Lebenszeichen nach drei Jahren Verhafteter chinesischer Anwalt lebt noch

Jahrelang hörte Li Wenzu nichts von ihrem Mann. Nun hat die Ehefrau von Wang Quanzhang Gewissheit: Der verschwundene Bürgerrechtsanwalt ist in einem Gefängnis im Nordosten Chinas inhaftiert.

Demonstrant in Hongkong mit "Free Wang Quanzhang"-Plakat
AP

Demonstrant in Hongkong mit "Free Wang Quanzhang"-Plakat


Nach drei Jahren ohne ein Lebenszeichen hat die Frau des Bürgerrechtsanwalts Wang Quanzhang erstmals Nachricht von ihrem inhaftierten Mann erhalten. "Ich weiß endlich, dass er noch lebt und geistig und körperlich in einem normalen Zustand ist", teilte Li Wenzu in einer Erklärung mit, die eine Freundin über das chinesische soziale Netzwerk Weibo verbreitete.

Der Anwalt Liu Weiguo habe ihren Mann erstmals in Haft in der Stadt Tianjin eine Autostunde von Peking entfernt besuchen dürfen. Wang Quanzhang habe "sehr verängstigt" ausgesehen und "sich nicht getraut, laut zu sprechen". Die Ärzte verabreichten Wang Quanzhang Medikamente, weil er angeblich unter hohem Blutdruck leide. "Ich möchte klarstellen, dass Quanzhang keinen Bluthochdruck hatte, als er festgenommen wurde", teilte seine Frau mit.

Li Wenzu
REUTERS

Li Wenzu

Auch andere, die im Zuge einer Verfolgungswelle seit Juli 2015 gegen etwa 300 Anwälte, Kanzleimitarbeiter, Aktivisten und Verwandte festgenommen wurden, seien gezwungen worden, Medikamente den Angaben zufolge wegen Bluthochdrucks zu nehmen, sagte Li Wenzu. "Wie sehr mag sein Körper schon geschädigt worden sein?"

(Mehr über die Verfolgungswelle in China lesen Sie hier.)

Wang Quanzhang war einer der ersten Menschenrechtsanwälte, die im Juli 2015 festgenommen wurden und galt seit damals als verschwunden. Dem kritischen Anwalt, der sich für politische Freiheiten und bürgerliche Rechte eingesetzt hatte, wird "Untergrabung der Staatsgewalt" vorgeworfen.

Zum ersten Jahrestag des Todes des in Haft an Leberkrebs gestorbenen chinesischen Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo am vergangenen Freitag war bei Aktionen in Hongkong auch an das Schicksal von Wang Quanzhang erinnert worden.

asa/dpa



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