Gewalt bei Rassisten-Aufmarsch Tote in Charlottesville - Gouverneur ruft Ausnahmezustand aus

In der US-Stadt Charlottesville ist ein Aufmarsch ultrarechter Gruppen eskaliert. Ein Auto fuhr in eine Gruppe von Gegendemonstranten. Eine Person starb. Zuvor hatte es Ausschreitungen gegeben.

Twitter: @brennanmgilmore

Ein Auto ist am Rande einer Kundgebung von Rechtsextremisten in der US-Stadt Charlottesville in eine Gruppe von Gegendemonstranten gefahren. Dabei ist eine 32 Jahre alte Frau getötet worden, teilte Polizeichef Al Thomas mit. Mindestens 19 weitere wurden verletzt, einige von ihnen lebensgefährlich. US-Präsident Donald Trump rief nach der Tat zu Geschlossenheit auf.

Der Fahrer des Autos sei festgenommen worden, gegen ihn werde wegen vorsätzlicher Tötung ermittelt, sagte Thomas. Die Hintergründe der Tat waren zunächst unklar.

Der Bürgermeister der Stadt, Mike Signer, teilte in einem Tweet mit, er sei untröstlich, dass ein Mensch ums Leben gekommen sei.

Die Polizei hatte zuvor ebenfalls auf dem Kurznachrichtendienst berichtet, es sei zu einem Crash mit drei Autos gekommen. Mehrere Fußgänger seien getroffen worden, es gebe zahlreiche Verletzte.

Nach Angaben von Augenzeugen fuhrt der Wagen absichtlich in die Menge. Videos auf Twitter zeigen den Vorfall. In einem Video des US-Fernsehsenders CNN ist zu sehen, wie das Auto den Tatort nach der Fahrt in die Menschenmenge mit hoher Geschwindigkeit im Rückwärtsgang wieder verlässt.

Schon Stunden vor dem Vorfall lieferten sich Rechtsextremisten und Gegendemonstranten heftige Schlägereien. Nach Angaben der Stadt wurden dabei 14 Menschen verletzt.

Der Gouverneur von Virginia, Terry McAuliffe, und städtische Behörden riefen für Charlottesville den Ausnahmezustand aus. Ein solcher Schritt erleichtert es, zusätzliche Sicherheitskräfte heranzuziehen. Erwartet wurden bis zu 6000 Teilnehmer aus Kreisen der Ultrarechten. US-Präsident Donald Trump hatte die Gewalt schon bevor das Auto in die Menschenmenge raste, via Twitter verurteilt. Er rief die Menschen dazu auf, zusammenzustehen.

Die rechten Gruppen demonstrieren dagegen, dass die Stadt ein Denkmal des Generals Robert E. Lee aus einem zentralen Park der Stadt entfernt. Lee war der Befehlshaber der Truppen der Südstaaten, die im amerikanischen Bürgerkrieg für den Fortbestand der Sklaverei kämpften. Der Park trägt bereits nicht mehr den Namen von Lee.

Wie CNN berichtete, nahm die Polizei zahlreiche Rechte fest. Es handele sich um eine illegale Versammlung. Die Behörden riefen die Menschen auf, den Park zu verlassen. Die "Washington Post" berichtete, Männer in Kampfmontur hätten sich in der Innenstadt Straßenschlachten geliefert, Flaschen seien geflogen, Chemikalien versprüht worden.

Fackelzug durch die Stadt

ALEJANDRO ALVAREZ/NEWS2SHARE

Bereits am Freitag waren mehrere Rechte in einem Fackelzug durch die Stadt marschiert. Dabei riefen sie laut Medienberichten neonazistische Parolen wie "blood and soil", ein Verweis auf die "Blut-und-Boden"-Ideologie aus der Zeit des Nationalsozialismus. Die Rechten kämpfen aus ihrer Sicht gegen eine Entsorgung "weißer Geschichte".

Charlottesville mit der Universität von Virginia hat etwa 50.000 Einwohner und liegt etwa 100 Kilometer von Washington entfernt. Den Fackelzug vom Freitagabend nannte der demokratische Bürgermeister Mike Signer in einem Facebook-Beitrag eine "feige Parade von Hass, Fanatismus, Rassismus und Intoleranz".

Fotostrecke

14  Bilder
Charlottesville: Gewalteskalation bei ultrarechtem Aufmarsch

Menschenrechtsgruppen stellen unter der Präsidentschaft Trumps ein Erstarken solcher ultrarechter Gruppierungen fest, die sich über ihr Weißsein definieren und die zum Teil offen für eine räumliche Trennung verschiedener Ethnien eintreten.

sms/sun/dpa/AP/AFP



insgesamt 176 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
xxgreenkeeperxx 12.08.2017
1. Warum ausgerechnet jetzt?
General Lee hat immerhin die Kapitulation unterschrieben und war auch über die Südstaaten hinaus ein angesehener General während des Bürgerkrieges. Er ist sozusagen ein Teil der US-Geschichte. Warum man ausgerechnet jetzt in seiner Heimatregion, also erst nach 150 Jahren, ein Denkmal von ihm unbedingt entfernen muss, kann ich so nicht nachvollziehen. Bis jetzt hat das doch niemanden gestört. Auf einmal ist es plötzlich unerwünscht weil nicht mehr politisch korrekt? Wahrscheinlich um die Bevölkerung noch mehr zu spalten, den Hass weiter zu schüren und von den "Regierungserfolgen" des Mr. Trump abzulenken. Das die Rechten dann auf die Straße gehen war ja vorherzusehen. Als ob es keine wichtigeren Problem derzeit für die USA zu lösen gäbe.
petruz 12.08.2017
2.
Menschen marschiren mit "Make America Great Again"-Kappen durch Straßen, schreien "Hail Trump" und Leute, die das ablehnen, werden mit einem Auto überfahren. Amerika 2017.
todde1962 12.08.2017
3. Der kleine Unterschied
"Lee war der Befehlshaber der Truppen der Südstaaten, die im amerikanischen Bürgerkrieg für den Fortbestand der Sklaverei kämpften." Diese Darstellung ist nicht ganz richtig. Die Südstaaten kämpften für ihre Unabhängigkeit. Den Unternehmen in den Nordstaaten waren bei der Erschließung des amerikanischen Westens, die Unternehmer des Südens eine unangenehme Konkurrenz, die es zu beseitigen galt. Den heroischen Kampf für die Befreiung der Sklaven hat es nie gegeben.
HarleyDavidSonOfABitch 12.08.2017
4. Intolerant sind natürlich immer nur die anderen ...
Das sind Krawalle mit Ansage. Es stellt sich schon die Frage, warum ein linksgerichteter Stadtrat über 150 Jahre nach Ende des amerikanischen Bürgerkriegs durch Beschluss die Reiterstandbilder zweier absoluter Schwergewichte der US-amerikanischen Geschichte (Robert Lee und Thomas Jackson) zu entfernen beabsichtigt, an denen sich 93 bzw. 96 Jahre lang niemand gestört hat, ein afro-amerikanischer Schüler jüngstens einmal ausgenommen, und zugleich zwei "Parks" gleichen Namens umbenennt, die zusammengenommen nicht einmal die Größe eines Bundesligarasens besitzen. Diese Entscheidung war bzw. ist ahistorisch und daher nichts weiter als eine geschichtsklitternde politische Provokation des politischen Gegners - die Sklaverei wird ebenso wenig damit ungeschehen gemacht wie mit einer politisch korrekten Neufassung vom Mark Twains "Tom Sawyer". Käme im Übrigen in Berlin ein konservativer Senat auf die analoge Schnapsidee, ein politisch missliebiges Denkmal, das "sowjetische Ehrenmal" beispielsweise, zu schleifen und den Treptower Park in einen "Helmut Kohl Memorial" umzubenennen, wir hätten hier Krawalle von links, dagegen wären die Bilder aus West-Virginia Kindergeburtstag.
der.tommy 12.08.2017
5.
Dass er es wagt, der größter spalter der jemals Präsident wurde, der ständig gegen Minderheiten hetzt. Dass er es wagt jetzt einen auf "Einigkeit und Brüderlichkeit" zu machen. Er widert mich an!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.