Chinas KP-Sprösslinge: Die Prinzlinge sahnen Milliarden ab

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Sie studieren an Elite-Unis in Übersee und geben das Geld mit vollen Händen aus: Wer in China Kind eines hohen KP-Funktionärs ist, hat beste Beziehungen und beste Aussichten. Viele "Prinzlinge" sind deshalb begehrt bei ausländischen Firmen - oder schon an der Spitze von Finanzimperien.

KP-Kinder: Chinas reiche Prinzlinge Fotos
REUTERS

Als Wen Yunsong, auch unter dem Namen Winston Wen bekannt, im Februar dieses Jahres Vorsitzender der "China Satellite Communications" wurde, schossen die Aktien des in Hongkong notierten Unternehmens sofort um über 40 Prozent in die Höhe.

Die Investoren kauften die Aktien des staatlichen Telekom-Unternehmens aber nicht nur, weil Wen ein fähiger Geschäftsmann und Finanzexperte ist. Vor allem stiegen sie ein, weil er ausgezeichnete Verbindungen hat, die, wie sie hofften, in lukrative Verträge münden: Wen ist Sohn des chinesischen Premierministers Wen Jiabao - und somit ein Prinzling, wie die Söhne und Töchter einflussreicher KP-Funktionäre genannt werden.

Ein anderer Prinzling hat ebenfalls einen attraktiven Job: Hu Haifeng. Der Sohn von Staats- und Parteichef Hu Jintao ist Vizechef der renommierten Pekinger Qinghua-Universität und als ihr Parteisekretär gleichzeitig für die Wirtschaftsunternehmen der Hochschule verantwortlich. Er beaufsichtigt in dieser Funktion das Uni-Unternehmen Nuctech, das Geräte für die Kontrolle von Gepäck und Containern auf Flugplätzen und in Häfen herstellt. Zuvor war Hu Junior-Präsident von Nuctech.

Die Karriere von Kindern hoher chinesischer Parteikader verläuft häufig äußerst erfolgreich: Zum einen können es sich ihre Eltern leisten, sie ordentlich ausbilden zu lassen: Deshalb studierten die meisten an Elite-Universitäten in den USA oder Europa. Aufgewachsen in komfortablen Funktionärswohnungen, ausgebildet in den besten Schulen, ausgestattet mit Dienstwagen und gepflegt in Sonderkrankenhäusern des Militärs haben die Prinzlinge bessere Startchancen als ihre Altersgenossen. Nicht selten besitzen sie zudem einen ausländischen Pass oder zumindest eine amerikanische Green Card.

Die Prinzlinge werden von Firmen aus dem In- und Ausland gerne angeheuert: Die Unternehmen erhoffen sich von ihnen nicht nur Insider-Wissen über Vorgänge in den oberen Etagen der Pekinger Macht, über Ausschreibungen und bevorstehende Börsengänge, sondern sie versprechen sich auch Verbindungen und Kontakte, die den Geschäften dienen.

Die jüngste Polit- und Kriminalaffäre um die Familie des mittlerweile gestürzten Parteichefs der Yangtse-Metropole Chongqing, Bo Xilai und seiner Frau Gu Kailai, hat Karrieren und Vermögen der KP-Familien ins Blickfeld gerückt. Die Rechtsanwältin Gu soll einen britischen Geschäftspartner vergiftet haben oder vergiftet haben lassen, wie chinesische Medien berichten. Im Zuge der Ermittlungen wurde jetzt bekannt, dass sie und ihre Schwestern ein 126-Millionen-Dollar-Firmenimperium kontrollieren.

Das ist allerdings wohl nur ein kleiner Bruchteil jenes Vermögens, das die reichen Familien Chinas kontrollieren - und das ohne ihre politischen Verbindungen und ihren Einfluss wohl niemals hätte angehäuft werden können. Denn wer zum Clan eines hohen Funktionärs gehört, kommt schneller an profitable Regierungsverträge oder hohe Posten. Die Prinzlinge, sagt der ehemalige Studentenführer und Dissident Wang Dan, gehören deshalb "zu den reichsten Menschen in China".

Niemand weiß, wieviel Geld und Gold Chinas rote Familien auf in- und ausländischen Konten angesammelt haben. Denn sie verstehen es meisterhaft, über komplizierte Firmenkonstruktionen und geänderte Namen Spuren zu verwischen. Allerdings haben chinesische Soziologen schon vor einigen Jahren nach langer Recherche herausgefunden: 90 Prozent aller chinesischen Milliardäre sind Kinder von Funktionären.

Rund 2900 dieser Prinzlinge hatten ein Vermögen von insgesamt zweitausend Milliarden Yuan (also rund 240 Milliarden Euro) aufgehäuft. Vor allem im Finanzsektor, Außenhandel und auf dem Immobilienmarkt waren sie aktiv - als Firmeninhaber oder als Manager in großen Unternehmen. Von 3220 Personen, die mehr als hundert Millionen Yuan besaßen, waren damals nur 288 keine Kinder von hohen Funktionären.

Chinas KP als Selbstbedienungsladen

Das Vermögen der 70 wohlhabendsten Delegierten des Nationalen Volkskongresses, Pekings Pseudo-Parlament, lag 2011 bei knapp 90 Milliarden Dollar. "Der Grad der Verbindung zwischen Wohlstand und Politik ist außergewöhnlich", sagt der US-Wissenschaftler Kenneth Lieberthal. Dies sei der Grund, warum sich so viele Chinesen "über die extreme Ungleichheit des Wohlstandes" beschweren.

Die KP als Selbstbedienungsladen: Immer wieder mahnen auch parteiinterne Kritiker an, das Treiben zu stoppen, denn es löst Unruhe im Volk aus. Viele Sprösslinge höchster Mandarine haben zum Beispiel bei privaten Fonds investiert. Sie legen Milliarden an und kassieren dafür enorm hohe Prämien.

Einige Beispiele: Levin Zhu, Sohn des Ex-Premierministers Zhu Rongji und studierter Meteorologe, arbeitete lange Jahre im Hongkonger Büro der China International Capital Corp., dem Gemeinschaftsunternehmen eines chinesischen Fonds und der amerikanischen Investitionsbank Morgan Stanley. Der Sohn des früheren KP-Chefs Jiang Zemin, Jiang Mianheng, saß in einer Shanghaier staatlichen Investitionsfirma und in den Aufsichtsräten etlicher Unternehmen.

Die Aktivitäten der beiden, so ein Szenen-Kenner laut "Financial Times", "signalisierten der jungen Generation grünes Licht, ihren eigenen Eimer mit Gold zu füllen, egal mit welchen Folgen für das Image der Partei oder der Führung".

Li Tong, Tochter des Propagandachefs Li Changchun, leitete einen Vermögensfonds der staatlichen Bank of China. Ihr Bruder ist Vizepräsident der Telekomfirma China Mobile, die ebenfalls der Regierung gehört.

Geldhäuser ohne Verbindungen nach oben haben kaum Chancen

Bevor der Sohn des Regierungschefs, Winston Wen, zu China Satellite Communications überwechselte, war er Chef von New Horizon Capital, einem diskreten privaten Investitionsfonds mit Milliarden von Dollar auf den Konten. Im selben Geschäft tummelt sich auch Wilson Feng, Schwiegersohn von Wu Bangguo, dem Vorsitzenden des Nationalen Volkskongresses und offiziell Nummer zwei im Reich der Mitte. Auch George Li, Sohn des ehemaligen Politbüro-Mitgliedes Li Ruihan, und sein Bruder Jeffrey mischen mit.

In der Branche der privaten Vermögensverwaltung sind so viele Prinzlinge aktiv, dass Geldhäuser ohne Verbindungen nach oben kaum Chancen haben, sich zu etablieren, berichten Fachleute. Ausländische Banken fürchten mittlerweile, von den Prinzlingen und einflussreichen Familien aus dem chinesischen Markt gedrängt zu werden.

Legendär ist der Einfluss des Li-Clans auf den profitablen Stromsektor, an dessen Spitze der ehemalige Premierminister Li Peng steht. Tochter Xiaolin führt ein großes Energieunternehmen. Der Sohn, ebenfalls lange Chef eines Stromgiganten, ist mittlerweile zum Vizegouverneur der Provinz Shanxi aufgestiegen. Und ohne die Ehegattin Li Pengs, Managerin eines Staatsbetriebes, soll in der Inneren Mongolei kaum ein wichtiger Vertrag zustande kommen.

Im jüngsten Skandal geht es ebenfalls um sehr viel Geld: 1,2 Milliarden Dollar soll Gu Kailai, die inhaftierte Frau von Bo Xilai, über die Jahre ins Ausland transferiert haben. Kein Wunder, dass nun einige Angehörige der unter KP-Chef Bo ins Gefängnis geworfenen vermeintlichen Mafia-Mitglieder und korrupten Funktionäre fordern, Gerichtsurteile zu ändern. Denn Bo hatte einen Krieg gegen organisierte Kriminalität und krumme KP-Kader geführt und viele verurteilen lassen. Wenn aber Bo und seine Familie sich selbst illegal bereicherten, sagen die Angehörigen, wie konnten sie deshalb andere verurteilen lassen?

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1.
spongie2000 24.04.2012
Das hört sich jetzt nach einer Stammtisch-Logik an, aber wenn Beziehungen in der Wirtschaft zu Politikern wichtig sind, also die Politik FÜR und GEGEN Unternehmen arbeitet, weil sie dort eigene Gruppenmitglieder erkennt, und diese selbe Politik Menschen unter Gefängniszwang und anderer Strafen von den Bürgern Steuern verlangt, ist es keine Demokratie sondern etwas anderes. Möge man es Monarchie, Oligarchie oder Volksrepublik nennen, aber es ist und bleibt eine Gruppe von Menschen, die solidarisch das Land zur eigenen Bereicherung unterdrückt. Und die Folgen kann man in Deutschland schon spüren, wenn man sieht, wie oft Wirtschaftsbosse in die Politik, Politiker in Gerichtssäale usw springen
2.
essstaebchen 24.04.2012
Deshalb sind die Werber für die Parteimitgliedschaft an den chinesischen Universitäten so erfolgreich. Jeder weiß, ohne Parteibuch ist es ungleich schwerer eine gute Anstellung zu finden. Und die Mitgliedschaft eröffnet ungeahnte Möglichkeiten. Dieser Artikel kratzt dennoch nur an der Oberfläche. Die Korruption hat zu einem so ausgefeilten System geführt, dass man es an Perfektion kaum übertreffen kann. Es ist unmöglich, dagegen etwas zu tun. Den diejenigen, die etwas tun können, haben sich in den letzten Jahren selbst reichlich bedient. Kein Wen Jiabao oder Hu Jintao wird gegen Korruption vorgehen. Sonst würden die ihr privates Milliardenvermögen verlieren. Darüber wird in China nicht einmal hinter vorgehaltener Hand gesprochen. Im Gegenteil! Man versucht es, ihnen gleich zu tun. Sie sind Vorbilder für eine ganze Generation von jungen Leuten geworden.
3.
sprechweise 24.04.2012
Zitat von sysopSie studieren an Elite-Unis in Übersee und geben das Geld mit vollen Händen aus: Wer in China Kind eines hohen KP-Funktionärs ist, hat beste Beziehungen und beste Aussichten. Viele "Prinzlinge" sind deshalb begehrt bei ausländischen Firmen - oder schon an der Spitze von Finanzimperien. Chinas KP-Sprösslinge: Die Prinzlinge sahnen Milliarden ab - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,828825,00.html)
Auch so, und ich glaubte mal daran, dass Gehälter leistungsgerecht vergeben werden.
4. Prinzlinge
caecilia_metella 24.04.2012
Nette Wortschöpfung. Jeder Prinzling ist ein Winzling. Auch die "echten".
5. Nichts wirklich Neues
zappa99 24.04.2012
Es ist nichts aussergewöhnliches, dass auf dem Land dem örtlichen KP-Vorsitzenden die meisten Immobilien gehören und die halbe Bevölkerung bei ihm mietet oder pachtet. Möchte wissen, wieviel Geld aus Chinas KP in der Schweiz lagert. Das war auch in der UdSSR so.
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