Asienreise des US-Präsidenten Chinesische Medien preisen Trump

Zum Abschluss seines "sehr produktiven" Besuchs in China hat der US-Präsident Xi Jinping gelobt. Die Medien im Land feiern "Onkel Trump". Nächster Stopp ist Vietnam. Dort könnten sich Trump und Putin zum Gespräch treffen.

Donald Trump beim Staatsbankett in Peking
AFP

Donald Trump beim Staatsbankett in Peking


US-Präsident Donald Trump hat eine positive Bilanz seines Besuches in China gezogen. Er sprach von einem "sehr produktiven" Treffen mit Staats- und Parteichef Xi Jinping in Peking bezüglich der Themen Handel und Nordkorea. Trump betonte auch seine persönliche Wertschätzung des kommunistischen Führers: "Er ist ein hoch geschätzter und mächtiger Repräsentant seines Volkes." Auf dem privaten Twitteraccount Trumps prangt erneut ein großes Foto, das die beiden Regierungschefs mit ihren Frauen zeigt.

In chinesischen Medien wurde der Besuch Trumps positiv aufgenommen. Die regierungsnahe Tageszeitung "Global Times" veröffentlichte einen Leitartikel, der einer Lobeshymne gleicht: Trump habe bisher mit dem Thema Menschenrechte für keinen Ärger gesorgt, dies bedeute, in der chinesisch-amerikanischen Beziehung könne man sich auf Sachfragen konzentrieren. Die chinesische Bevölkerung stehe ihm inzwischen sehr positiv gegenüber - davor sei man lange durch die "absurden Berichte" der voreingenommenen US-Medien beeinflusst worden.

CNN zitiert einen Politikexperten, der im chinesischen Staatsfernsehen sagte, Trump "hat China gegeben, was China wollte; Respekt auf internationaler Bühne". Laut "New York Times" wird der US-Präsident in China unter anderem als "Onkel Trump", "Großer Kommandeur" oder "Donald, der Starke" bezeichnet. Im Land wurde zudem ein Video millionenfach geklickt, in dem Trumps Enkelin Arabella auf Mandarin singt. Laut CNN wurde der Clip auch während des offiziellen Staatsdinners am Donnerstag gezeigt.

Trump bekräftigte via Twitter seine überraschende Kehrtwende im Handelsstreit mit China: Statt wie im Wahlkampf und in den ersten Monaten seiner Präsidentschaft unfaire Handelspraktiken Chinas anzuprangern, machte er nun seine Amtsvorgänger dafür verantwortlich, dass China deutlich mehr Waren in die USA ausführt als umgekehrt.

"Ich gebe nicht China die Schuld, ich mache frühere Regierungen den Vorwurf, China zu erlauben, die USA im Handel auszunutzen, was dazu führte, dass die USA Hunderte Milliarden US-Dollar verlieren", twitterte Trump. "Wie kann China beschuldigt werden, Leute auszunutzen, die keine Ahnung haben? Ich hätte das gleiche getan!"

In Anwesenheit beider Staatschefs hatten chinesische und amerikanische Unternehmen Wirtschaftsabkommen im Wert von mehr als 200 Milliarden Dollar unterzeichnet, unter anderem für Computer- und Autoteile sowie Triebwerke. Allerdings sind einige der Papiere wohl eher Absichtserklärungen als echte Vertragsabschlüsse.

Trump und Xi hatten sich zuvor auch in Sachen Nordkorea öffentlich sehr harmonisch gezeigt. Mit Bezug auf den schwelenden Atomkonflikt sagte Trump, die USA und China seien gemeinsam in der Lage, die Probleme der Welt zu lösen. Er glaube an eine Lösung, "genau wie Sie das tun", sagt Trump an Xi gewandt. Vor allem China sei in der Lage, die Nordkoreakrise "einfach und schnell" zu lösen.

Video: Donald Trumps Harmonie-Milliarden

Getty Images AsiaPac

Nächster Stopp: Vietnam

Für Trump geht es nun weiter nach Vietnam. Dort wird er am Freitag beim Gipfel der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) erwartet. Bei dem Treffen von Staats- und Regierungschefs aus insgesamt 21 Staaten soll es insbesondere um Handelsfragen gehen. Sowohl Trump als auch Xi werden dort Reden halten.

Unklar ist noch, ob Trump am Freitag für ein Gespräch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zusammentreffen wird. Die beiden hatten sich bisher nur am Rande des G20-Gipfels im Juli in Hamburg zu einem persönlichen Gespräch getroffen. US-Außenminister Rex Tillerson sagte am Donnerstag, die Frage sei, ob es überhaupt "genügend Substanz" für ein solches Gespräch gebe. Zwischen beiden Staaten bestehen klare Differenzen etwa im Syrien- und Ukraine-Konflikt.

Der Apec gehören insgesamt 21 Pazifik-Anrainerstaaten an, auf die etwa 60 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung und etwa 40 Prozent der Weltbevölkerung entfallen. Die Gruppe trifft sich einmal pro Jahr an wechselnden Orten zu einem Gipfel. Zu den Teilnehmern gehören auch Kanadas Premierminister Justin Trudeau und Japans Regierungschef Shinzo Abe.

Melania Trump, die ihren Ehemann auf seiner Asienreise begleitet hat, reiste nicht nach Vietnam, sondern blieb in Peking. Am Freitag wollte sie noch die Große Mauer und die Pandas im Zoo der chinesischen Hauptstadt sehen. Dann fliegt sie nach Alaska.

aar/dpa/AFP

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huckzuck 10.11.2017
1. Kreide gefressen
Ich bestimme, was wahr ist. Da haben sich 2 getroffen, die sich gegenseitig Harmonie in die Tasche lügen. Scheinwirklichkeit. Nach außen und nach innen. Gekittet mit ein paar Absichtserklärungen wirtschaftlicher Art. Das wird nicht lange halten. Bei Trump sind es immer die anderen und für China geht es um Harmonie und darum, das Gesicht zu wahren.
held_der_arbeit88 10.11.2017
2. Donald der Starke
Ein kleiner Junge auf größer Bühne, der sich mit simpelsten Schmeicheleien von den Autokraten dieser Welt um den Finger wickeln lässt. Und dabei nicht erkennen will und kann, dass seine Tölpeleien den USA und dem Westen insgesamt mehr schaden als all die - angeblich - desaströse Politik seiner Vorgänger zusammengenommen. Es wäre zum lachen, wenn es nicht zum weinen wäre.
Tiefflieger 10.11.2017
3. Handelsdefizit ist Hausgemacht
An dem Handelsdefizit sind nicht die bisherigen Präsidenten schuld. Es sind vielmehr die Wirtschaftsmanager die die Produktion großflächig ins billige China exportiert haben. Als Nebeneffekt sind dann auch noch jede Menge Arbeitsplätze vernichtet worden, was zu einer Schwächung des Binnenmarktes führte. Die Probleme sind von seinen "good Friends" selbst verursacht worden.
rkinfo 10.11.2017
4. Nachhaltigkeit war noch die Stärke von D. Trump
Zitat von TieffliegerAn dem Handelsdefizit sind nicht die bisherigen Präsidenten schuld. Es sind vielmehr die Wirtschaftsmanager die die Produktion großflächig ins billige China exportiert haben. Als Nebeneffekt sind dann auch noch jede Menge Arbeitsplätze vernichtet worden, was zu einer Schwächung des Binnenmarktes führte. Die Probleme sind von seinen "good Friends" selbst verursacht worden.
Trump wendet sein Fähnchen, so wie gerade der Wind steht. In einigen Fällen, wie Nordkorea und nun dauerhafter Druck durch China auf Pjöngjang, ergänzt sich Kurz- und Langfristigkeit der Staaten. Würde sich D. Trump innenpolitisch auch ein Team der bedächtigen Nachhaltigkeit aufbauen, incl. Umsetzung Pariser-Klimaschutzabkommen, hätte er viele Problemfelder gelöst. Auch bzgl. Gas/Öl könnten die USA deutliche Exporterlöse erzielen, wenn sie es schaffen, regenerativ gewonnene Energieträger herzustellen. Aktuell ist dies nur Bioethanol, aber Potential für Biobutanol und vor allen Synthese - Ethanol, aus CO2 + Wasser + EE-Strom, würde die USA nach vorne bringen.
omanolika 10.11.2017
5. Narzistische Schwäche
Mr. Trump umgibt sich gern mit den Mächtigen der Welt, wenn auch er, im Gegenzug eben Wertschätzung erhält, und mit Xi Jinping steht die Freundschaft da am Anfang, wo es für den Donald mal gibt, einen medialen Wohlklang. Denn: Onkel Trump, nennt man ihn ganz liebevoll, aber Donald der Starke ist auch mal wirklich toll, und daher haben die Chinesen von Trump volles Gehör, also vom einzigartigen und Großen Kommandeur. Die chinesischen Medien haben Mr. Trump jetzt wohl so genannt, und damit eine offensichtliche Schwäche des Narzisten erkannt...
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