Offensive Militärstrategie China rüstet auf See

Peking verschärft den Ton im Inselstreit. Künftig will sich China nicht mehr nur auf Verteidigung beschränken. Die Streitkräfte sollen verstärkt werden - und offensiver.

Chinesisches Kriegsschiff: Signal an die Gegner im Inseldisput
DPA

Chinesisches Kriegsschiff: Signal an die Gegner im Inseldisput


Seit Monaten schaukeln sich die Gebietsstreitigkeiten im Südchinesischen Meer hoch, immer wieder kommt es zu Provokationen und kleineren Zwischenfällen. Das will sich China offenbar nicht länger gefallen lassen - und baut seine Streitkräfte auf hoher See aus.

Die Volksrepublik sehe sich einer Reihe schwerwiegender Bedrohungen ausgesetzt, erklärte das Kabinett am Dienstag in Peking. Künftig will man die Marine auch für "Schutzmaßnahmen auf dem offenen Meer" einsetzen und nicht wie bisher nur für "die Verteidigung in Küstengewässern". Auch die Luftwaffe werde nicht mehr nur Verteidigungsaufgaben wie die Flugabwehr wahrnehmen, sondern offensiver reagieren.

Damit noch nicht genug der Kampfansage. Die Atomstreitkräfte würden ihr Potenzial zur Abschreckung, zu einem nuklearen Gegenschlag sowie zu Angriffen auf mittlere und lange Reichweite verbessern, hieß es weiter. Die Modernisierung der Streitkräfte und ihrer Fähigkeiten auf See sei für die nationale Sicherheit und die globalen Interessen des Landes entscheidend.

China streitet mit den Philippinen, Vietnam, Malaysia, Taiwan und Brunei um die Vorherrschaft im Südchinesischen Meer, durch das wichtige Schifffahrtsrouten führen und wo große Rohstoffvorkommen vermutet werden.

Es geht um Schiffsrouten - und Bodenschätze

Das Land beansprucht dort zum Ärger seiner Nachbarn etwa die Spratly-Inseln. China hat begonnen, an fünf Stellen Land zu gewinnen und Konstruktionen zu errichten, wo vorher nur Korallenriffe und Sandbänke waren. In zwei Jahren wurden demnach rund 800 Hektar neues Land geschaffen. Die Armee baut dort militärische Anlagen, um die territorialen Ansprüche in dem Gebiet zu bekräftigen, während die USA demonstrativ ihre Präsenz mit Flugzeugen ausweiten und möglicherweise auch Schiffe schicken wollen.

Erst in der vergangenen Woche war ein amerikanisches Überwachungsflugzeug über Funk unmissverständlich aufgefordert worden, das Gebiet zu verlassen.

Der Kurs chinesischer Rüstungsaktien stieg nach der Ankündigung des Kabinetts. Taiwan schlug unterdessen eine Initiative vor, um den Streit zu lösen. Ähnliche Vorstöße für Verhandlungen hatte China in der Vergangenheit allerdings stets abgelehnt.

Überblick: Um diese Gebiete geht es
SPIEGEL ONLINE

Überblick: Um diese Gebiete geht es

jok/Reuters

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 176 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
darthmax 26.05.2015
1. Territorialstreitigkeiten
sollten doch eigentlich von der UNo gelöst werden, bevor ´´verteidigt´´ wird. Es handelt sich um unbewohnte Riffe. Wozu dient diese Institution denn sonst ?
udolf 26.05.2015
2.
Wenn ich es recht entsinne haben die Amerikaner schon 60% ihrer Flotte im Pazifik seit 2013. Bedeutet das nun sie wollen ihre Präsens im Chinesischen Meer stärken oder weitere teile ihrerer Flotte der USPACOM zur Verfügung stellen?
Maya2003 26.05.2015
3.
Tja, Beijing macht es eben den Amis nach - eine weltweit operierende Blue Water Navy um "nationale Interessen" zu "verteidigen". Was man den USA zugesteht kann China kaum verboten werden. Erinnert etwas an die Situation UK-Deutschland vor 1914. Der "Herausforderer" soll als böser Bube gelten.
99luftballons 26.05.2015
4.
Ich warte immernoch auf den Tag, wo die Chinesen das erste mal erklaeren, mit Venezuela ein Manoever abhalten zu wollen. Knapp suedlich der USA, natuerlich!
lezel 26.05.2015
5. Wo schläft ein 250 kg schwerer Gorilla?
*Wo's ihm, verdammt noch mal, passt!* China versucht offenbar, sich die Nutzung großer Gebiete zu sichern, und vertraut dabei lieber auf die eigene Stärke als auf die UNO, die allerdings ohnehin nichts dagegen unternehmen kann, weil China mit seinem Veto-Recht jeden Beschluss des Weltsicherheitsrates verhindern kann. Ich kann das nicht gutheißen, aber nachvollziehen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.