Baustopp für Uran-Anlage Chinas Regime knickt vor Bürgerprotesten ein

Sechs Milliarden Dollar wollte China sich seine neue Uran-Anlage kosten lassen - doch jetzt wurde das Bauprojekt gestoppt. Die Behörden reagieren damit auf massive Proteste der Bürger. Es ist nicht das erste Mal.

Proteste in Jiangmen: Die Behörden geben nach
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Proteste in Jiangmen: Die Behörden geben nach


Peking - Die chinesischen Behörden haben nach Protesten ihre Pläne zum Bau einer Uran-Wiederaufbereitungsanlage im Süden des Landes verworfen. "Aus Respekt vor dem Willen des Volkes" sei das Projekt gestoppt worden, hieß es am Samstag auf der Website der Stadtverwaltung von Heshan in der Provinz Guangdong.

Die Anlage der staatlichen Atombehörde CNNC sollte umgerechnet sechs Milliarden Dollar kosten. Das 230 Hektar große Bauprojekt sollte im Mündungsdelta des Perlflusses angesiedelt werden. Die Anlage sollte jährlich 1000 Tonnen Nuklearbrennstoff für Chinas wachsende Kernkraftkapazitäten liefern. Allein in der Provinz Guangdong sind fünf Kernkraftwerke in Betrieb, ein Dutzend weitere sind geplant. Eine Stellungnahme von CNNC lag zunächst nicht vor.

Am Vortag hatten viele Bürger vor den Büros der Stadtverwaltung gegen das Projekt demonstriert. In der benachbarten Stadt Jiangmen hatten sich etwa tausend Menschen im Internet zu einer Demonstration verabredet, die offiziell als "Spaziergang" deklariert wurde.

Laut der Hongkonger Zeitung "South China Morning Post" waren unter den Protestierenden viele Studenten, die in den Semesterferien in ihre Heimat zurückgekehrt sind. Sie fürchten vor allem negative Auswirkungen auf die Umwelt und Gesundheitsgefahren.

"Jiangmen ist meine Heimatstadt, hier bin ich aufgewachsen", sagte eine Studentin aus Shanghai der Zeitung. "Ich liebe es hier und will nicht, dass meine Eltern und Verwandten mit der Angst vor Nuklearunfällen leben müssen."

Für Sonntag waren eigentlich weitere Aktionen geplant. Auch in den etwa hundert Kilometer entfernt liegenden Städten Hongkong und Macau waren Sorgen über die Anlage laut geworden.

In China war es zuletzt mehrmals zu Protesten gegen Industrieanlagen gekommen, was Beobachter als Zeichen für wachsendes Umweltbewusstsein der Bevölkerung werten. Die chinesischen Behörden gehen dabei zunehmend auf Forderungen der Bürger ein. Mehrere Metall- und Chemiewerke wurden wegen entsprechender Proteste nicht gebaut.

stk/Reuters/dpa/AFP



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insgesamt 36 Beiträge
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Seite 1
tam_venceremos 13.07.2013
1. Angst
Das klingt ja fast so, als hätte Chinas Regierung Angst vor Eskalationen. Da hat sich wohl einer Türkei/Arabien/... angesehen. Würde auch nicht so toll ausschauen wenn sich plötzlich eine Milliarde Chinesen aufrichten.
pompui 13.07.2013
2. Ärgerliche Überschrift
Warum "knickt Chinas Regime ein" ? Sollte man nicht lieber positiv bemerken, was Sie im vorletzten Satz ihres Artikels auch tun, dass "chinesischen Behörden zunehmend auf Forderungen der Bürger eingehen". Oder soll die Regierung in China Ihrer Meinung nach Härte zeigen? Was soll so eine Headline?
spmc-134734785818633 13.07.2013
3. Ex oriente lux?
Erstaunlich, daß der Demokratieabbau im "freien" Westen in China konstruktiv zu wirken scheint. "Verkehrte Welt" macht nicht nur Kindern Freude...
paoloDeG 13.07.2013
4. China; Solarenergie anstatt Uran-Anlage!
Der Regime mit Sechs Milliarden Dollar kann die gr¨sste Städte mit eigenen SolarAnlagen mit Strom versorgen! Somit Chinas Regime kann die Umschaltung auf erneuerbarer saubere Energie schnell voran treiben!
tjivi 13.07.2013
5. optional
womit sich China manchmal demokratischer zeigt als einige westliche Länder
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