Jahrestag des Tiananmen-Massakers China riegelt Platz des Himmlischen Friedens ab

25 Jahre liegt das Blutbad auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking zurück - und Chinas Behörden sind äußerst angespannt. Jetzt haben sie den Platz weitgehend gesperrt, nur Touristen haben noch Zugang.

Chinesische Soldaten am Platz des Himmlischen Friedens: Erinnerung nicht erwünscht
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Chinesische Soldaten am Platz des Himmlischen Friedens: Erinnerung nicht erwünscht


Peking - Zum Jahrestag des Tiananmen-Massakers gelten in China strenge Sicherheitsbestimmungen. Polizei und Armee haben am Mittwoch den Platz des Himmlischen Friedens zu großen Teilen abgeriegelt. Auch umliegende Straßen wurden gesperrt. Die chinesische Führung versucht so, jedes öffentliche Gedenken an die gewaltsame Niederschlagung der Proteste 1989 zu verhindern.

Insbesondere ausländische Medien wurden vom Platz ferngehalten. So berichtet die Nachrichtenagentur Reuters, einer ihrer Journalisten sei mehrere Stunden von der Polizei festgehalten worden, nachdem er über den Jahrestag berichten wollte. Nur Touristen durften den Platz noch betreten.

Bereits in den vergangenen Tagen hatten Polizisten und Soldaten Kontrollpunkte rund um den Platz im Pekinger Stadtzentrum errichtet und scharfe Personenkontrollen durchgeführt. Zahlreiche Oppositionelle wurden festgenommen oder unter Hausarrest gestellt.

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Tiananmen-Massaker: China fürchtet neue Proteste

Zugleich wurden im Internet Verweise auf das Massaker vor 25 Jahren zensiert. So war Google zwischenzeitlich fast vollständig blockiert und auch Meldungen beim beliebten Kurznachrichtendienst Weibo wurden gelöscht. Allein vage Anspielungen auf das Datum der Proteste wie "64" für den 4. Juni oder auch "63+1" sind Grund genug für eine Löschung. Man verwalte das Internet "gemäß dem Gesetz", kommentierte ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums die Sperren.

Organisationen wie Amnesty International und Reporter ohne Grenzen kritisieren die Repressionen scharf. Die Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses des EU-Parlaments, Barbara Lochbihler, beklagte: "Die Vertuschungspolitik der chinesischen Regierung hat sich in den 25 Jahren seit dem Tiananmen-Massaker kaum verändert. Im Gegenteil: Das diesjährige Vorgehen der Behörden ist von besonderer Härte geprägt."

1989 protestierten Studenten auf dem Platz wochenlang friedlich für demokratische Reformen. Am 3. und 4. Juni ließ die chinesische Führung Panzer aufrollen und den Protest niederschlagen. Die Stadtverwaltung von Peking sprach danach von 241 Toten. Menschenrechtsorganisationen gehen von bis zu mehreren tausend Toten aus. Die genaue Zahl der Todesopfer ist bis heute unbekannt.

mad/Reuters/dpa/AFP/AP



insgesamt 6 Beiträge
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Europa! 04.06.2014
1. Gemein: "Alle, außer Touristen"
Zitat von sysopGetty Images25 Jahre liegt das Blutbad auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking zurück - und Chinas Behörden sind äußerst angespannt. Jetzt haben sie den Platz weitgehend gesperrt, nur Touristen haben noch Zugang. http://www.spiegel.de/politik/ausland/china-platz-des-himmlischen-friedens-abgesperrt-a-973327.html
Angesichts der Tatsache, dass erst vor wenigen Wochen uigurische Separatisten ein blutiges Bombenattentat auf dem Tiananmen veranstaltet haben, kann ich die Behörden ganz gut verstehen.
jaroslav.bocek 04.06.2014
2. Dummheit der Diktaturen
Man kann nur stauen, wie dumm sich Diktaturen benehmen können. Wahrscheinlich sitzt im Politbüro der chinesischen Kommunisten ein Anhänger der Proteste vor 25 Jahren. Symbolischer kann man der Proteste gar nicht gedenken. Eine solche Gedankveranstaltung hätten sich die damaligen Opfer gar nicht vorstellen können.
spon-facebook-10000373147 04.06.2014
3. da kann sich China in der Türkei und USA Tipps holen
Die Türkei und die USA können helfen, wie man Demonstrationen mit Gewalt verhindert. Da kann sich China informieren.
rolf.piper 04.06.2014
4. Ich staune immer wieder über unsere Journalisten!
Sie können perfekt Chinesisch, sie waren vor 25 Jahren dabei. Sie haben die Toten gezählt (trotz schlechter Mathenoten) und sie wissen genau, was die Chinesen denken und fühlen. Wir sind eben genial!
vulcan 04.06.2014
5.
Zitat von spon-facebook-10000373147Die Türkei und die USA können helfen, wie man Demonstrationen mit Gewalt verhindert. Da kann sich China informieren.
Da könnten noch sehr viel mehr helfen. Dieses ewiggleiche dumme und sofortige Fingerzeigen macht die Sache in China nicht besser. Es ist und bleibt eine Diktatur, bei der wenige in Saus und Braus leben - Söhnchen und Töchterchen dekadent bis zum geht nicht mehr vielleicht noch im Ausland, aber auch zuhause verschafft sich da eine kleine Machtelite willkürlich unfassbare Privilegien und reagiert ebenso willkürlich wenn sie auch nur den kleinsten Verdacht haben, irgendetwas Innenpolitisches könnte ihre angesammelte Macht gefährden. Wer hier ständig das hohe Loblied auf China singt, sollte vielleicht mal aufhören, sich vorzumachen, China wäre ein menschenfreundlicher Staat. Ganz im Gegenteil. Da kann man in Peking/Beijing noch eine Menge in den USA lernen, aber wohl eher weniger umgekehrt.
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