Nach Ausschreitungen im August Wieder Neonazi-Aufmarsch in Charlottesville

In Charlottesville im US-Bundesstaat Virginia haben Neonazis erneut einen Fackelmarsch abgehalten. Diesmal trafen sie nicht auf Gegenprotest, doch die Stadtverwaltung will nun härter gegen solche Aktionen vorgehen.


Erst zwei Monate ist es her, dass Neonazis in Charlottesville im US-Bundesstaat Virginia zu einem Fackelmarsch formierten, eine Gegendemonstrantin wurde getötet, es kam zu schweren Ausschreitungen. Jetzt haben sich erneut sogenannte "Weiße Nationalisten" in der Stadt getroffen. Darüber berichten die britische BBC und der US-Sender ABC.

Nach Angaben der örtlichen Polizei kamen am Samstagabend Ortszeit 40 bis 50 von ihnen in der Universitätsstadt bei einem sogenannten Flashmob zusammen und trugen Fackeln durch den Emancipation Park. Dort steht die umstrittene und momentan verhüllte Statue des Südstaaten-Generals Robert E. Lee: In der rechten Szene der USA wird er als Held verklärt, Gegner werfen ihm vor, dass er selbst Sklaven hielt. (Wer Lee wirklich war und wie er zu seinem Status unter den Rechten kam, lesen Sie hier.)

Einer der Demo-Teilnehmer in Charlottesville führte die Kundgebung mit einem Megaphon, die Teilnehmer riefen "You will not replace us. You will not erase us." ("Ihr werdet uns nicht ersetzen. Ihr werdet uns nicht auslöschen.")

Einer der führenden Köpfe hinter der ultrakonservativen Alt-Right-Bewegung, Richard Spencer, veröffentlichte ein Video bei Twitter, das er schlicht mit dem Titel "Back in Charlottesville" ("Zurück in Charlottesville") versah. Später twitterte er außerdem, die Gruppe sei "in Frieden gekommen". "Charlottesville 3.0 war ein Erfolg", schrieb Spencer. "Wir hatten viel Spaß."

Der Fackelmarsch dauerte laut Polizei nicht länger als zehn Minuten. Anschließend seien die Teilnehmer in einen Bus gestiegen und hätten die Stadt verlassen. Polizeibeamte folgten demnach dem Bus, um sicherzustellen, dass er tatsächlich die Stadtgrenze passiere. Außerdem wolle man prüfen, wie solche Zusammenkünfte auf rechtlichem Wege verboten werden könnten.

Am 12. August hatte ein Neonazi sein Auto mit hohem Tempo in eine Gruppe von Gegendemonstranten gelenkt. Die 32-jährige Heather Heyer starb. Der Tat waren heftige Ausschreitungen bei der "Unite the Right"-Demo vorausgegangen, die Polizei hatte die Situation nicht unter Kontrolle. Insgesamt starben drei Menschen, mindestens 35 wurden verletzt. Das FBI nahm die Ermittlungen auf. US-Präsident Donald Trump reagierte spät und zögerte, den Rechtsextremen die Schuld an der Eskalation zu geben - ein Verhalten, das ihm auch international viel Kritik einbrachte.

mja

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