Bankett in Shenzhen Chinesische Funktionäre sollen seltenen Riesensalamander verspeist und dann Journalisten verprügelt haben

Bei einem Funktionärs-Bankett im Süden Chinas soll ein vom Aussterben bedrohter Riesensalamander serviert worden sein. Nach Medienberichten enthoben die Behörden 14 Polizisten ihres Amtes und ermitteln gegen einen Polizeichef.

Chinesischer Riesensalamander: Bis zu 1,80 Meter lang
AFP

Chinesischer Riesensalamander: Bis zu 1,80 Meter lang


Shenzhen - Die chinesischen Behörden ermitteln wegen Vorwürfen, wonach Polizeibeamte bei einem Bankett ein Exemplar des vom Aussterben bedrohten Riesensalamanders gegessen haben sollen. 14 Polizisten sollen danach vom Dienst suspendiert worden sein. Zudem werde gegen einen Polizeichef ermittelt, wie Staatsmedien berichteten.

Das Bankett mit 28 Gästen fand in der vergangenen Woche im südchinesischen Shenzhen statt.

Der chinesische Präsident Xi Jinping verfolgt eine strenge Anti-Korruptions-Kampagne. Funktionäre sind dazu aufgefordert, teure Banketts zu meiden.

Im vergangenen Jahr hat China zudem die Strafen für das Verzehren seltener Tiere verschärft. Wer die Gesetze verletzt, kann bis zu zehn Jahre Haft bekommen.

"Besondere Gaumenfreude"

Die "Southern Metropolis Daily" berichtete, dass sie einen Hinweis erhalten habe, wonach 28 Personen, unter anderem hochrangige Sicherheitsfunktionäre, an einem Bankett teilnehmen würden, das mit öffentlichen Mitteln bezahlt sei. Auf der Speisekarte solle ein Riesensalamander gestanden haben.

Zwei Reporter sowie ein Fotojournalist der "Southern Metropolis Daily" hätten das Restaurant besucht, in dem das Bankett stattfand. Sie wollen gehört haben, wie der Gastgeber sagte, er wolle seinen Gästen eine "besondere Gaumenfreude" bereiten.

Ein Teilnehmer des Banketts soll der Zeitung gegenüber bestätigt haben, dass unter anderem Riesensalamander serviert worden sei, den der Gastgeber für das Festmahl besorgt habe.

Chinesische Riesensalamander können bis zu 1,80 Meter lang werden. Sie sind hochgradig gefährdet und stehen unter Schutz. Sie gelten in China aber auch als Delikatesse.

Journalisten wurden geschlagen und gewürgt

Die Situation eskalierte, als die Funktionäre bemerkten, dass sie beim Verlassen des Restaurants fotografiert wurden. Die drei Journalisten wurden geschlagen und gewürgt, ihre Handys und ihre Ausrüstung wurden gestohlen, berichtete die Zeitung.

Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete später, dass 14 Polizisten ihres Amt enthoben wurden. Nicht klar ist, ob sie Gäste des Banketts waren oder nach der Eskalation am Tatort ankamen. Auch würden Ermittlungen gegen einen lokalen Polizeichef laufen.

Ein Polizeibeamter soll behauptet haben, dass das Bankett von einem pensionierten Kollegen bezahlt worden sei.

mka/Reuters



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