Visum-Schikane: China straft "New York Times" ab

Ist das Chinas Revanche für die Enthüllungen der "New York Times" über das Regime des Landes? Die Volksrepublik hat einen Korrespondenten der renommierten US-Tageszeitung zur Ausreise gezwungen. Auch der künftige Pekinger Bürochef wartet vergeblich auf ein Visum.

Staatswappen Chinas: "Kalter Krieg gegen Nachrichtenorganisationen" Zur Großansicht
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Staatswappen Chinas: "Kalter Krieg gegen Nachrichtenorganisationen"

New York - Die chinesische Regierung will der US-Tageszeitung "New York Times" ("NYT") offenbar eine Lektion erteilen. Ein China-Korrespondent der Zeitung, Chris Buckley, ist am Montag des Landes verwiesen worden. Sein Visum sei nicht verlängert worden, berichtete die "NYT". Die Zeitung habe die örtlichen Behörden mehrmals vergeblich um eine Verlängerung von Buckleys Akkreditierung gebeten, sagte Chefredakteurin Jill Abramson. Es sei bedauerlich, dass er dennoch dazu gezwungen wurde, aus China ausreisen.

Mit seiner Familie flog Buckley nach seiner Ausweisung zunächst nach Hongkong. Nach seiner Ankunft äußerte der 45-jährige Australier am Dienstag die Hoffnung, bald wieder nach China zurückkehren und seine Berichterstattung fortsetzen zu können.

Erst vor wenigen Wochen hatte die "New York Times" berichtet, dass die Familie des chinesischen Premiers Wen Jiabao in den vergangenen Jahren ein Vermögen von 2,7 Milliarden US-Dollar angehäuft haben soll. Die Behörden in China sperrten damals kurz nach Erscheinen des Artikels den Zugang zu der Website. Buckley wollte sich nicht dazu äußern, ob seine Ausweisung mit den Enthüllungen zusammenhängt.

Ein Kommentar der "International Herald Tribune", der weltweiten Ausgabe der "NYT", fragte allerdings: "Übt China Vergeltung an westlichen Journalisten?" Die Zeitung sprach von einem "Kalten Krieg gegen Nachrichtenorganisationen", die mit ihren Berichten die chinesischen Führer verärgert hätten.

"Die Visumprobleme erfolgen vor dem Hintergrund des Drucks der Regierung auf ausländische Nachrichtenmedien wegen der Recherchen zu den Finanzen führender chinesischer Politiker, die eine heikle Angelegenheit sind", schrieb die "NYT". "Über Korruption wird in China umfangreich berichtet, aber die hohen Führer werden als unantastbar betrachtet."

Buckley selbst war an den Enthüllungsgeschichten nicht einmal beteiligt. Er arbeitete seit zwölf Jahren als akkreditierter Journalist in China - erst für die "NYT", dann seit 2005 für die Nachrichtenagentur Reuters, bevor er im September wieder zu der US-Zeitung zurückkehrte.

Chinesische Behörden verschärfen den Druck

Das in New York ansässige Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) äußerte sich besorgt. Asiendirektor Bob Dietz sagte: "Wir drängen die chinesischen Behörden, seine Akkreditierung so schnell wie möglich zu bewilligen." Die chinesischen Behörden verschärften den Druck auf ausländische Journalisten, stellte das Komitee fest.

Dietz verwies unter anderem auf die Ausweisung der amerikanischen Journalistin Melissa Chan im Mai sowie die Blockade der Websites der "NYT" und der US-Nachrichtenagentur Bloomberg, nachdem sie über die Vermögen der Verwandten von Jiabao berichtet hatten. Auch verweigert China dem designierten künftigen Bürochef der "NYT" in Peking, Philip Pan, bereits seit Monaten ein Journalistenvisum.

yes/dpa/dapd

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insgesamt 21 Beiträge
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1. Macht..
Ostmichel 01.01.2013
heisst das Zauberwort - ob westliche "Demokratie" , kommunistisch geprägt oder in Afrika - immer geht es nur um die Macht einzelner auf Kosten der Allgemeinheit.
2. Pressefreiheit/Meinungsfreiheit
hubertrudnick1 01.01.2013
Zitat von sysopIst das Chinas Revanche für die Enthüllungen der "New York Times" über das Regime des Landes? Die Volksrepublik hat einen Korrespondenten der renommierten US-Tageszeitung zur Ausweisung gezungen. Auch der künftige Pekinger Bürochef wartet vergeblich auf ein Visum. China verweist Korrespondent der "New York Times" des Landes - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/china-verweist-korrespondent-der-new-york-times-des-landes-a-875257.html)
Die Freiheit in vielen Ländern geht eben nur soweit wie es die alten Herren zulassen. Wer dann über die alten Herren selbst herzieht und Korrution und Geldgier aufdeckt, dem wird man dann schnell seine Pressefreiheit beschneiden, aber wo kann man denn die Führungsgade ungestraft attakieren? Und wer sich in der ach so freien Welt über diese Art Beschneidung der Presse und Meinungsfreiheit beschwert, der sollte mal bei sich zu Hause wo die Pressefreiheit/Meinungsfreiheit so hoch gehoben wird selbst ein kritisches Bild machen, denn auch hier in Deutschland wird zu oft mit der Pressefreiheit nur eine bestimmte Stimmung produziert und Lesermeinungen die einem nicht bequem sind die zensiert man und wirft sie in den Papierkorb. Nein der Ruf nach einer echten freien Meinungsäußerung muss überall und immer wieder aufs neue durchgesetzt werden, es ist nicht nur das Problem von China und Russland. HR
3. Ablehnung des Visums: China straft "New York Times" ab Titel:
Phoenix2006 01.01.2013
Wir werden in unendlicher Geduld die Werte die Legislative-Exekutive-Judikative-4.Gewalt Pressefreiheit und die UN-Menschenrechtscharta leben.!!!! Phoenix2006, die Unbestechlichen
4. Strafe mich
Cpt.Willard 01.01.2013
China straft doch schon seit Jahrzehnten. Die eigene Bevölkerung und mehr nicht. Die Machenschafften wurden trotzdem aufgedeckt, Stuhlgang schwimmt eben doch oben, die lässt sich nicht mit Jasmin übertünchen...is aber noch zu früh am morgen um sich über derartige Belanglosigkeiten aufzuregen.
5.
bleifuß 01.01.2013
Zitat von Cpt.WillardChina straft doch schon seit Jahrzehnten. Die eigene Bevölkerung und mehr nicht. Die Machenschafften wurden trotzdem aufgedeckt, Stuhlgang schwimmt eben doch oben, die lässt sich nicht mit Jasmin übertünchen...is aber noch zu früh am morgen um sich über derartige Belanglosigkeiten aufzuregen.
Meiner schwimmt grundsätzlich unten. Evtl. sollten Sie ihre Ernährung überdenken.
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