"Charlie Hebdo" Neue Mohammed-Karikaturen verärgern Muslime

Die Mohammed-Karikatur auf dem "Charlie Hebdo"-Cover stößt auf Kritik in der islamischen Welt. In Belgien gibt es Drohungen gegen Kioskbesitzer.

"Charlie Hebdo"-Cover: Kritik von Vertretern des Islam
REUTERS

"Charlie Hebdo"-Cover: Kritik von Vertretern des Islam


Hamburg - Die neuen Mohammed-Karikaturen in der ersten Ausgabe der Satire-Zeitung "Charlie Hebdo" nach dem Anschlag in Paris haben Vertreter der Muslime in aller Welt aufgebracht. Der Weltverband der muslimischen Religionsgelehrten nannte die Veröffentlichung der Zeichnungen am Mittwoch "unklug".

In der Türkei ordnete ein Gericht die Sperrung von Webseiten an, die das Titelbild zeigten. Wer die "heiligen Werte der Muslime" verletze, indem er Zeichnungen des Propheten veröffentliche, mache sich der "Provokation" schuldig, teilte Vize-Regierungschef Yalcin Akdogan über den Kurznachrichtendienst Twitter mit.

Das Cover der neuen "Charlie Hebdo"-Ausgabe zeigt einen weinenden Propheten Mohammed, der ein Schild mit der mittlerweile weltbekannten Solidaritätsbekundung "Je suis Charlie" in den Händen hält. Der Prophet Mohammed wird von Muslimen weltweit verehrt, seine Abbildung gilt im Islam als verboten.

Die Veröffentlichung sei "weder sinnvoll noch logisch noch klug", erklärte der als graue Eminenz der Muslimbrüder geltende katarische Prediger Yusuf Al-Qaradawi, Leiter des Weltverbands der muslimischen Religionsgelehrten.

Der Großmufti von Jerusalem, Mohammed Ahmed Hussein, erklärte, "die Veröffentlichung der Karikaturen verunglimpft den Propheten und beleidigt die Gefühle von fast zwei Milliarden Muslimen in aller Welt". Zugleich verurteilte der oberste Würdenträger der Muslime im Heiligen Land nachdrücklich "Terrorismus in jeder Form". Zuvor hatte schon die iranische Regierung das Titelblatt kritisiert.

Islamische Gelehrte der anerkannten Azhar-Universität in Kairo haben Muslime in aller Welt dazu aufgerufen, die neuen Mohammed-Karikaturen der Zeitschrift "Charlie Hebdo" zu ignorieren. Gläubige sollten der "Versuchung des Hasses" widerstehen, verkündeten die Gelehrten in einer am Mittwoch veröffentlichten Erklärung.

Vier Kioskbesitzer in Brüssel waren mit Drohbriefen vor dem Verkauf der neuen Ausgabe gewarnt worden. Wie die Nachrichtenagentur Belga berichtete, wurden die Schreiben im Stadtteil Jette gefunden. Der Autor der Briefe drohe mit Vergeltungsmaßnahmen.

Die Staatsanwaltschaft nehme die Drohung sehr ernst. Um an Spuren zu gelangen, würden alle technischen Mittel genutzt und Bilder von Überwachungskameras ausgewertet. Die neue Ausgabe des Satiremagazins "Charlie Hebdo" ist in Belgien von Donnerstag an erhältlich.

fab/AFP/dpa

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