USA Rassisten-Aufmarsch versetzt Unistadt in Aufruhr

Ein Wochenende mit ultrarechten Protesten sorgt im US-Bundesstaat Virginia für Entsetzen. Bürgerrechtler sprechen von "der größten Hass-Demonstration seit Jahrzehnten". Es geht bei allem um ein Denkmal.

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Ein Aufmarsch von Nationalisten, Rassisten und Neonazis hat das amerikanische Unistädtchen Charlottesville im Bundestaat Virginia in Alarmzustand versetzt.

Am Freitagabend marschierten bereits mehrere Hundert Teilnehmer in einem Fackelzug durch den Ort. Sie riefen laut Medienberichten dabei neonazistische Parolen wie "blood and soil" (ein Verweis auf die Blut-und-Boden-Ideologie im Dritten Reich). Bei kleineren Zusammenstößen mit Gegendemonstranten auf dem Uni-Campus sollen diese auch mit Chemikalien wie Tränengas besprüht worden sein. Fotos, die in sozialen Netzwerken kursieren, sollen Teilnehmer abbilden, die den Hitlergruß zeigen.

Die rechten Gruppen wollen gegen das Entfernen eines Denkmals für einen Südstaatengeneral aus der Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs protestieren.

Für den Samstag war eine zweite Demonstration angesetzt. Unter dem Motto "Unite the Right" ("Vereinigt die Rechte") wollen schwer zu trennende Gruppen von weißen Nationalisten, Neonazis und der selbsternannten "Alt Right" zusammen protestieren. Die Polizei rechnet mit mehreren Tausend Teilnehmern. Die Bürgerrechtsorganisation Southern Poverty Law Center spricht von der "größten Hass-Demonstrationen seit Jahrzehnten".

Der Gouverneur von Virginia, Terry McAuliffe, rief den Notstand aus. Die Polizei forderte die Menschen auf, sich von dem Gebiet um das Denkmal fernzuhalten.

Beim Fackelzug zeigt sich eine rassistische Bewegung, die sichtbarer und selbstbewusster wird
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Beim Fackelzug zeigt sich eine rassistische Bewegung, die sichtbarer und selbstbewusster wird

Charlottesville mit der Universität von Virginia und seinen 50.000 Einwohnern ist zu einem Schauplatz der Auseinandersetzung um den Umgang mit Symbolen der Sklaverei sowie zum Spielplatz für eine ultrarechte Bewegung geworden, die in den USA zuletzt immer sichtbarer und selbstbewusster wurde.

Die liberale Stadt hatte sich im April dafür entschieden, aus einem zentralen Park eine Statue von Robert E. Lee zu entfernen. Lee war der Befehlshaber der Truppen der Südstaaten, die im amerikanischen Bürgerkrieg für den Fortbestand der Sklaverei kämpften.

Der fragliche Park wurde bereits von Lee Park in Emancipation Park umbenannt (etwa Gleichberechtigungspark). Eine Petition eines afroamerikanischen Schülers hatte das Ganze ins Rollen gebracht.

Der Fall sorgte dann in Kreisen ultrarechter Gruppen für Aufsehen. Sie sehen hierein eine Entsorgung "weißer Geschichte".

Menschrechtsgruppen stellen unter der Präsidentschaft Donald Trumps ein Erstarken solcher ultrarechter Gruppierungen fest, die sich über ihr Weißsein definieren und die zum Teil offen für eine räumliche Trennung verschiedener Ethnien eintreten. Die sogenannte "Alt Right", ein Sammelbecken junger Nationalisten, Rassisten und Rechtsextremer, erlangte etwa mit dem Wahlsieg Trumps Berühmtheit.

Ihre Vertreter machten im Wahlkampf unablässig Stimmung für Trump und gegen seine Konkurrentin Hillary Clinton und prägten damit den Online-Wahlkampf. Richard Spencer, selbsternannter Anführer der "Alt Right" und Dauerprovokateur, mischte sich in die Auseinandersetzungen um das Lee-Denkmal ein. (hier lesen Sie einen Report über Spencer und seine Bewegung nach dem Wahlsieg Trumps).

Ku-Klux-Klan-Demonstration in Charlottesville im Juli
AP

Ku-Klux-Klan-Demonstration in Charlottesville im Juli

Spencer organisierte bereits im Mai einen ersten Fackelzug mit nur wenigen Dutzend Teilnehmen zum Denkmal Lees. Im Juli hielt dann der Ku-Klux-Klan einen Protestzug ab, bei der die Polizei Pfefferspray gegen einen Teil der tausend Gegendemonstranten einsetzte.

Den Fackelzug vom Freitagabend nannte Charlottesville demokratischer Bürgermeister Mike Signer in einem Facebook-Beitrag ein "feige Parade von Hass, Fanatismus, Rassismus und Intoleranz". Es widere ihn an, dass auf einem Universitätscampus eine solche Form von Einschüchterung stattgefunden habe. Das Abhalten von Fackelzügen weckt Erinnerungen an die Hochphase des rassistischen Ku-Klux-Klan.

Für die geplante "Unite the Right"-Demonstration hat sich die Stadt in Alarmzustand versetzt. Es werden auch antifaschistische Gegendemonstranten erwartet. Die Nationalgarde ist in Bereitschaft, die Virginia State Police rechnet mit dem größten Einsatz seit knapp 30 Jahren. Das Uni-Krankenhaus hat alle nicht notwendigen Operationen verschoben, um auf Notfälle reagieren zu können.



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