Ex-Zentralratspräsidentin Knobloch wirft Corbyn Antisemitismus vor

In einer Holocaust-Gedenkrede hat die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden Charlotte Knobloch die britische Labour-Partei scharf kritisiert: Unter Jeremy Corbyn habe sich politischer Antisemitismus entwickelt.

Charlotte Knobloch bei ihrer Rede im Europäischen Parlament
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Charlotte Knobloch bei ihrer Rede im Europäischen Parlament


Beim Holocaust-Gedenken im Europaparlament hat die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, der britischen Labour-Partei und ihrem Vorsitzenden Antisemitismus vorgeworfen. "Die Labour-Party (...) hat sich unter dem Vorsitz von Jeremy Corbyn in den vergangenen Jahren zu einem der eklatantesten Problemfälle Europas in Hinblick auf politischen Antisemitismus entwickelt", sagte Knobloch. Unter Corbyns Führung habe Labour "die politische Mitte weit hinter sich gelassen".

Kritiker werfen Corbyn eine einseitige Unterstützung der Palästinenser im Nahostkonflikt vor. Im vergangenen August räumte er in einem Video öffentlich ein, dass seine Oppositionspartei ein Problem mit Antisemitismus habe. Disziplinarverfahren gegen antisemitische Parteimitglieder seien zu langsam und zu zaghaft betrieben worden. Die Polizei ermittelt gegen einige Mitglieder wegen "antisemitischer Hassverbrechen".

Bereits in der vergangenen Woche hatte Knobloch die AfD bei einer Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus im bayerischen Landtag für die Verharmlosung des Holocausts kritisiert. Abgeordnete der rechtspopulistischen Partei verließen daraufhin den Plenarsaal.

Im Europaparlament in Brüssel warnte Knobloch, der Judenhass erhebe in allen gesellschaftlichen Schichten und politischen Spektren "sein hässliches Haupt". "Kräfte wie die AfD, die Vertreter der antisemitischen BDS-Kampagne und radikale Muslime mögen wenig miteinander gemein haben - nur der Antisemitismus eint sie alle", so Knobloch. BDS steht für "Boykott, Desinvestment und Sanktionen" gegenüber Israel.

Knobloch, die auch Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern ist, appellierte an die Europaparlamentarier sowie anwesende Mitglieder der EU-Kommission, sich jeder Form von Judenhass entgegenzustellen. "Die Freiheit und die Demokratie, die wir heute genießen, sind immer nur so stark, wie der Einsatz der Demokratie für sie ist. Und die Bereitschaft der Mehrheit, sie gegen eine energische, hasserfüllte Minderheit zu verteidigen."

kko/dpa

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