnten, sagte Huguenin-Benjamin. Opfer von Schießereien könnten nicht aus der Gefahrenzone gebracht werden, weil amerikanische und irakische Soldaten keine Rettungswagen durchließen. "In der Stadt muss irgendeine Form von Ordnung wiederhergestellt werden", verlangte der IKRK-Sprecher.

Kritik an Untätigkeit der Alliierten

Ähnliche Forderungen erhob die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Internationales Recht verpflichte Militärkommandeure dazu, Verbrechen zu verhindern. "Besatzungsmächte sind verantwortlich für den Schutz von Zivilisten, und zwar nicht nur während, sondern auch nach den Gefechten", betonte Kenneth Roth, Geschäftsführer von Human Rights Watch. "Das internationale Recht gestattet es bewaffneten Truppen nicht, Zivilisten der Willkür von Banditen und Plünderern auszusetzen."

Die medizinische Versorgung in Bagdad droht nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zusammenzubrechen. Die Stromversorgung sei in weiten Teilen der Stadt noch immer nicht wiederhergestellt. Dadurch seien auch die Wasserpumpen ausgefallen, so dass der der Mangel an sauberem Wasser Operationen mittlerweile "eher zu einer Gefahr als zu einer Lösung" mache.

Krankenhäuser ohne Strom und Wasser

Die Kliniken in der Fünf-Millionen-Stadt sind nach Angaben des IKRK gezwungen, ihren Strom über Generatoren zu beziehen, die wegen Überlastung nur noch bedingt funktionierten. Der "Medical City"-Krankenhauskomplex mit 650 Betten habe weder Wasser noch Strom. Nur noch 6 der 27 Operationssäle könnten genutzt werden. Ein 500-Betten-Hospital, dass die britisch-amerikanischen Streitkräfte südöstlich von Bagdad aufbauen, soll einem CNN-Bericht zufolge erst in einigen Tagen eröffnet werden.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld wies eine Verantwortung der Alliierten für das Chaos in Bagdad zurück. Das irakische Volk habe auf vieles verzichten müssen, weil Saddam Hussein nicht mit den Vereinten Nationen zusammengearbeitet habe. Die jetzige Situation sei nicht schlechter, sondern besser als vor dem Krieg, betonte Rumsfeld. In der Hafenstadt Umm Kasr etwa sei die Wasserversorgung besser als zu Saddams Zeiten. "Die Elektrizität wurde durch britische Techniker wiederhergestellt, es gibt genügend Lebensmittel und medizinische Einrichtungen."

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