Trauermarsch in Paris Sarkozy drängelt in die erste Reihe

Nicolas Sarkozy ist längst nicht mehr Präsident von Frankreich - in der ersten Reihe hat er nichts mehr zu suchen. Trotzdem drängelte er sich beim Trauermarsch von Paris vor, neben die Staats- und Regierungschefs. Ein protokollarischer Affront.

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Der Trauermarsch von Paris war nicht nur eine logistische Meisterleistung der Sicherheitskräfte - das Defilee gegen den Terror und zur Solidarität mit den Opfern stellte auch Frankreichs Diplomatie vor eine Herausforderung: Wie waren Rang, Prominenz und Bedeutsamkeit von fast 50 Staats- und Regierungschefs und gekrönten Häuptern standesgemäß anzuordnen? Dazu kam amtierende und ehemalige Polit-Prominenz.

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Heft 3/2015
Anschlag auf die Freiheit

Das Protokoll entschied sich für einen Kompromiss: Vorneweg marschierten die Angehörigen der Opfer, dann folgten die Politiker - geordnet nach Wichtigkeit: Kanzlerin Angela Merkel neben Präsident François Hollande, Erzfeinde wie Israels Benjamin Netanyahu und Palästinas Präsident Mahmoud Abbas verteilt auf die Flügel der Formation.

Dahinter folgte eine Reihe der persönlichen Bodyguards, gefolgt von der Elite der Republik, darunter Premier Manuel Valls und Ex-Präsident Nicolas Sarkozy mit Ehefrau Carla Bruni. Aber der Chef der konservativen Opposition blieb nicht auf dem ihm zugewiesenen hinteren Platz - während sich der Schweigemarsch in Bewegung setzte, gelangte Sarkozy plötzlich in die erste Reihe.

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Trauermarsch in Paris: "Wir sind im Kriegszustand"
"Binnen weniger Sekunden, unter den Kameras der ganzen Welt, rückte er in den Rängen nach vorn", beschreibt die Internetseite des Magazins "Paris Match" den Vorgang. Sarkozy gelangte damit neben die Staatschefs Netanyahu und Ibrahim Boubacar Keïta - und war nur noch durch den Präsidenten Malis von Hollande getrennt.

Hatte sich Sarkozy, der während seiner Amtszeit jede Gelegenheit nutzte, im Rampenlicht zu stehen, mit Absicht nach vorn manövriert? Oder wurde er, wie "Paris Match" berichtet, "durch die Menschenmenge nach vorn geschoben"?

Während der Schweigeminute war der Konservative jedenfalls wieder an seinem zugewiesenen Platz. Das historische Foto vereinte die Politiker in der vorgeschriebenen protokollarischen Ordnung.

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Stefan Simons berichtet aus Paris für SPIEGEL ONLINE.

E-Mail: Stefan_Simons@spiegel.de

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insgesamt 78 Beiträge
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Seite 1
bold_ 12.01.2015
1. Menschen mit kleiner Körpergröße
kommen meistens in die erste Reihe - auf Gruppenfotos.
felisconcolor 12.01.2015
2. wieso hat überhaupt
ein Politiker etwas in der ersten Reihe zu suchen? pure Profilierungssucht. Der Politiker ist ein Diener seines Volkes. Ansonsten halten sich gerade unsere Politiker bei wichtigen Dingen auch gern mal etwas zurück.
MatthiasSchweiz 12.01.2015
3.
Mein Beileid den Toten und den Angehörigen, und meine Abscheu den Tätern. Aber: Seit Jahrzenten bis in die Gegenwart sterben durch westliche Kämpfer (Soldaten, Spezialeinheiten) und durch Sanktionen, angezettelte Revolutionen, etc., unzählige unschuldige Menschen, Männer, Frauen, Kinder, in Ländern wie Irak, Afghanistan, Libyen, und, und, und. Wo ist da die Anteilnahme der Massen im Westen?
kuac 12.01.2015
4.
Hollande kan froh sein, dass Sarkozy ihn nicht nach hinten verdrängt hatte. Das traue ich Sarkozy zu.
LapOfGods 12.01.2015
5. Achja, der Sarkozy
Viel schlimmer fand ich Marie Le Pen .... ganz rechtsaußen. Und das in der 1.Reihe.
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