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Chaos in Gaza: Palästinenser überrennen ägyptische Polizeisperren

Dramatische Szenen in Gaza: Ägyptische Sicherheitskräfte versuchen, die Grenze zu schließen, gehen mit Wasserwerfern und Schlagstöcken gegen Palästinenser vor, die ins Land drängen. Tausende Verzweifelte halten mit aller Macht dagegen.

Gaza - Die Grenze ist offen - und lässt sich nicht ohne weiteres wieder schließen. Trotz eines Großeinsatzes ist es den ägyptischen Sicherheitskräften am Gaza-Streifen bislang nicht gelungen, die Lücken in der Barriere wieder zu schließen. Mehrere tausend Palästinenser überrannten die Polizeisperren, um im Nachbarland einzukaufen und Verwandte zu besuchen.

Der ägyptische Staatspräsident Husni Mubarak sprach von einer nicht hinnehmbaren Situation, forderte Israel auf, die Schließung seiner Grenze zum Gaza-Streifen zu beenden. An der größten Bresche in den Sperranlagen stellten sich Polizisten in mehreren Reihen auf, um die Bewohner des Gaza-Streifens daran zu hindern, nach Ägypten zu gelangen. Es kam zu heftigen Protesten und Rangeleien der wartenden Menge. Schließlich konnten die Polizisten dem Druck nicht mehr standhalten. Maskierte Palästinenser setzten schwere Räumfahrzeuge ein, um eine Betonmauer zur Seite zu schieben und die Öffnung in den Grenzanlagen zu erweitern.

An der Grenze spielen sich brutale Szenen ab. Als die Sicherheitskräfte einen Zaun mit Stacheldraht errichteten, wurden sie von der aufgebrachten Menge mit Steinen beworfen. Die Polizei setzte daraufhin Schlagstöcke und Wasserwerfer ein. An einer anderen Stelle war der Grenzübertritt heute aber noch möglich.

Die Bewohner des Gaza-Streifens leiden unter einer Blockade des Küstengebiets durch Israel, das Raketenbeschuss aus dem Gaza-Streifen unterbinden will. Mutmaßliche Hamas-Kämpfer hatten den von Israel errichteten Grenzwall am Mittwoch gesprengt. Menschenmassen bahnten sich daraufhin den Weg in den ägyptischen Teil von Rafah und in andere Städte.

Die Menschen deckten sich mit Nahrungsmitteln, Benzin und Zigaretten ein oder besuchten Verwandte. Die USA und Israel drängten Ägypten, die Grenze wieder zu schließen. Sie befürchten, dass die radikalislamische Hamas die Grenzöffnung dazu benutzt, um sich Waffen und Geld zu beschaffen.

Bei zwei israelischen Luftangriffen im südlichen Gaza-Streifen kamen in der vergangenen Nacht vier Hamas-Mitglieder ums Leben. Beide Angriffe richteten sich gegen Hamas-Kämpfer in der Nähe der ägyptischen Grenze. In Jerusalem schränkten Polizisten heute den Zugang zur Al-Aksa-Moschee ein, um gewaltsame Proteste gegen die Abriegelung des Gazastreifens zu verhindern.

Alle Männer unter 40 Jahren wurden daran gehindert, am Freitagsgebet in der Moschee teilzunehmen. Diese Verschärfung der Sicherheitsvorkehrungen stand nach Angaben des Jerusalemer Polizeichefs Aharon Franco auch in Zusammenhang mit zwei Zwischenfällen. In einem Flüchtlingslager am Rand von Ostjerusalem erschossen bewaffnete Männer am Donnerstagabend einen israelischen Polizisten an einer Straßensperre. Außerdem drangen zwei Palästinenser in die jüdischen Siedlung Kfar Ezion im Westjordanland ein und versuchten offenbar, Schüler zu entführen. Dabei wurden sie von Lehrern erschossen. Drei Schüler erlitten Verletzungen. Bei den Tätern handelt es sich nach Angaben von Palästinensern um zwei 21-jährige Hamas-Mitglieder aus dem nahegelegenen Dorf Beit Omar.

Die israelische Regierung und die palästinensische Autonomiebehörde bereiten heute ein weiteres Treffen von Ministerpräsident Ehud Olmert und Präsident Mahmud Abbas vor. Ein Berater von Abbas sagte, die Begegnung sei für Sonntag geplant. Dabei solle es auch um die Entwicklung im Gaza-Streifen gehen. Die beiden Politiker trafen zuletzt am 8. Januar zu Friedensverhandlungen zusammen.

ffr/AP/Reuters

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