Gewalt in Charlottesville Was über den mutmaßlichen Todesfahrer bekannt ist

Eine Tote, 19 Verletzte: Der Mann, der in Virginia in eine Menschenmenge gefahren sein soll, ist festgenommen. US-Medien zufolge hatte der 20-Jährige eigens mehr als 800 Kilometer für die Teilnahme an der Demo zurückgelegt.

Tatwagen in Charlottesville
AP/The Daily Progress

Tatwagen in Charlottesville


Es war Samstagmittag, kurz vor 14 Uhr Ortszeit in Charlottesville, Virginia, als ein Dodge Challenger beschleunigte, Menschen erfasste, gegen einen anderen Pkw prallte und nach kurzem Stopp rückwärts davonfuhr. Der Angriff galt einer Gruppe, die gegen eine rassistische Demo protestierte, er dauerte nur Sekunden, eine Frau starb, 19 Menschen wurden verletzt.

Die Polizei nahm den Fahrer des Dodge wenig später fest: Die Ermittler identifizierten ihn als James Alex Fields jr., 20 Jahre alt, aus Maumee, Ohio. Der Ort liegt mehr als 800 Kilometer Fahrt von Charlottesville entfernt.

Viel ist noch nicht über den mutmaßlichen Täter bekannt. Doch aus Fotodokumenten und Zitaten seiner Mutter in mehreren US-Medien ergibt sich ein erstes Bild.

James Alex Fields jr. nach seiner Festnahme
REUTERS

James Alex Fields jr. nach seiner Festnahme

  • Die Mutter von Alex Fields sagte der Lokalzeitung "Toledo Blade", sie seien vor etwa einem Jahr aus Kentucky nach Ohio gekommen - wegen ihres Jobs. Ihr Sohn sei dann vor fünf oder sechs Monaten in sein eigenes Apartment gezogen. Sie habe gewusst, dass er zu einer "Alt-Right"-Demo nach Virginia wollte, weil er am Freitag seine Katze bei ihr abgegeben habe. Sie habe ihm noch gesagt, dass er vorsichtig sein und die Demo friedlich sein solle. "Ich dachte, es hätte etwas mit Trump zu tun", wird die Frau zitiert. Sie halte sich aus den politischen Ansichten ihres Sohnes raus. So ähnlich äußerte sich die Frau auch gegenüber der Nachrichtenagentur AP.
  • Die "New York Times" berichtet unter Berufung auf eine Tante, dass der Vater von Alex Fields noch vor der Geburt des Jungen gestorben sei. Militärunterlagen zufolge sei Fields 2015 für einige Monate beim Militär gewesen.
  • Fields wuchs im US-Bundesstaat Kentucky auf. Er sei ein stiller Teenager gewesen, der nur schwer Freunde gefunden habe, zitiert die "New York Times" eine frühere Nachbarin, die ihren Namen nicht nennen wollte. Er habe Probleme in der Schule gehabt, aber am Ende der Schullaufbahn noch die Kurve gekriegt. Die Mutter habe immer das Beste für ihren Sohn zu tun versucht.
  • Die "New York Daily News" veröffentlichte ein Foto, das Alex Fields am Samstagvormittag inmitten rechtsextremer Demonstranten der Vanguard America Group zeigen soll. Die Gruppe nennt "Faschismus in Amerika" als ihr Ziel. Ihr Schlachtruf "blood and soil" (Blut und Boden) war in Charlottesville deutlich zu hören. Auf dem Foto sind Männer in Khakihosen und weißen Shirts zu sehen, sie halten Schutzschilder mit zwei gekreuzten Äxten. Die Gruppe dementierte via Twitter, dass Fields Mitglied sei. Man habe jedem, der wolle, ein Schild in die Hand gedrückt.

Alex Fields wird unter anderem "Second Degree Murder" vorgeworfen, zu deutsch etwa Mord mit bedingtem Vorsatz. Was er selbst zu dem Vorwurf sagt, ob er die Tat gestanden hat oder sie bestreitet, oder ob er schweigt, ist nicht bekannt. Sollte er in einem Gerichtsprozess schuldig gesprochen werden, droht ihm eine lebenslange Haft.

hut/AP

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zeichenkette 13.08.2017
1. Die Frage, die sich aufdrängt:
Wenn da ein Moslem vorsätzlich in eine Gruppe von Menschen fährt und einen tötet und eine Menge verletzt: Reagiert Trump da genauso ("Gewalt von allen Seiten ist zu verurteilen") oder eher nicht? Und wenn nicht, warum nicht? Denn wenn das eine Terror ist, ist auch das nichts als Terror. Und wenn man bei dem einen die Gruppenzugehörigkeit herausstellt, dann sollte man das auch bei dem anderen tun. Oder halt in beiden Fällen besser nicht.
cipo 13.08.2017
2.
Zitat von zeichenketteWenn da ein Moslem vorsätzlich in eine Gruppe von Menschen fährt und einen tötet und eine Menge verletzt: Reagiert Trump da genauso ("Gewalt von allen Seiten ist zu verurteilen") oder eher nicht? Und wenn nicht, warum nicht? Denn wenn das eine Terror ist, ist auch das nichts als Terror. Und wenn man bei dem einen die Gruppenzugehörigkeit herausstellt, dann sollte man das auch bei dem anderen tun. Oder halt in beiden Fällen besser nicht.
Es ist doch nicht das erste Mal, daß Trump zu Anschlägen und Gewalttaten von Rechtsradikalen erst lange schweigt und dann, wenn überhaupt, nur lauwarme Statements abgibt. Das war jschon im Januar so bei dem Angriff auf die Moschee in Quebec und danach noch bei anderen Vorfällen in den USA und im Ausland..
gandhiforever 13.08.2017
3. Der Typ
Der Typ hat Geschichte 'studiert' und ist seinen Kommilitonen durch seine reaktionaeren Aussagen aufgefallen. Die Vorlesungen ueber das Mittelalter , so ein anderer Student, muessen es ihm wohl angetan haben, denn er handle wie im Mittelalter.
gandhiforever 13.08.2017
4. Vielleicht
Zitat von cipoEs ist doch nicht das erste Mal, daß Trump zu Anschlägen und Gewalttaten von Rechtsradikalen erst lange schweigt und dann, wenn überhaupt, nur lauwarme Statements abgibt. Das war jschon im Januar so bei dem Angriff auf die Moschee in Quebec und danach noch bei anderen Vorfällen in den USA und im Ausland..
Vielleicht steht der VerFuehrer ja dieses Mal zu seinem Wort und bezahlt den Anwalt des Terroristen.
Koda 13.08.2017
5. Nun kennen wir den Täter - wer aber ist das Opfer?
Jetzt wird der Mann nicht nur bekannt, er wird sogar berühmt und berüchtigt durch die Medien. Und zum falschen Vorbild für ie Idioten. Wer aber ist das Opfer? Kann man dem Opfer nicht auch ein Forum bieten? Die Frau ist tot, aber für was stand sie?
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