Verstoß gegen Gefängnisregeln Chelsea Manning droht Einzelhaft

Abgelaufene Zahnpasta und eine "Vanity Fair"-Ausgabe mit Caitlyn Jenner auf dem Cover könnten Chelsea Manning zum Verhängnis werden. Wegen Verstoßes gegen die Haftregeln droht der Whistleblowerin die Verlegung in Einzelhaft.

Unterstützer von Chelsea Manning: Anhörung am 18. August
REUTERS

Unterstützer von Chelsea Manning: Anhörung am 18. August


Zwei von 35 Jahren im Gefängnis hat Whistleblowerin Chelsea Manning hinter sich. Nun droht ihr eine Verschärfung der Haftbedingungen. Nach Angaben ihrer Verteidigerin Nancy Hollander wirft die Leitung des Militärgefängnisses in Fort Leavenworth Manning mehrfachen Verstoß gegen Haftregeln vor. Dafür könnte die Insassin auf unbestimmte Zeit in Einzelhaft verlegt werden.

Laut der Anwältin wird Manning unter anderem beschuldigt, sie habe sich respektlos gegenüber Wärtern verhalten und Essen auf den Boden geworfen. Zudem habe sie verbotene Gegenstände besessen und Medikamentenmissbrauch begangen.

Der letzte Vorwurf rührt laut Rechtsanwältin Hollander von einer Zellendurchsuchung am 9. Juli her. Damals fanden die Wärter Anti-Karies-Zahncreme in Mannings Zelle. Deren Haltbarkeitsdatum sei jedoch schon am 9. April 2015 abgelaufen - ein Verstoß gegen die Gefängnisregeln.

Zu den verbotenen Gegenständen in Mannings Besitz gehörten laut der Anwältin die Memoiren von Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai, die "Vanity Fair"-Ausgabe mit Caitlyn Jenner auf der Titelseite sowie der US-Senatsbericht über die Folterpraktiken der CIA.

Warum diese Bücher und Zeitschriften als verboten eingestuft werden, sei derzeit völlig unklar. "Mir macht Sorgen, dass ihr die Bücher genommen wurden", sagte Verteidigerin Hollander. "Sie hat diese Bücher auf legalem Wege erhalten und sie sind ganz bestimmt keine Gefahr für die Sicherheit."

Chelsea Manning war vor ihrer Geschlechtsangleichung als Bradley Manning IT-Spezialistin beim US-Militär. In dieser Zeit leitete sie geheime Dokumente über den Irak-Krieg an WikiLeaks weiter. Im August 2013 wurde sie dafür zu 35 Jahren Gefängnis verurteilt.

Die Entscheidung über eine Verschärfung der Haftbedingungen soll bei einer Anhörung am 18. August fallen.

syd/AP

Forum - Diskussion über diesen Artikel
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egyptwoman 13.08.2015
1.
abgelaufene Anti-Karies-Zahnpasta ein Verstoß gegen die Gefängnisregeln? Also absurder gehts ja wohl nicht mehr. Was da aufgeführt wird welche Gegenstände da gefunden wurden, ich wüsste nicht was für eine Gefahr diese darstellen sollen. Das sieht alles sehr konstruiert aus um schärfere Haftbedingungen durchzusetzen. Ich kenn den Fall Manning nicht, aber bei der Anklage und der Paranoia bei den Amis will man diese Frau offenbar total fertig machen, in den Wahnsinn oder Freitod bringen, Whistlebowler sind ja nicht grad sehr beliebt und den Amis ein Riesendorn im Auge. Einzelhaft auf unbestimmte Zeit, was eine Vorstellung, da zerbricht fast jeder dran wenn sie zulange dauert. Ich weiß schon warum ich in dieses paranoide Land in meinem ganzen Leben niemals freiwillig nur einen Fuß setzen würde. Die Menschen dort können nichts dafür, aber der Rest ne, danke, da würd ich eher freiwillig noch in Syrien leben wollen überspitzt gesagt
p-touch 13.08.2015
2.
Denn US-Behörden scheint jedes Mittel recht zu sein um sich an ihr zu rächen. Abgelaufene Zahnpasta, lächerlich.
imri.rapaport 13.08.2015
3. Er bzw. sie
wurde zur besonders lange Gefängnisstrafe verurteilt. Das bekommen nicht einmal Spione. Wäre da nicht zusätzlich die Angelegenheit mit der Geschlechtsumwandlung, wäre die Strafe sicher anders ausgefallen. Was da jetzt abläuft hat eher den Charakter von Schikane.
Dengar 13.08.2015
4. Abgelaufene Zahnpasta?
Das alles soll ein Grund für EINZELHAFT sein? Dürfen US-Gefängnisse derart willkürliche und absurde Regeln aufstellen, gegen die jeder normale Mensch automatisch irgendwann verstößt (verstoßen muss), um dann rigoros Einzelhaft zu verhängen? - Das erinnert doch eher an die Willkür totalitärer Staaten. - Oder sind die USA gar einer?!
f_bauer 13.08.2015
5. Bradley Manning
Als Bradley Manning war sie aber noch IT-Spezialist, nicht IT-Spezialistin.
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