Präsidentschaftswahl in Chile Piñera gewinnt - muss aber in die Stichwahl

Der konservative Unternehmer Sebastián Piñera hat die Präsidentschaftswahl in Chile gewonnen, die absolute Mehrheit aber verfehlt. Mitte Dezember muss der ehemalige Präsident des Landes in die Stichwahl.

Sebastián Piñera
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Sebastián Piñera


Sebastián Piñera hat die Präsidentschaftswahl in Chile nach ersten Hochrechnungen klar gewonnen: Nach Auszählung von 99 Prozent der Stimmen kam er auf 36,6 Prozent. Für Alejandro Guillier, den Bewerber der Allianz von Sozialisten, Sozialdemokraten und Kommunisten, votierten demnach 22,7 Prozent. Piñera hat damit die absolute Mehrheit verfehlt. Zwischen den beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen wird es am 17. Dezember zu einer Stichwahl kommen.

Die Journalistin Beatriz Sánchez, Kandidatin der linken Koalition "Frente Amplio", folgte den Hochrechnungen zufolge auf Platz drei überraschend dicht hinter Guillier mit 20,3 Prozent. Der rechtsextreme Kandidat José Antonio Kast, der die Regierung des Diktators Augusto Pinochet lobt, erreichte mit 7,9 Prozent den vierten Platz.

Insgesamt waren 14,3 Millionen Menschen zur Wahl aufgerufen, die Beteiligung lag bei knapp 50 Prozent. Es wurden auch alle 155 Abgeordneten und die Hälfte der 50 Senatoren im Parlament neu gewählt. Nach der vorläufigen Auszählung wird kein politisches Lager eine absolute Mehrheit im Parlament erreichen.

Piñera - milliardenschwerer Unternehmer und Gründer der Bancard-Holding - war bereits von 2011 bis 2014 Präsident Chiles. Der Sieg ist für den 67-Jährigen ein erstaunliches Comeback: Die Chilenen spotteten über peinliche Versprecher, dazu kamen Skandale aus der Vergangenheit (mehr dazu lesen Sie hier).

aar/dpa



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danreinhardt 20.11.2017
1. Ein problematischen Wahlsystem
Durch die zwei Wahlgänge scheint ein Kandidat stark legitimiert, mit über der Hälfte der Bevölkerung hinter ihm, Präsident zu werden. Doch muss beachtet werden, dass Piñera isoliert betrachtet lediglich 36.66% der Stimmen erhalten hat - Guillier 22,67%. Die Representation der Wähler -die übrigens zwischen 7 Kandidaten wählen konnten- wird so ganz stark reduziert. Viele Freunde wollen deswegen ihre Stimme im Zweiten Wahlgang für ungültig erklären lassen. Weiterhin ist bedenklich, dass in einem so schönen Land immer noch die Mehrheit der Wähler (bei einer Wahlbeteiligung von 46% kann nicht von einer Mehrheit aller Einwohnern gesprochen werden) entweder mit stark rechter oder stark linker Tendenz wählt, eine kompromisssuchende Mitte scheint weit entfernt. Dennoch wünsche ich dem Land und Menschen nur das Beste.
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