Anschlag auf "Charlie Hebdo" Polizei überwachte mutmaßliche Attentäter

Die französische Polizei hat die mutmaßlichen Haupttäter des "Charlie Hebdo"-Anschlags vor der Tat observiert. Der Innenminister erklärt, es habe keine Hinweise auf einen geplanten Terrorakt gegeben.

Cherif und Said Kouachi: Syrien-Heimkehrer?
AFP/ French Police

Cherif und Said Kouachi: Syrien-Heimkehrer?


Paris - Die Brüder Said und Cherif Kouachi standen unter der Beobachtung der französischen Sicherheitsbehörden. Sie gelten als die Hauptverdächtigen des Anschlags auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo". Nach Angaben von Innenminister Bernard Cazeneuve wurden die beiden vor der Tat überwacht - wie lange, sagte er nicht. Dabei habe es allerdings keinerlei Hinweise auf einen bevorstehenden Terrorakt gegeben, sagte Cazeneuve dem Sender Europe 1. Gegen die Männer habe es kein juristisches Verfahren gegeben.

"Wir treffen hundertprozentig Vorsichtsmaßnahmen, ein Null-Risiko gibt es aber nicht", fügte der Minister hinzu. Er warnte: Die derzeitige Risikolage könne auch zu anderen Gewalttaten führen. In der Nacht waren im nordwestfranzösischen Le Mans eine Moschee und im südfranzösischen Port-la-Nouvelle ein muslimischer Gebetsraum beschossen worden. (Lesen Sie hier mehr.)

Die mutmaßlichen Attentäter haben auf der Flucht offenbar einen Fehler begangen und die Sicherheitskräfte so auf ihre Spur gebracht. Wie die Zeitschrift "Le Point" und die Zeitung "Le Monde" schreiben, vergaß einer der beiden seinen Personalausweis im Fluchtwagen, als sie nach dem Überfall am Rande von Paris das Auto wechselten.

Said und Cherif Kouachi wurden in Paris geboren und wuchsen in französischen Heimen auf, ihre aus Algerien eingewanderten Eltern starben früh. Über Cherif Kouachi finden sich alte Presseartikel. Er wurde im Januar 2005 verhaftet, als er nach Damaskus ausreisen wollte. Damals war die Hauptstadt Syriens das Einfallstor der internationalen Dschihadisten in den Irak. Das syrische Regime half den Dschihadisten bei der Einreise und Logistik, denn im Irak hatten sie mit den US-Soldaten einen gemeinsamen Feind.

Als Cherif Kouachi als 22-Jähriger vor Gericht stand, sagte er, die Folterbilder aus dem Gefängnis aus Abu Ghuraib hätten ihn radikalisiert. (Lesen Sie mehr über die beiden Hauptverdächtigen hier.)

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Mehrere Tote in Paris: Blutiger Anschlag auf Satiremagazin
Ein Video eines Augenzeugen zeigt die beiden mutmaßlichen Haupttäter auf der Flucht. Ein Beamter erscheint, die beiden Bewaffneten suchen sich sofort Deckung. Sie wirken wie ein eingespieltes Team. Einer von ihnen schießt auf den Polizisten und verwundet ihn. Dann läuft er auf den am Boden liegenden Verletzten zu und exekutiert ihn mit einem Schuss, ohne stehen zu bleiben. Währenddessen bleibt der zweite Bewaffnete zurück und behält die Situation im Auge. Beide laufen zurück zum Auto. Der Schütze nimmt am Steuer Platz. Ob die drei Syrien-Heimkehrer sind, ist bisher nicht bekannt.

Der jüngste Verdächtige, nach dem die Polizei gefahndet hatte, stellte sich in der Kleinstadt Charleville-Mézière nahe der belgischen Grenze. Er ist in Polizeigewahrsam. Die Rolle des 18 Jahre alten Hamid M. ist unklar. Bisher steht nur fest, dass er während des Attentats in der Schule war und selbst zur Polizei ging, nachdem sein Name in den sozialen Netzwerken zirkulierte. Über ihn ist wenig bekannt, die Polizei bezeichnet ihn zunächst als obdachlos. Der Schwager der beiden mutmaßlichen Hauptverdächtigen soll seine Unschuld beteuern.

heb/dpa

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