Zensur in sozialem Netzwerk China löscht Taiwans neue Präsidentin

Unmittelbar nachdem der Sieg der Oppositionskandidatin Tsai Ing-wen bei der Präsidentschaftswahl in Taiwan verkündet wurde, hat China reagiert: Zensoren löschten die Politikerin aus dem sozialen Netzwerk Weibo.

Taiwans neue Staatschefin Tsai Ing-wen: Internetsuche durch China zensiert
REUTERS

Taiwans neue Staatschefin Tsai Ing-wen: Internetsuche durch China zensiert


Die chinesische Zensurbehörde reagierte schnell: Direkt nach dem Wahlsieg der 59-jährigen Kandidatin der Opposition, Tsai Ing-wen, in Taiwan wurde die Politikerin aus dem sozialen Netzwerk Weibo gelöscht, wie die Nachrichtenagenturen AFP und Reuters berichten. Die Zensoren bemühten sich demnach am Samstag, auch weitere Einträge zu der chinakritischen Politikerin im Internet zu blockieren.

Tsai, von der Demokratischen Fortschrittspartei (DFP), war am Samstag mit großer Mehrheit als erste Frau ins Präsidentenamt in Taiwan gewählt worden, das bisher Ma Ying-jeou von der chinafreundlichen Kuomintang (KMT) innehatte.

Bei der Suche nach "Tsai Ing-wen" oder "Wahlen in Taiwan" erschien den Berichten zufolge beim chinesischen Kurzmitteilungsdienst Weibo lediglich die Mitteilung, dass gemäß den geltenden Gesetzen die Ergebnisse der Suchanfrage nicht gezeigt werden könnten - ein Hinweis auf Zensur durch die Behörden.

Diese löschen seit Langem kritische Einträge im Internet und blockieren unliebsame Nachrichten. Westliche Internetdienstleister wie Facebook, Twitter und Google sind in der Volksrepublik ebenfalls nicht zugänglich.

Eine Chinesen schafften es offenbar trotzdem, über die Wahl zu posten: "Warum gibt es keine Wahl für den Vorsitzenden in China? Ich verurteile das", schrieb ein User bei Weibo.

nck/AFP

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lesender_hesse 16.01.2016
1. chinakritisch?
Lieber Spiegel, Frau Tsai ist pro-taiwanesisch, nicht china-kritisch. Was sie auch daran hätten erkennen können, dass Frau Tsai die ersten Abkommen mit China, die zu einer Öffnung für Investments in China, Kulturaustauschprogramme von Universitäten etc. mit begleitet hat. Danke aber für den Artikel der es fast klar ausspricht: China erzeugt Spannungen mit Taiwan. Liegt wahrscheinlich daran, dass es das Land unbedingt annektieren möchte. Was im Artikel nicht steht: die gleichzeitig stattfindenden Parlamentswahlen sind historisch. Denn mit Pauken und Trompeten hat die KMT erstmalig die Mehrheit im Parlament verloren.
Larosen 16.01.2016
2. Traurig aber Wahr
Als ich im Sommer dort war, viel mir auch auf, dass Artikel auf Spiegel Online ebenfalls kurz nach der Publikation einfach verschwanden. Ich hoffe, dass sich irgendwann die Menschen gegen ihr Regime auflehnen und es die Zensur auflöst.
Mertrager 16.01.2016
3. Irgendwann wird China es einsehen
..., dasz diese Art der Zensur keine Probleme löst.
Zaunsfeld 16.01.2016
4.
Nein. Die chinesische kommunistische Partei hat einfach nur einen riesen Angst vor der eigenen Bevölkerung. Das ist der einzige Grund für die Zensur.
carluke2001 16.01.2016
5. Zusammenhang?
Ich kann in Ihrem Kommntar weder einen Zusammenhang mit dem Artikel noch sonst irgendeine Art von Logik entdecken. Was wollen sie mit "Europäischen Zuständen"? Taiwan zeigt als asiatischer Staat (genauso wie Südkorea, Japan und einer ganzen Reihe anderer Staaten der Region), dass Demokratie keine "westliche" Erfindung ist. Niemand will der VR China ihren weiteren Weg vorschreiben, nur wird auch die Führung in Peking hoffentlich irgendwann realisieren müssen, dass man einer mündigen Bevölkerung nicht auf Dauer elementarste Grundrecht vorenthalten kann. Deshalb: Gratulation an Taiwan für die selbstbewusste Entscheidung.
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