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Trauermarsch in Paris: Fotos von Spitzenpolitikern in abgesperrter Straße aufgenommen

Staatschefs in Paris: Zusammen in einer eigenen Gruppe Zur Großansicht
Getty Images

Staatschefs in Paris: Zusammen in einer eigenen Gruppe

Dutzende Staats- und Regierungschefs sollen den Trauermarsch in Paris angeführt haben. Fotos zeigen aber: Die prominente Gruppe wurde in einer Nebenstraße aufgenommen - zur Sicherheit der Politiker.

Paris - Diese Bilder gingen um die Welt: Die Staats- und Regierungschefs der Welt marschierten am Sonntag Arm in Arm durch Paris, um ihre Solidarität mit den Opfern des Anschlags auf die französische Satirezeitung "Charlie Hebdo" und einen jüdischen Supermarkt zu zeigen. Auf den Bildern sieht man, wie die Staatslenker geschlossen nebeneinander laufen - und wie sie eine scheinbar große Menschenmenge anführen. Der Betrachter glaubt, die Spitzenpolitiker seien ein unmittelbarer Teil der mehr als eine Million Menschen, die in Paris gegen den Terror demonstrierten. Doch die Fotos der Staats- und Regierungschefs täuschen.

Aufgenommen wurden die Bilder nicht auf den Straßen und Plätzen, auf denen Hunderttausende demonstrierten, sondern in einer einsamen Nebenstraße, wie etwa "The Independent" und "Daily News" berichten. Laut französischen Medien wurde die Szene auf dem Platz Léon Blum aufgenommen, in der Nähe der Metro-Station Voltaire. Der Ort sei gewählt worden wegen der symbolischen Bedeutung der Namen. Die Aufnahmen hätten gegen 15:30 Uhr stattgefunden. Nach kurzer Zeit seien dann alle Spitzenpolitiker wieder in ihre Autos gestiegen und davongefahren, berichtet "Le Monde". Nur Frankreichs Präsident François Hollande und Premier Manuel Valls hätten sich noch auf den Weg gemacht zu den Überlebenden des "Charlie Hebdo"-Attentats.

Fotos, die aus weiterer Distanz aufgenommen worden sind, zeigen, dass die Staats- und Regierungschefs ihre eigene Gruppe bildeten - umgeben von Securitypersonal.

Auf Twitter posteten Nutzer Fotos, die zeigen, dass die Staatslenker weder die Massen anführten noch ein Teil von ihnen waren. Der Journalist Borzou Daragahi twitterte etwa: "Es scheint, dass die Weltführer die 'Charlie-Hebdo'-Demonstranten nicht führten, sondern einen Foto-Termin in einer einsamen, bewachten Straße absolvierten."

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Der Wissenschaftler Ian Bremmer schreibt etwa: "Weltführer: Nicht wirklich 'auf' der Pariser Großveranstaltung."

Auf den Bildern erkennt der Betrachter vielmehr, dass Angela Merkel, François Hollande, Benjamin Netanyahu und andere Staats- und Regierungschefs in einer, im Vergleich zur Gesamtdemonstration, relativ kleinen Gruppe zusammengekommen waren.

Dieses Arrangement ist durchaus sinnvoll, wenn man die Sicherheitsvorkehrungen bedenkt, die angesichts der politischen Weltelite vonnöten sind. In Frankreich gilt nach wie vor eine extrem hohe Terrorwarnstufe, mehr als 10.000 Soldaten sind zum Schutz von "anfälligen Punkten" abgestellt. Die Angst vor Nachahmern und Trittbrettfahrern ist weiter groß.

Eine derart rasch zusammengestellte Gruppe von Spitzenpolitikern wie am Sonntag, wäre bei einem direkten Kontakt mit den mehr als eine Million Demonstranten kaum zu schützen gewesen. So hatte auch US-Präsident Barack Obama seine Abwesenheit mit den umfassenden Sicherheitsvorschriften begründet, die für seinen Besuch zu beachten seien.

kha

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 137 Beiträge
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1.
0815user 13.01.2015
...dafür haben die doch extra Waffen verkauft und für den Weltfrieden. ;)
2. Die Geste zählt!
epigone 13.01.2015
Es wird ja wohl keiner erwarten, - und auch keiner der Meckerer, wenn selbst in der Position als Regierungschef, es wagen, als Spitzenpolitiker sich völlig ungeschützt in ein Millionenheer von Menschen zu begeben! Dieses Meckern ist also billig und selbstgefällig! Aber auch ohne ein Fan der europäischen Politik, von Frau Merkel oder des Umgangs mit dem Islam zu sein, finde ich die Geste für uns Europäer sehr wichtig - sie bringt vielen Menschen unterschiedlicher Nationalität zu Bewußtsein, dass wir als Europäer zusammenstehen müssen, ganz egal worum es geht. Und übrigens marschiert - bis auf den Steuerkriminellen Junker auch Brüssel in der 2. Reihe der Demo und die "wirklich" gewählten Vertreter den Bürger in der Ersten. So soll es auch sein und bleiben!
3. Ja und ...
HagenHerzog 13.01.2015
Mehrere Dutzend Staatschefs haben die Demonstration angeführt, ohne sich als Zielscheibe für Extremisten zu präsentieren. Hätte man die ersten 100 Reihen mit Sicherheitskräften ausgestattet, bei einer kompakten Demonstation mit den Massen, wäre auch nicht recht gewesen. Es war alles in Ordnung. Bitte nicht relativieren!
4. False Friends
Trantor666 13.01.2015
"photo op" ist übersetzt "Foto-Pressetermin" und nicht etwa "Foto-OP"... was sich auch jeder Redakteur hätte zumindest denken können, der weiß, dass im Englischen "surgery" die Übersetzung von "OP" ist (mal abgsehen davon, dass sich mir keine sinnvolle Bedeutung einer "Foto-OP" erschließt)
5. So kann man mit Bildern
thinking_about 13.01.2015
manipulieren, selbst die berichtenden Journalisten vor Ort - oder waren sie nur über Bildschirm dabei ? - sagten nichts dazu, wunderten sich nur, wann sich der Zug denn mal endlich in Bewegung setzen würde und meinten, es sei wohl kein Durchkommen wegen der vielen Menschen.... Nennt man das nicht auch vielleicht "Lügenpresse" oder diente der "Trick" nur der übergeordneten Sicherheit und die im Tal der Ahnungslosen sollten den Mut bewundern, daß "man" sich der Öffentlichkeit so offen stellt? Nur Frau Merkel schaute immer wieder nach oben, ob denn auch die Scharfschützen wirklich alle vorhanden. Netanjahu wirkte angespannt und nervös, aber seine Gards legten immer wieder beruhigend ihre Hände auf seine Schultern. Alles nur Show? Hätte Obama das gewußt, er hätte sorglos teilnehmen können, ohne daß man die Gullis hätte versiegeln müssen....
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