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Attentäter von Paris: Zwei Brüder unter Verdacht

Die französische Polizei hat Verdächtige des Anschlags in Paris identifiziert. Im Fokus stehen zwei Brüder: Einer von ihnen saß schon mal im Gefängnis, weil er in den Dschihad im Irak ziehen wollte.

Chérif und Saïd Kouachi: Fahndungsplakat der Polizei Zur Großansicht
AFP/ French Police

Chérif und Saïd Kouachi: Fahndungsplakat der Polizei

Paris - Saïd Kouachi , 34, Chérif Kouachi , 32, und Hamid M., 18, sollen das Attentat auf die Mitarbeiter der Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" verübt haben. Der jüngste Verdächtige stellte sich, der 18-Jährige befinde sich in der Kleinstadt Charleville-Mézière nahe der belgischen Grenze in Polizeigewahrsam, meldeten französische Medien.

Die Rolle des jungen Mannes ist unklar. Bisher steht nur fest, dass er während des Attentats in der Schule war und sich stellte, nachdem sein Name in den sozialen Netzwerken zirkulierte. Über Hamid M. ist wenig bekannt, die Polizei bezeichnet ihn zunächst als obdachlos. Er soll im Nordosten Frankreichs zur Schule gegangen sein. Der Schwager der beiden mutmaßlichen Hauptverdächtigen soll seine Unschuld beteuern.

Sie sind noch auf freiem Fuß. Die Polizei veröffentlichte im Internet ein Fahndungsplakat, um Zeugen zu finden. Saïd und Chérif Kouachi sind Brüder. Beide wurden in Paris geboren und wuchsen in französischen Heimen auf, ihre aus Algerien eingewanderten Eltern starben früh.

Die mutmaßlichen Attentäter haben auf der Flucht offenbar einen schweren Fehler gemacht und die Sicherheitskräfte so auf ihre Spur gebracht. Wie die Zeitschrift "Le Point" und die Zeitung "Le Monde" schreiben, vergaß einer der beiden seinen Personalausweis im Fluchtwagen, als die Verdächtigen am Rande der Hauptstadt das Auto wechselten.

Ziel Damaskus

Über Chérif Kouachi finden sich alte Presseartikel. Er wurde im Januar 2005 verhaftet, als er nach Damaskus ausreisen wollte. Damals war die Hauptstadt Syriens das Einfallstor der internationalen Dschihadisten in den Irak. Das syrische Regime half den Dschihadisten bei der Einreise und Logistik, denn im Irak hatten sie mit den US-Soldaten einen gemeinsamen Feind.

Als Chérif Kouachi damals als 22-Jähriger vor Gericht stand, sagte er, die Folterbilder aus dem Gefängnis aus Abu Ghuraib hätten ihn dazu inspiriert. Er hatte ein Diplom als Fitnesslehrer, kiffte viel und definierte sich selbst als "Gelegenheitsmuslim". In einer Pariser Moschee lernte er den damals 27-jährigen Radikalislamischen Farid Benyettou kennen, der ihn für den Dschihad im Irak rekrutierte. Zu diesem Zeitpunkt hatte Chérif Kouachi noch nie in seinem Leben Frankreich verlassen.

Training militärischer Art?

Er wurde damals zu drei Jahren Haft verurteilt, davon eineinhalb Jahre auf Bewährung. Über seinen Anwalt ließ der damals 22-Jährige ausrichten, er sei froh, dass er verhaftet wurde. Nach seiner Freilassung arbeitete er in einem Supermarkt und verbrachte seine Freizeit nach eigenen Angaben mit Kiffen und Rap-Musik. Vor Gericht sagte er gegen seinen Rekrutierer Benyettou aus.

Seitdem muss Chérif Kouachi wohl zum Dschihad zurückgefunden haben. Denn auffällig bei dem Anschlag am Mittwoch war die Brutalität, mit der die Attentäter vorgingen. Die ruhige Art, Zielstrebigkeit und Effizienz der Angreifer weise darauf hin, dass sie ein gründliches Training militärischer Art absolviert haben könnten, sagt die Polizei.

Ein Video eines Augenzeugen zeigt sie auf der Flucht. Ein Beamter erscheint, die beiden Bewaffneten suchen sich sofort Deckung. Sie wirken wie ein eingespieltes Team. Einer von ihnen schießt auf den Polizisten und verwundet ihn. Dann läuft er auf den am Boden liegenden Verletzten zu und exekutiert ihn mit einem Schuss, ohne stehen zu bleiben. Währenddessen bleibt der zweite Bewaffnete zurück und behält die Situation im Auge. Beide laufen zurück zum Auto. Der Schütze nimmt am Steuer Platz. Ob die drei Syrien-Heimkehrer sind, ist bisher nicht bekannt.

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ras/heb

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