Angebliches Visaproblem: China weist Korrespondent der "New York Times" aus
Der australische Journalist Chris Buckley arbeitet seit zwölf Jahren in China, nun musste er das Land verlassen. Das Visum des "New York Times"-Korrespondenten wurde nicht verlängert. Die Zeitung hatte vor kurzem über die Reichtümer der Familie des chinesischen Ministerpräsidenten berichtet.
Peking - Der Pekinger Korrespondent der "New York Times", Chris Buckley, musste am Montag das Land verlassen, nachdem sein Visum nicht verlängert worden war. "Ich bedauere sehr, dass Chris Buckley dazu gezwungen wurde, sich aus China abzusetzen", heißt es in einer Mitteilung von Chefredakteurin Jill Abramson. Es seien zahlreiche Anfragen gestellt worden, seine Akkreditierung zu erneuern.
Die Visaprobleme des 45-jährigen Australiers erfolgten vor dem Hintergrund der Enthüllungen der Zeitung über die großen Reichtümer der Familie des chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao. Als Reaktion hatten die Behörden schon die Internetseite der "New York Times" in China blockiert.
Die Visa-Verweigerung für Buckley wurde offiziell nicht mit den Berichten über Wen Jiabaos Familie begründet. Doch auch der künftige Pekinger Bürochef der "New York Times", Philip Pan, wartet schon seit März auf sein Visum, wie die Zeitung berichtet. Den Angaben zufolge hat das Blatt noch sechs weitere China-Korrespondenten, deren Visa verlängert worden seien - darunter ist demnach auch der Autor des Enthüllungs-Berichts.
Buckley arbeitete seit dem Jahr 2000 als Journalist in China. Zuletzt war er für die Nachrichtenagentur Reuters tätig, bevor er im September zurück zur "New York Times" wechselte. Er verließ China mit Frau und Tochter in Richtung Hongkong.
Erst im Mai hatte die US-Journalistin Melissa Chan das Land verlassen müssen. Es war die erste Ausweisung seit 14 Jahren und wurde als weitere Maßnahme verstanden, den Druck auf ausländische Korrespondenten zu erhöhen. So wird ihnen immer wieder damit gedroht, ihre Visa nicht zu verlängern.
aar/dpa
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