China: Regierungsberater fordern Ende der Ein-Kind-Politik

Die Regelung führt zu Zwangsabtreibung und Sterilisation: In China wächst der Widerstand gegen die staatliche Ein-Kind-Politik. Nun fordert auch ein regierungsnahes Expertengremium ein Umdenken. Bis 2015 müssten zwei Kinder erlaubt sein - 2020 solle das Gesetz ganz fallen.

Chinesische Mutter mit Kind: Neuregelung der Ein-Kind-Politik? Zur Großansicht
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Chinesische Mutter mit Kind: Neuregelung der Ein-Kind-Politik?

Peking - Eine regierungsnahe Expertenkommission in China hat sich für einen schrittweisen Ausstieg aus der umstrittenen Ein-Kind-Politik ausgesprochen. In einigen Provinzen sollte es Eltern sogar von sofort an erlaubt sein, zwei Kinder zu bekommen, forderte die Entwicklungsforschungsstiftung in einem Bericht.

Landesweit solle dies ab 2015 gelten. Fünf Jahre später sollte die Geburtenbegrenzung komplett aufgehoben werden. Der Bericht der Stiftung soll in Kürze veröffentlicht werden, lag staatlichen Medien aber bereits vorab vor. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete am Dienstag darüber. "China hat einen hohen politischen und sozialen Preis für die Regelung bezahlt", zitiert die Agentur aus dem Papier.

Die Regierung gab zunächst keine Stellungnahme ab. Ob sie zu einer Umsetzung der Empfehlungen bereit sein könnte, war unklar.

Paaren in städtischen Gebieten ist es nach der aktuell geltenden Regelung nicht erlaubt, mehr als ein Kind zu haben. Auf dem Land dürfen Familien ein zweites Kind bekommen, wenn es sich bei dem Erstgeborenen um ein Mädchen handelt. Außerdem existieren zahlreiche weitere Ausnahmen, etwa bei Familien ethnischer Minderheiten.

Gleichzeitig sind die Strafen bei Verstößen drastisch und reichen von Geldbußen und Jobverlust bis zu Zwangsenteignung. Die Folge sind häufig erzwungene Abtreibungen und Sterilisationen. Diese sind in China zwar verboten, werden aber trotzdem immer wieder durchgeführt. Erst im Juni hatte ein Foto einer chinesischen Frau mit ihrem getöteten Fötus international Entsetzen ausgelöst.

Die drastischen Konsequenzen von Chinas Ein-Kind-Politik sorgen im Land seit langem für Aufruhr in der Bevölkerung. Insbesondere die sich entwickelnde breite Schicht der Wohlhabenden ist der Ansicht, die Regierung habe kein Recht, ihnen vorzuschreiben, wie viele Kinder sie bekommen können.

Die Regierung in Peking hält dem entgegen, dass die Ein-Kind-Politik bereits 400 Millionen Geburten in dem mit 1,3 Milliarden Bewohnern bevölkerungsreichsten Land der Welt verhindert habe.

jok/AP/dapd

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insgesamt 39 Beiträge
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1. Wie so vieles in China stimmt auch da die Wirklichkeit mit dem Wunsch kaum überein!
vielflieger_1970 31.10.2012
Wer, wie ich, lange Zeit in China verbracht hat, der weiß, dass nicht wenige Paare mehr als ein Kind haben, besonders im städtischen Bereich! Es ist eher eine Frage des Status und damit des Geldes. Wer in China zu den "oberen Zehntausend" gehört, für den gelten einige Gesetze nicht bzw. die haben eben Möglichkeiten, sich anderweitig zu arrangieren. Traurig, aber wahr!
2.
Mac_Beth 31.10.2012
Zitat von vielflieger_1970Es ist eher eine Frage des Status und damit des Geldes. Wer in China zu den "oberen Zehntausend" gehört, für den gelten einige Gesetze nicht bzw. die haben eben Möglichkeiten, sich anderweitig zu arrangieren. Traurig, aber wahr!
Oh tatsächlich? Bitte erzählen sie mir mehr davon wie so etwas in westlichen Ländern natürlich eine vollkommene Undenkbarkeit wäre... Die Ein-Kind-Politik mag hier- und dortzulande vielen Menschen nicht gefallen, aber sie ist durchaus eine Notwendigkeit (gewesen). 1,4 Milliarden Menschen versorgen sich nicht von alleine.
3. Was wäre...
festuca 31.10.2012
...wenn China nicht jahrzehntelang diese Politik betreiben würde? Das Land hätte bestimmt nicht den aktuellen Boom an die Weltspitze erlebt und ob es global besser um die Welt bestellt wäre, darf auch bezweifelt werden. Inzwischen dürfte das Land ein Niveau erreicht haben, wo sich die Reproduktion auch ohne Restriktionen bei plus/minus Null einpendeln dürfte.
4. Ein- Kindpolitik,
AhzekAhriman 31.10.2012
das ich nicht lache. Wie die Bevölkerung wachsen kann, wenn jede Familie nur ein Kind bekommt ist mir ein Rätsel. Aber das ist wohl eines der Geheimnisse von Chinas-Parteiführung. 1,3 Mrd. Menschen machen sich aber auch sehr gut, wenn es darum geht, sich als Weltmacht und wichtigster Wirtschaftsmarkt der Welt zu profilieren. Hat eigentlich jemand mal die Chinesen gezählt oder basieren die Zahlen nur auf Statistiken korupter Lokalpolitiker, die besonders viel Geld, von der Zentralregierung, für ihre Provinzen/Städte/Gemeinden abzweigen bzw. anfordern wollen?! Das letztere klingt für mich plausibler. Das die Ein- Kindpolitik jetzt aufgegeben werden soll, könnte man in diese Richtung interpretieren sprich, das man jetzt wirklich mehr "Arbeitssklaven" braucht bzw. der eigene Markt Aufgrund unrealistische Bevölkerungszahlen an seine Grenzen stößt.
5. Ausnahmen bei Einkindpolitik
tomtom1999 31.10.2012
@vielflieger: Es stimmt so nicht. So dürfen beispielsweise Ehepaare aus Einzelkindern zwei Kinder bekommen (seit 1998) zwei Kinder bekommen. Ebenso Paare ethnischer Minderheiten und Paare in ländlichen Gegenden (schon immer) dürfen beliebig viele Kinder haben. Das Problem ist eher in den Städten und großen Dörfern. Dort muss man entweder sehr wohlhabend oder sehr doof sein. Falls man gegen die Regel verstößt, wird man mit Geldstrafe bestraft. Außerdem müssen die Kinder dann ohne staatliche Unterstützung leben. (z.B. volle Gebühren bei Schulen, Krankenversicherung) https://de.wikipedia.org/wiki/Ein-Kind-Politik
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