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01. Januar 2013, 09:04 Uhr

Visum-Schikane

China straft "New York Times" ab

Ist das Chinas Revanche für die Enthüllungen der "New York Times" über das Regime des Landes? Die Volksrepublik hat einen Korrespondenten der renommierten US-Tageszeitung zur Ausreise gezwungen. Auch der künftige Pekinger Bürochef wartet vergeblich auf ein Visum.

New York - Die chinesische Regierung will der US-Tageszeitung "New York Times" ("NYT") offenbar eine Lektion erteilen. Ein China-Korrespondent der Zeitung, Chris Buckley, ist am Montag des Landes verwiesen worden. Sein Visum sei nicht verlängert worden, berichtete die "NYT". Die Zeitung habe die örtlichen Behörden mehrmals vergeblich um eine Verlängerung von Buckleys Akkreditierung gebeten, sagte Chefredakteurin Jill Abramson. Es sei bedauerlich, dass er dennoch dazu gezwungen wurde, aus China ausreisen.

Mit seiner Familie flog Buckley nach seiner Ausweisung zunächst nach Hongkong. Nach seiner Ankunft äußerte der 45-jährige Australier am Dienstag die Hoffnung, bald wieder nach China zurückkehren und seine Berichterstattung fortsetzen zu können.

Erst vor wenigen Wochen hatte die "New York Times" berichtet, dass die Familie des chinesischen Premiers Wen Jiabao in den vergangenen Jahren ein Vermögen von 2,7 Milliarden US-Dollar angehäuft haben soll. Die Behörden in China sperrten damals kurz nach Erscheinen des Artikels den Zugang zu der Website. Buckley wollte sich nicht dazu äußern, ob seine Ausweisung mit den Enthüllungen zusammenhängt.

Ein Kommentar der "International Herald Tribune", der weltweiten Ausgabe der "NYT", fragte allerdings: "Übt China Vergeltung an westlichen Journalisten?" Die Zeitung sprach von einem "Kalten Krieg gegen Nachrichtenorganisationen", die mit ihren Berichten die chinesischen Führer verärgert hätten.

"Die Visumprobleme erfolgen vor dem Hintergrund des Drucks der Regierung auf ausländische Nachrichtenmedien wegen der Recherchen zu den Finanzen führender chinesischer Politiker, die eine heikle Angelegenheit sind", schrieb die "NYT". "Über Korruption wird in China umfangreich berichtet, aber die hohen Führer werden als unantastbar betrachtet."

Buckley selbst war an den Enthüllungsgeschichten nicht einmal beteiligt. Er arbeitete seit zwölf Jahren als akkreditierter Journalist in China - erst für die "NYT", dann seit 2005 für die Nachrichtenagentur Reuters, bevor er im September wieder zu der US-Zeitung zurückkehrte.

Chinesische Behörden verschärfen den Druck

Das in New York ansässige Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) äußerte sich besorgt. Asiendirektor Bob Dietz sagte: "Wir drängen die chinesischen Behörden, seine Akkreditierung so schnell wie möglich zu bewilligen." Die chinesischen Behörden verschärften den Druck auf ausländische Journalisten, stellte das Komitee fest.

Dietz verwies unter anderem auf die Ausweisung der amerikanischen Journalistin Melissa Chan im Mai sowie die Blockade der Websites der "NYT" und der US-Nachrichtenagentur Bloomberg, nachdem sie über die Vermögen der Verwandten von Jiabao berichtet hatten. Auch verweigert China dem designierten künftigen Bürochef der "NYT" in Peking, Philip Pan, bereits seit Monaten ein Journalistenvisum.

yes/dpa/dapd

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