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Anschlag auf "Charlie Hebdo": Terror in Paris

Von

AFP

Mutmaßlich islamistische Angreifer stürmen die Redaktion der Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" in Paris. Zwölf Menschen sterben. Was ist über die Täter bekannt? Wie gingen sie vor? Die Übersicht.

Der Tathergang: Gegen 11.30 Uhr eröffnen vermummte und komplett schwarz gekleidete Attentäter das Feuer in den Redaktionsräumen des Satiremagazins "Charlie Hebdo". Das Büro liegt im elften Arrondissement im Zentrum von Paris. Die Männer sind mit Kalaschnikows bewaffnet. Die Mitarbeiter versuchen sich zu verstecken.

Die Zeichnerin Corinne Rey erzählt der Zeitung "L'Humanité" später, sie habe Zuflucht unter einem Schreibtisch gesucht. Der Überfall habe etwa fünf Minuten gedauert. Die Täter hätten "Allah ist groß" und in perfektem Französisch "Wir haben den Propheten gerächt" gerufen.

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Die Flucht: Die Attentäter fliehen in einem Auto und greifen eine herbeigerufene Polizeistreife an, die sie verfolgt. Ein Amateurvideo zeigt, wie die Angreifer um sich schießen. Die Terroristen umringen auch einen Mann, der wehrlos, vermutlich verletzt, am Boden liegt, einer schießt ihm in den Kopf. Bei dem Opfer soll es sich um einen Polizisten handeln.

Die Angreifer fliehen Richtung Norden. An der Porte de Pantin stehlen sie ein Auto, fahren eine Fußgängerin an. Hier die Fluchtroute als Karte, die die französische Agentur Ide twitterte:

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Die Opfer: Mindestens zwölf Menschen sterben bei dem Terroranschlag - neun sind Mitarbeiter von "Charlie Hebdo", darunter der unter dem Namen Charb bekannte Zeichner und Redaktionsleiter Stéphane Charbonnier, dessen Leibwächter und drei weitere Zeichner des Magazins. Zudem werden Ermittlern zufolge zwei Polizisten getötet. Mehrere Menschen werden schwer verletzt.
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Mehrere Tote in Paris: Blutiger Anschlag auf Satiremagazin

Die Täter: Zunächst ist von zwei Tätern die Rede, dann von dreien. Die Männer gehen brutal und professionell vor. Die ruhige Art, Zielstrebigkeit und Effizienz der Angreifer weise darauf hin, dass sie ein gründliches Training militärischer Art absolviert haben könnten, sagt die Polizei laut "Le Figaro". Deutsche Sicherheitsexperten vermuten angesichts der Vorgehensweise einen radikal-islamischen Hintergrund. Die Angreifer könnten Rückkehrer von den Kämpfen in Syrien und dem Irak sein. Die "gnadenlose Exekution" eines bereits verletzten Menschen durch einen Kopfschuss erinnere an die Schock-Videos des "Islamischen Staates" aus Syrien, sagt ein deutscher Terror-Fahnder SPIEGEL ONLINE.

Die Sicherheitskräfte: Innenminister Bernard Cazeneuve sagt, man werde alles tun, "um die drei Kriminellen, von denen dieser barbarische Akt ausging, so schnell wie möglich auszuschalten". 3000 Beamte sind im Einsatz, darunter Kräfte der Spezialeinheit Raid, die bei Entführungen und Anschlägen gerufen wird. In der französischen Hauptstadt herrscht höchste Alarmstufe.

Polizisten vor dem Redaktionsgebäude Zur Großansicht
AP

Polizisten vor dem Redaktionsgebäude

Warum "Charlie Hebdo"? Die genauen Hintergründe der Tat sind noch unklar. Das Redaktionsgebäude steht seit Monaten unter Polizeischutz. Immer wieder machte das Satiremagazin Schlagzeilen mit seiner Islamismuskritik. Am 2. November 2011 war es Ziel eines Brandanschlags, der mutmaßlich mit dem Abdruck einer Mohammed-Karikatur auf der Titelseite in Zusammenhang stand - lesen Sie hier die Hintergründe in der Analyse.

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Die Reaktionen: Präsident François Hollande spricht von einem "Terrorakt". Die Barbarei der Tat sei ein Schock für Frankreich. Lesen Sie hier die wichtigsten - auch internationalen - Reaktionen. In zwölf französischen Städten sind an diesem Mittwochabend Solidaritätskundgebungen angekündigt - unter anderem in Paris, Nantes, Toulouse, Lille, Straßburg, Lyon und Bordeaux. Auf Twitter drücken Tausende Nutzer unter dem Hashtag #JeSuisCharlie ihr Mitgefühl aus, sie würdigen den Einsatz der Zeitschrift für die Pressefreiheit.

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