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04. Mai 2012, 08:21 Uhr

Bürgerrechtler

China stellt Chen Ausreise in Aussicht

Im Fall des chinesischen Dissidenten Chen Guangcheng deutet sich eine Lösung an. Der Oppositionelle könne sich um ein Studium im Ausland bewerben, erklärte das Außenministerium in Peking. Zuvor hatte sich der Bürgerrechtler in einem dramatischen Appell an den US-Kongress gewandt.

Peking/Washington - Im Ringen um den blinden chinesischen Bürgerrechtler Chen Guangcheng signalisiert die chinesische Führung Entgegenkommen: "Wenn er im Ausland studieren möchte, kann er sich über die üblichen Kanäle bei den relevanten Stellen dafür bewerben, in Übereinstimmung mit dem Gesetz. Genau wie jeder andere chinesische Bürger," sagte Liu Weimin, Sprecher des Außenministeriums am Freitag in Peking.

Aus Kreisen seiner Unterstützer heißt es, eine New Yorker Universität habe Chen zum Studium in die Vereinigten Staaten eingeladen.

Zuvor hatte sich der Dissident am Donnerstag telefonisch während einer Anhörung im US-Kongress gemeldet. Er wolle US-Außenministerin Hillary Clinton treffen, sagte er laut der Übersetzung des chinesischen Aktivisten Bob Fu, der an der Anhörung im Kapitol teilnahm. "Ich hoffe, von ihr mehr Hilfe zu bekommen. Ich möchte ihr zudem persönlich danken", sagte Chen. Clinton war am Freitag in Peking mit Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao und Regierungschef Wen Jiabao zusammengetroffen.

"Ich bin in ernster Gefahr"

In dem Telefonat, das der Oppositionelle von seinem Krankenbett in einem Pekinger Hospital aus führte, bekräftigte Chen seinen Willen, in die USA auszureisen. Er fürchte um die Sicherheit seiner Mutter und seiner Brüder.

Schon zuvor hatte der blinde Bürgerrechtler von massiven Drohungen gegen seine Familie berichtet. Seine Frau und seine beiden Kinder seien als Druckmittel benutzt worden, um ihn zum Verlassen der US-Botschaft in Peking zu zwingen. Dorthin hatte sich der Dissident in der vergangenen Woche geflüchtet, nachdem er aus monatelangem Hausarrest entkommen war.

Im Chaoyang-Krankenhaus, in dem sich Chen seit mehreren Tagen aufhält, wird der Oppositionelle von den Behörden abgeschirmt. Nur über das Telefon kann er derzeit Kontakt nach außen aufnehmen. In einem Telefoninterview mit der Nachrichtenagentur dpa sagte Chen: "Ich bin in ernster Gefahr. Ich kann seit zwei Tagen nicht mit amerikanischen Diplomaten zusammentreffen. Sie versuchen, ins Krankenhaus zu kommen, aber werden nicht reingelassen."

syd/dpa

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