Unruheregion Xinjiang China verbietet Beamten das Fasten

"Widersetzen Sie sich dem Fasten": Die chinesische Regierung untersagt ihren Mitarbeitern in der Unruheregion Xinjiang die Teilnahme am Ramadan. Das Verbot gilt auch für Lehrer und Mitglieder der Kommunistischen Partei.

Muslime in China (in östlicher Shandong-Provinz): Ramadan nur eingeschränkt möglich
AFP

Muslime in China (in östlicher Shandong-Provinz): Ramadan nur eingeschränkt möglich


Peking - An diesem Wochenende hat weltweit der islamische Fastenmonat Ramadan begonnen. Fasten ist eine der obersten religiösen Pflichten für 1,6 Milliarden Muslime weltweit. Auch im Nordwesten Chinas, in der Unruheregion Xinjiang, leben viele Muslime. Doch manchen ist die Teilnahme am Ramadan untersagt.

Beamte, Lehrer und Mitglieder der Kommunistischen Partei werden aufgefordert, das Fasten zu unterlassen und religiösen Festen fernzubleiben, berichtet die Nachrichtenagentur AP. An Ramadan dürfen Gläubige vom Morgengrauen bis zum Sonnenuntergang nichts essen und nichts trinken, so verlangt es der Koran.

Am Mittwoch seien auf den Webseiten von Regierungsstellen und Schulen in der Region Xinjiang entsprechende Aufrufe veröffentlicht worden, so AP. Auf der Seite eines lokalen Parteikommitees im Bezirk Zhaosu war die Erklärung der Mitarbeiter des Forstwirtschaftsamts zu lesen, die sich verpflichteten, sich "dem Fasten streng zu widersetzen". Auch eine Grundschule verkündete auf ihrer Webseite, sie werde Lehrer und Schüler davon abhalten.

Am vergangenen Wochenende waren bereits die Sicherheitsvorkehrungen in Xinjiang verschärft worden, berichtete der US-Sender Radio Free Asia (RFA). Die Überwachung durch Nachbarschaftskomitees und Sicherheitspersonal sei verstärkt worden.

Chinas Justiz greift hart durch

Nach den jüngsten Anschlägen im Nordwesten greift Chinas Justiz in der Region zurzeit hart durch, Gerichte verhängen drastische Strafen. Am Montag waren 113 Angeklagte zu teils hohen Gefängnisstrafen verurteilt worden. Zwei Gerichte in Kashgar warfen ihnen terroristische Aktivitäten oder damit verbundene Verbrechen vor, wie Staatsmedien berichteten. Vier Angeklagte erhielten lebenslange Haftstrafen.

Die Kampagne mit Festnahmen, drastischen Urteilen und Hinrichtungen ist eine Reaktion auf eine Reihe von blutigen Anschlägen mit Dutzenden Toten in China. Die Behörden machen Separatisten und Extremisten aus der uigurischen Minderheit verantwortlich.

Wegen der Spannungen zwischen den Uiguren und Han-Chinesen gilt Xinjiang seit Langem als Konfliktherd. Nach ihrer Machtübernahme 1949 in Peking hatten sich die Kommunisten das frühere Ostturkestan einverleibt. Die Spannungen haben sich in den vergangenen zwei Jahren weiter verschärft.

Das muslimische Turkvolk beklagt politische, kulturelle und religiöse Unterdrückung durch die herrschenden Chinesen. Seit Anfang 2013 sind rund 300 Menschen bei Zwischenfällen zwischen Uiguren und chinesischen Sicherheitskräften ums Leben gekommen, wie Menschenrechtsgruppen mitteilten.

kgp/AP



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insgesamt 11 Beiträge
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kappesstepp 02.07.2014
1. Abgesehen
Zitat von sysopAFP"Widersetzen Sie sich dem Fasten": Die chinesische Regierung untersagt ihren Mitarbeitern in der Unruheregion Xinjiang die Teilnahme am Ramadan. Das Verbot gilt auch für Lehrer und Mitglieder der Kommunistischen Partei. http://www.spiegel.de/politik/ausland/china-verbietet-beamten-fasten-an-ramadan-in-unruheregion-der-uiguren-a-978779.html
davon, dass man sagen könnte, dass sich die kommunistische Partei 1949 ganz China "einverleibt" hat, stimmt es nicht, dass, wie der Artikel suggeriert, Xinjiang erst seit 1949 zu China gehört, einverleibt oder nicht. Dieses Territorium (das auch nicht das "frühere" Ostturkestan ist, sondern in der europäischen Literatur gelegentlich so genannt wird, und vor der "Einverleibung" einem westmongolischen Reich angehörte) gehört seit dem 18. Jahrhundert zu China und war seitdem nie wieder davon getrennt. Dass dies damals eine "Einverleibung" (durch die Mandschu-Kaiser) war, mag so stehenbleiben, die Chronologie ist aber grob daneben - man möchte doch um Korrektur bitten.
oneil57 02.07.2014
2. Die Chinesen
sind mir sympatisch ;-) Aber mal im Ernst, wer fasten will und unter den Umständen deshalb seine Arbeit nicht verrichten kann soll Urlaub nehmen. Alles andere würde ich als Arbeitgeber nicht akzeptieren. Das Ausüben der Religion gehört zweifels ohne in die Freizeit.
SkeptischerLeser 02.07.2014
3. Irrsinn
Ich frage mich, wie kann man Menschen davon abhalten nichts zu essen?
genlok 02.07.2014
4. Ramadan
Wer Leute kennt die den Ramadan feiern, weiss dass die Herrschaften drunter Leiden und keineswegs produktiv sind. Dass das nicht zur KP passt ist ja klar. Abgesehen davon, wieso soll man etwas feiern was aus einem SciFi-Adventure Roman stammt..
Trolf77 02.07.2014
5. ...
Das ist eine massive Beeinträchtigung der Religionsfreiheit durch den Staat. Sowas sollte man auch als Nicht-Religiöser nicht so locker sehen. Grundrecht ist Grundrecht, unabhängig davon ob es einen selber betrifft oder nicht. Zumal weltweit ja mindestens so viele wegen ihres Nicht-Glaubens unterdrückt werden und auf dieses Grundrecht umso mehr angewiesen sind. Ob die Arbeitsproduktivität unter dem Fasten leidet, finde ich hingegen völlig zweitrangig. Niemand ist gezwungen, immer volle Leistung zu erbringen.
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