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China: Kranke Regimekritikerin an Ausreise gehindert

Journalistin Gao Yu (2012): "Die Behörden antworten einfach nicht" Zur Großansicht
AP/dpa

Journalistin Gao Yu (2012): "Die Behörden antworten einfach nicht"

Sie ist schwer krank und darf China doch nicht verlassen: Die wegen Verrat von Staatsgeheimnissen verurteilte Journalistin Gao Yu wird weiter an einer Ausreise nach Deutschland gehindert.

Chinas Behörden verhindern weiter die Ausreise der aus der Haft entlassenen Journalistin und Deutsche-Welle-Mitarbeiterin Gao Yu zur medizinischen Behandlung nach Deutschland.

Die 71-jährige Regimekritikerin leidet unter Herzproblemen. Ihr Anwalt Shang Baojun bestätigte, dass seine Mandantin bereits Reisepass und Visum habe, aber seit zwei Monaten vergeblich auf die Ausreiseerlaubnis warte. "Die Behörden stimmen dem Antrag nicht zu und lehnen ihn auch nicht ab - sie antworten einfach nicht darauf", sagte der Anwalt.

Im April war Gao Yu zu sieben Jahren Haft wegen der Weitergaben eines "hoch vertraulichen Dokuments" an Kräfte im Ausland verurteilt worden. Beobachter meinten, es könne sich um das "Dokument Nr. 9" gehandelt haben. In diesem Erlass der KP-Führung wird vor den Gefahren einer Pressefreiheit nach westlichem Vorbild und universellen Menschenrechten gewarnt. Ein Magazin aus Hongkong hatte das Papier 2013 veröffentlicht.

Im November hatte ein Berufungsgericht nach internationalem Druck aus gesundheitlichen Gründen Haftverschonung gewährt. Die Bundesregierung hatte sich dafür eingesetzt, dass sie zur Krankenbehandlung nach Deutschland ausreisen kann. Konkrete Vorbereitungen waren bereits getroffen worden.

Wie ihr Anwalt mitteilte, leide Gao Yu an Herzproblemen, Bluthochdruck und anderen Erkrankungen. Die Behandlung in China könne sie nicht bezahlen, da sie weder Versicherung noch Rente habe. In Deutschland sei ihr Unterstützung angeboten worden.

Die Journalistin, die bis 1999 ebenfalls schon wegen Staatsverrats sechs Jahre in Haft gesessen hatte, durfte in China bereits lange nicht mehr publizieren. Gao schrieb aber für ausländische Medien wie den chinesischen Dienst des deutschen Auslandssenders Deutsche Welle.

cht/dpa

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insgesamt 5 Beiträge
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1. Bedauerlich, aber
eva_in_Rom 04.02.2016
dann kriegt sie die Behandlung eben in China und die Unterstützer überweisen das Geld dorthin?
2. Die chinesische Regierung fürchtet sich vor dieser Frau,
vantast64 04.02.2016
wie das bei Diktatoren so ist, sie fürchten sich vor den eigenen Schatten, da sie keine richtigen, mutigen Männer sind. Auch Klein-Putin fürchtet Herausforderer, deshalb sperrt er sie lieber ein. Auf den Schulhöfen wurde immer der große Bruder gerufen, jetzt muß das die Polizei übernehmen.
3.
ghanima23 05.02.2016
Zitat von eva_in_Romdann kriegt sie die Behandlung eben in China und die Unterstützer überweisen das Geld dorthin?
Nee, eher lässt man sie in China sterben und macht dann die chinesische Regierung dafür verantwortlich. Uebrigens, ne Krankenversicherung in China bekommen Sie schon für rund 100 Euro, 100 Euro pro Jahr wohlgemerkt.
4. fürchtet oder verachtet diese Frau?
obenohne 05.02.2016
Wir gehen davon aus, weil wir es uns nicht erklären können, warum ein Regime diese 'gefährlichen' Personen nicht gleich liquidiert. Ich gehe deshalb von einer Verachtung gegenüber Kritikern in diktatorischen Systemen aus. Man will sie öffentlich Quälen um weitere Protestler abzuschrecken. Ein Totalitäres System Beutet grundsätzlichen alles und jeden aus - auch Kritiker.
5. Traurig, aber wieder unsere Angelegenheit?
messwert 06.02.2016
Müssten Aktivisten die gegen ihr Regime agieren nicht wissen worauf sie sich einlassen und welche Konsequenzen das evtl. verursacht? Statt dessen rechnen sie, insbesondere Akademiker bzw. Künstler, anscheinend damit, dass vor allem West-Länder für sie die “Kohlen aus dem Feuer holen”. Gerade wenn es sich um westlich traditionell verpönte Regime, wie China und Russland handelt, deren innenpolitische Staatsführung den eigenen Wertvorstellung entgegensteht. Während viele andere mit derlei landinternen Verhaltensweisen, aufgrund eigennützigen West- Motiven, dennoch meist toleriert werden. Deutschland ist dafür ein Paradebeispiel, (siehe aktuell, neben Russland, Saudi -Arabien, Türkei und Iran), in dem der prinzipielle Links-Zeitgeist gewisse Fremd-Aktivisten geradezu hofiert und populär macht. Ihnen die Aufnahme in unser Land andient, wo sie dann ihre staatliche Verfolgung in Talk-Shows ausbreiten können und ihre diesbezgl. Schriften, oder eigene Kunstwerke, öffentlich respektvoll inszeniert bekommen. Kurz, man liefert ihnen hier eine Plattform für persönliche innenpolitischen Angriffen auf ihre Heimat-Regierung. Ungeachtet dessen, ob uns Bürger das überhaupt interessiert oder nervt, weil uns nicht nur genügend eigene politische Probleme belasten, sondern uns auch die Medien mit den weltweiten Missständen, bis hin zu einem tödlichen Unfall, bzw. Mord außerhalb, umfassend bedienen.
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