Südchinesisches Meer China stationiert offenbar Raketen auf Spratly-Inseln

Peking verschärft einem Bericht zufolge den Streit um Inseln im Südchinesischen Meer: Auf drei Atollen sollen Raketensysteme installiert worden sein. In Reichweite seien auch weit entfernte Flugzeuge und Schiffe.

Mischief-Atoll im Südchinesischen Meer (2015)
REUTERS/U.S. Navy/Handout

Mischief-Atoll im Südchinesischen Meer (2015)


China hat einem Medienbericht zufolge auf mehreren Inseln im Südchinesischen Meer Raketensysteme errichtet, mit denen Flugzeuge und Schiffe getroffen werden können. Die Marschflugkörper seien in den vergangenen 30 Tagen auf Atolle in der Spratly-Inselgruppe gebracht worden, berichtete der Sender CNBC und berief sich dabei auf Insider mit Zugriff auf US-Geheimdienstberichte. Demnach handelt es sich um die Atolle Fiery Cross, Subi und Mischief.

Dem Bericht zufolge können mit den Waffen Schiffe in einem Umkreis von 550 Kilometern sowie Flugzeuge, Drohnen und Marschflugkörper in einer Entfernung von 300 Kilometern getroffen werden. Sollte der Bericht stimmen, wäre es die erste Raketenstationierung auf den Spratlys.

Chinesische Vertreter gaben dem Bericht zufolge bisher keine Stellungnahme ab. Das US-Verteidigungsministerium erklärte, man kommentiere Geheimdienstangelegenheiten nicht.

Im Gebiet der von mehreren asiatischen Ländern beanspruchten Spratlys lässt die chinesische Regierung schon seit Längerem künstliche Inseln aufschütten, um Hafenanlagen und Flugplätze zu bauen. Die USA werfen Peking vor, auf den auf Korallenriffen entstehenden Inseln vor allem militärisch nutzbare Einrichtungen wie Landepisten, Radartürme, Bunker und Geschützstellungen anzulegen.

Die umstrittene Inselgruppe
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Die umstrittene Inselgruppe

Das Südchinesische Meer gehört zum Pazifischen Ozean und liegt südlich von China zwischen Vietnam, Malaysia und den Philippinen. China beansprucht 80 Prozent des 3,5 Millionen Quadratkilometer großen rohstoffreichen Gebietes, durch das auch ein Drittel des weltweiten Schiffsverkehrs geht. Handelswaren im Wert von mehr als fünf Billionen US-Dollar werden jährlich durch das Südchinesische Meer verschifft (mehr zu den Hintergründen des Inselstreits lesen Sie hier).

Im November vergangenen Jahres hatten sich Peking sowie die Gemeinschaft Südostasiatischer Staaten (Asean) auf die Aufnahme von Verhandlungen geeinigt, um zu einer friedlichen Beilegung des seit Jahren andauernden Streits zu kommen.

aar/Reuters

insgesamt 24 Beiträge
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ebieberich 03.05.2018
1. Nord-Korea eben nicht umsonst
Es haben ja wohl auch nur die unbedarften geglaubt, dass Trumps Politik des Polterns umsonst ist. Nachdem erstmal Kim auf dicke Hose gemacht hat und Donald dann Feuer speite, waren die Chinese schlauer und haben Kim zum Rapport einbestellt: Lass die Amerikaner ruhig im Glauben, dass Nord Korea allen Ernstes eine Gefahr darstellt. Wir geben ihnen ein paar Glasperlen, waehrend wir unsere strategisch wichtigen Ziele im suedchinesischen Meer einsacken. Kims und Xi's Potemkinsche Doerfer. Hat doch gut geklappt. Und den Friedensnobelpreis gibts noch obendrauf.
karit 03.05.2018
2. Die Chinesen haben da nichts zu suchen ...
... das wäre ein Fall für den UN-Sicherheitsrat. Trotz der Chinesen als Vetomacht müsste das da zumindest auf den Tisch kommen ... das würde immerhin schon mal dem Absehen der Chinesen weltweit schaden. Schade, dass alle Anreinerstaaten vor den Chinesen kuschen ...
quark2@mailinator.com 03.05.2018
3.
Das war doch klar. Sonst hätte der ganze Aufwand doch auch keinen Sinn gemacht. China will sicherstellen, daß man ihm die Seestraßen nicht sperrt und da Japan und Taiwan quer vor der Küste liegen, geht es nur nach Süden. Das sind strategische Züge, wie die USA es bei Panama und Hawaii gemacht haben und da kann man diskutieren, wie man will, China wird weiter versuchen, mit den USA auf Augenhöhe zu kommen. Falls sich jemand nicht entsinnen kann, die USA hatten/haben da auch eine Doktrin, die effektiv ganz Mittelamerika zum eigenen Hinterhof erklärt und Europa usw. verbietet, dort aktiv zu sein (im Sinne von gegen die USA Politik zu machen/organisieren). Das ist Großmachtpolitik. Jetzt stellt sich die Frage, ob die USA es sich noch leisten können/wollen, China militärisch daran zu hindern.
XDB 03.05.2018
4. Wenn ich mir die Karte anschaue
frage ich mich, was die Chinesen da zu suchen haben. Das erstreckt sich weit weit weg vom chinesischen Festland, da im Süden die ganze Region zwischen Malaysia, Vietnam und den Philippinen. Ziemlich dreist die ganze Nummer, aber als militärische und wirtschaftliche Supermacht kann man es sich ja erlauben ... vermutlich hacken hier gleich allerdings erstmal wieder alle auf den USA herum.
pnegi 03.05.2018
5. Die USA werfen Peking vor, ...
Raketen, die sich gegen angreifende Schiffe und Flugzeuge einsetzen lassen, sind Verteidigungswaffen. Offenbar macht es wohl Sinn, Zitat "Handelswaren im Wert von mehr als fünf Billionen US-Dollar ... jährlich ..." zu beschützen, zumal es sich grössten Teils um die eigenen, in China hergestellten Handelswaren handelt. Und wenn ein Land wie die USA, dass nicht Teil der One-Belt, One-Road Initiative ist, andererseits aber dass bekannt dafür ist, Krieg als wichtigstes Instrument seiner Aussenpolitik zu betrachten, sich darüber aufregt, dann sagt es eher etwas über den Charakter der USA, als den Chinas aus. Darüber hinaus sollte Deutschland, als Teilnehmer und Pofiteur an der One-Belt, One-Road initiative, auch mal Flagge zeigen. Die Ami-Schiffe und Flugzeugträger im Südchinesischen Meer sind auch eine Gefahr für die Deutsch-Chinesischen Handelsbeziehungen.
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