Washington/Homs - Über den Einsatz von Chemiewaffen in Syrien war monatelang spekuliert worden. Einem Bericht des renommierten US-Magazins Foreign Policy zufolge soll das Assad-Regime am 23. Dezember in der syrischen Stadt Homs chemische Waffen eingesetzt haben. The Cable, der Blog des Magazins, stützt sich hierbei auf eine Depesche des US-Generalkonsulats in Istanbul an das US-Außenministeriums. Der Bericht wurde vom US-Konsul in Istanbul, Frederic Kilner, abgezeichnet.
Die Depesche stützt sich auf Informationen von syrischen Ärzten, Deserteuren und Aktivisten. Demnach wurde "Agent 15" - ein Nervengas, dass beim Einatmen Halluzinationen, starke Übelkeit und Desorientierung auslöst und zum Tod führen kann - kurz vor Weihnachten in der stark umkämpften syrischen Stadt Homs eingesetzt. Das unter dem Nato-Code BZ bekannte Giftgas soll Ärzten zufolge fünf Menschen das Leben gekostet und bei rund hundert weiteren zur Schädigung des Nervensystems geführt haben.
"Es war eine chemische Waffe, da sind wir sicher. Tränengas tötet keine fünf Menschenleben", sagte der Arzt Nashwan Abu Abdo "Foreign Policy". Dem Doktor zufolge sei das Giftgas mit Granaten aus Panzern verschossen worden. Die betroffenen Menschen hätten die typischen Symptome von Nervengas gezeigt, sagte Abdo. "Wir haben etliche Proben genommen. Zu hundert Prozent können wir aber nicht genau sagen, welches Gift verwendet wurde", sagte der Arzt dem Magazin.
Ein Mitarbeiter der Obama-Regierung hatte "Foreign Policy" den Bericht bestätigt: "Wir können es nicht zu hundert Prozent sicher sagen, aber Zeugenaussagen machen es sehr wahrscheinlich, dass Agent 15 eingesetzt wurde", wird der Beamte zitiert. Das US-Magazin berichtet, dass auf YouTube und Facebook Videos der Opfer kursieren würden.
"Es ist keine gute Nachricht, dass Chemiewaffen in Syrien benutzt wurden", erklärte Any Smithson vom James Martin Center für Nonproliferation Studies, dem Zentrum für die Nichtverbreitung von Massenvernichtungswaffen. "Agent 15 ist aber sicher eine der weniger gefährlichen chemischen Waffen, die im Arsenal Syriens vermutet werden", so Smithson.
Obama-Regierung nimmt Abstand vom Bericht des Außenministeriums
Zwischenzeitlich ist die US-Regierung allerdings von dem Bericht des Außenministeriums über einen Einsatz von Chemiewaffen abgerückt. Es gebe keine Beweise dafür, dass die syrische Führung neue Maßnahmen zum Einsatz von Chemiewaffen ergriffen habe, sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats, Tommy Vietor.
Vietor erklärte dazu, Medienberichte über einen mutmaßlichen Chemiewaffeneinsatz in Syrien stimmten nicht mit dem überein, was die US-Regierung über das syrische Chemiewaffenprogramm wisse.
US-Präsident Barack Obama habe zudem "sehr deutlich" gemacht, dass die syrische Führung zur Verantwortung gezogen werde, sollte sie Chemiewaffen nicht sichern oder den "tragischen Fehler" begehen, sie einzusetzen. Obama hatte dies als "rote Linie" bezeichnet, die dazu führen könne, dass die USA mit Nachdruck in den Konflikt eingreifen könnten.
US-Beamte hatten zuletzt erklärt, Syrien habe offensichtlich mit der Vorbereitung für eine Anwendung von Chemiewaffen begonnen, sei dann aber nach zahlreichen Medienberichten und Warnungen aus Washington wieder davon abgerückt.
lei
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