Warnung an US-Flugzeug "Hier spricht die chinesische Marine, verschwinden Sie!"

China baut seinen Einfluss auf See aus und schüttet ganze Inseln auf. Wie streng die überwacht werden, belegt ein Zwischenfall: Eine US-Militärmaschine wurde per Funk unmissverständlich vor einer Annäherung gewarnt.

Spratly-Inseln (Foto vom 20. April 2015): Militärische Operationsbasis
REUTERS/ Armed Forces of the Philippines

Spratly-Inseln (Foto vom 20. April 2015): Militärische Operationsbasis


Seit Jahren schwelt der Territorialstreit zwischen China und seinen Nachbarn um Inseln und Riffe im Südchinesischen Meer. Und auch die USA beobachten die Vorgänge äußerst genau. Nun ist es zu einem Zwischenfall zwischen der chinesischen Armee und dem US-Militär gekommen.

Die chinesische Marine forderte ein amerikanisches Überwachungsflugzeug am Mittwoch achtmal auf, den Luftraum über den neu aufgeschütteten Inselposten zu verlassen, wie der US-Fernsehsender CNN berichtet. Der Pilot des P8-A-Poseidon-Fliegers weigerte sich demnach und verwies darauf, dass er sich in internationalem Luftraum befinde. Das US-Militär hatte erstmals ein CNN-Team an Bord des Flugzeugs genommen.

China gewinnt verstärkt Land an kleinen, umstrittenen Atollen und Riffen oder baut dort militärische Anlagen, um seine territorialen Ansprüche in dem Gebiet zu bekräftigen, während die USA demonstrativ ihre Präsenz mit Flugzeugen ausweiten und möglicherweise auch Schiffe schicken wollen. Die USA erkennen Chinas Anspruch auf die Inseln weit ab der Küste des Landes nicht an.

Über welcher Insel genau sich der Zwischenfall ereignete, ist nicht bekannt. Dafür aber der Inhalt der Funksprüche: "Hier spricht die chinesische Marine ... hier spricht die chinesische Marine ... entfernen Sie sich... um Missverständnisse zu vermeiden", zitiert CNN aus den englischsprachigen Botschaften. Und später dann noch einmal und unmissverständlich: "Hier spricht die chinesische Marine … Verschwinden Sie!"

Rund 800 Hektar Land in zwei Jahren geschaffen

In dem Gebiet werden große Bodenschätze vermutet. Wichtige Schifffahrtswege ziehen durch das Südchinesische Meer. Auch Vietnam, die Philippinen, Malaysia, Brunei und Taiwan erheben ganz oder teilweise Ansprüche auf die Inseln, Korallenriffe oder Sandbänke.

Nach US-Angaben hat China damit begonnen, bei den Spratly-Inseln an fünf Stellen Land zu gewinnen und Konstruktionen zu errichten, wo vorher nur Korallenriffe und Sandbänke waren. In zwei Jahren wurden demnach rund 800 Hektar neues Land geschaffen.

Nach den Aufklärungsflügen und der Auswertung von Satellitenaufnahmen gehen US-Militärexperten davon aus, dass Hafeneinrichtungen, Kommunikations- und Überwachungsanlagen sowie mindestens eine Landebahn gebaut werden. Auch China hat seine Präsenz in der Region mit Schiffen der Marine und Küstenwache verstärkt.

Überblick: Um diese Gebiete geht es
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Überblick: Um diese Gebiete geht es

jok/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 157 Beiträge
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nickleby 21.05.2015
1. Chinas Optionen
das Riesenreich muss expandieren, um nicht zu implodieren, denn die Widersprüche innerhalb des Landes sind so gravierend, dass die Pekinger Führung verzweifelt versuchen muss, außenpolitisch und wirtschaftlich in der Vorhand zu sein. Kooperation und Friedfertigkeit sind dann eine 'quantité négligeable', wenn es um Prestige und Interessen geht, wie oben gezeigt . Ergänzend nehmen man die Massaker in Tibet, die an den Uiguren in Sinkiang. China ist ein brutaler, tiotalitärer, imperialistischer Staat , der hypertroph und korrupt ist und damit hochgefährlich.
pospischilp 21.05.2015
2. Was haben die
Das wäre ja vergleichbar mit chinesischen Manövern und Interventionen vor der Küste Floridas.
hannes66 21.05.2015
3. Warum wird hier nicht...
...die beliebte Nummer vom Abfangen gebraucht? Wenn russische Flugzeuge im internationalen Luftraum von der NATO beobachtet werden, wird doch auch Theaterdonner aufgeführt. Wenn zwei dasselbe tun, so ist es wohl nicht das Gleiche.
smoki 21.05.2015
4. Es geht also um Öl...
... leider wird das im Artikel nicht ausführlich erwähnt, sondern man sieht nur den Bohrturm?
mrmink 21.05.2015
5. Alle gleich
Doch die Berichterstattung ist anders. Seit Monaten wird über russische Militärmaschinen berichtet die sich zum Beispiel England genähert haben und man nennt dies Zwischenfall und Provokation. Und jetzt erlaubt sich China einem US Spionage Flugzeug zu warnen, wie böse ist das denn.
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