Wegen "Blasphemie" Pakistanischer Politiker setzt Kopfgeld auf "Charlie Hebdo"-Eigner aus

Wer den Propheten beleidigt, soll sterben: Der pakistanische Politiker Ghulam Ahmed Bilour hat ein Kopfgeld auf die Eigentümer von "Charlie Hebdo" ausgesetzt. Die Angehörigen der Attentäter vom Januar will er ebenfalls belohnen.

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Protest in Pakistan gegen neue Ausgabe von "Charlie Hebdo" im Januar: "Kopfgeld auf jeden, der den Islam beleidigt"
AP/dpa

Protest in Pakistan gegen neue Ausgabe von "Charlie Hebdo" im Januar: "Kopfgeld auf jeden, der den Islam beleidigt"


Istanbul/Islamabad - Als Ghulam Ahmed Bilour noch Eisenbahnminister in Pakistan war, empörte er sich so sehr über ein antiislamisches Video mit dem Titel "Die Unschuld der Muslime", dass er 100.000 Dollar Kopfgeld aus eigener Tasche auf den Macher des Schmähfilms aussetzte. Er würde "diesen Gotteslästerer" sogar "eigenhändig umbringen", tönte er im Herbst 2012. Doch der Mann hinter dem Video, das über YouTube verbreitet wurde und in mehreren islamischen Ländern zum Teil gewalttätige Proteste provozierte, weil es Mohammed als sexhungrigen Kinderschänder darstellt, tauchte unter.

Bilour ist inzwischen einfacher Abgeordneter der Opposition, doch sein Geld will er trotzdem noch zu Ehren des Propheten loswerden: "Ich stehe zu meiner damaligen Ankündigung, dass ich auf jeden, der den Islam beleidigt, ein Kopfgeld aussetze. Die damals versprochenen 100.000 Dollar würde ich gerne den Erben derer geben, die das Büro von 'Charlie Hebdo' in Frankreich angegriffen haben", erklärte der 74-Jährige im pakistanischen Parlament in Islamabad.

Außerdem setze er eine weitere Belohnung aus: Wer die Eigentümer von "Charlie Hebdo" töte, werde 200.000 Dollar von ihm erhalten, sagte er wörtlich. Dass bei dem Angriff zweier Extremisten am 7. Januar auf die Redaktion zwölf Menschen, darunter mehrere prominente Karikaturisten und Miteigentümer der Zeitschrift sowie der Herausgeber ermordet wurden, bekümmerte Bilour nicht. "Ich habe bereits erklärt, dass ich keine Angriffe auf unseren heiligen Propheten, Friede sei mit ihm, toleriere", erklärte Bilour. Die Karikaturen in "Charlie Hebdo", die den Propheten Mohammed zeigten, seien "reine Blasphemie".

Im Parlament wurden diese Aussagen weder mit Zuspruch noch mit Widerspruch aufgenommen. Pakistans Regierung hatte den Angriff auf "Charlie Hebdo" zwar verurteilt, später jedoch auch "Charlie Hebdo" für das wiederholte Veröffentlichen von Mohammed-Karikaturen kritisiert. Bilours Aussagen fielen während einer Debatte, in der es um die Auswirkungen eines Selbstmordanschlags am vergangenen Freitag ging, bei dem 60 Menschen ums Leben gekommen waren.

Bei seinem ersten Kopfgeld hatte Bilour das Terrornetzwerk al-Qaida und die Taliban gebeten, sich "dieser noblen Sache" anzuschließen. Die Taliban hatten daraufhin Bilour offiziell von ihrer Liste der Terrorziele genommen, mehrere Taliban-Kommandeure nannten ihn einen "vernünftigen Politiker" und einen "klugen Mann". Bilour entstammt einer wohlhabenden Familie von Geschäftsleuten. Sein Sohn wurde 1997 nach einem Streit mit einem politischen Gegner ermordet. Zehn Jahre später starb dieser Kontrahent - Bilour wurde des Mordes verdächtigt, aber nicht verurteilt.

Bilours Bruder hatte weniger Glück mit den Taliban, er starb 2012 bei einem Anschlag.



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