Druck auf Journalisten: China weist Korrespondentin von al-Dschasira aus

Erstmals seit 14 Jahren muss eine akkreditierte ausländische Journalistin China verlassen. Die englischsprachige Reporterin des arabischen Fernsehsenders al-Dschasira, Melissa Chan, musste ausreisen. Der Führung in Peking passte offenbar ein Bericht über Arbeitslager nicht.

Peking - Es ist das erste Mal seit 1998, dass Peking einen akkreditieren ausländischen Journalisten abschiebt: Die langjährige Korrespondentin des arabischen Fernsehsenders al-Dschasira, Melissa Chan, habe das Land bereits verlassen müssen, berichtete der Auslandskorrespondentenclub (FCCC) am Dienstag in Peking.

Man habe keine andere Wahl, als das Büro für den englischsprachigen Dienst zu schließen, teilte der in Katar ansässige Sender mit. Visum und andere Papiere der Journalistin seien nicht verlängert worden. Chan ist US-Bürgerin und seit fünf Jahren für den Sender in China tätig, sie gilt unter Kollegen als erfahrene und umsichtige Korrespondentin.

Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, ist die chinesische Führung über eine Dokumentation des TV-Senders über Arbeitslager in China verärgert, an der Chan allerdings nicht einmal beteiligt war. Auch hätten die Behörden ihre Unzufriedenheit über die generelle redaktionelle Linie der englischen Berichterstattung des Senders gezeigt. Die Abschiebung betrifft nicht den arabischsprachigen Dienst von al-Dschasira.

Seit gut einem Jahr haben die chinesischen Behörden ihren Druck auf ausländische Journalisten spürbar erhöht. Zuletzt hatte Peking nach der Berichterstattung über den blinden chinesischen Bürgerrechtler Chen Guangcheng, der in die USA ausreisen will, wieder mehrere Korrespondenten verwarnt und mit Ausweisung bedroht.

Erst am vergangenen Freitag war ein ZDF-Kameramann zur Polizei einbestellt worden, weil er mit Kollegen am Chaoyang-Krankenhaus eintreffende amerikanische Diplomaten gefilmt hatte, die Chen besuchen wollten. Ihm wurde gedroht, dass ihm "beim nächsten Mal" das Arbeitsvisum entzogen werde.

Der Korrespondentenclub äußerte sich "empört" über Chans Abschiebung. "Es ist der extremste Fall in dem jüngsten Muster, Journalistenvisa zu benutzen, um ausländische Korrespondenten in China zu zensieren und einzuschüchtern", hieß es.

heb/dpa/Reuters/AP

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insgesamt 16 Beiträge
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1. Armselig
Wunderläufer 08.05.2012
Da hat China sich in den letzten Jahrzehnen zu einer der stärksten Volkswirtschaften entwickelt, die auch wissenschaftlich hervorragende Leistungen hervorbringt, auf die das Land und seine Menschen zu recht mächtig stolz sind. Dennoch misstraut die Regierung allem und jedem: Die unleugbaren wirtschaftlichen Fortschritte haben jedoch bei den politisch Verantwortlichen keinerlei Umdenken bewirkt; denen fehlt weiterhin jegliches souveränes Selbstvertrauen, das normalerweise mit einer solchen Entwicklung einhergeht. Ökonomisch: riesig; politisch/ sozial: armselig
2. Gegenschlag
willydilly 08.05.2012
Interessant - man schiebt eine Frau ab, weil man über einen Bericht verärgert ist, mit dem die Frau nix zu tun hat.`Dass man damit in die berufliche Karriere einer Person eingreift und evtl. negativ beeinflusst, scheint dabei gar nicht zu stören. Das verwundert dann auch wieder nicht - ist China doch ein Land, wo Bürger illegal - weil ohne Prozess - auf Jahre wegesperrt werden können. Die Journalisten dieser Welt sollten sich das nicht gefallen lassen. Wie wäre es denn damit, wenn Journalsiten den Spieß mal umdrehen und geschlossen mit Ausreise drohen? Irgendwie muss man doch darauf reagieren...
3. -
Beute 08.05.2012
Zitat von willydillyDie Journalisten dieser Welt sollten sich das nicht gefallen lassen. Wie wäre es denn damit, wenn Journalsiten den Spieß mal umdrehen und geschlossen mit Ausreise drohen? Irgendwie muss man doch darauf reagieren...
Ach du lieber Gott - das würde China aber weh tun. Dieser Al Dschasira (der aus Katar) ist ein Hetzsender der übelsten Sorte. Das konnte man sehr gut bei der Berichterstattung aus Nordafrika sehen und man sieht es immer noch. Es war einmal ein guter Nachrichtensender.
4. Ja, ja
chaika 08.05.2012
Zitat von BeuteAch du lieber Gott - das würde China aber weh tun. Dieser Al Dschasira (der aus Katar) ist ein Hetzsender der übelsten Sorte. Das konnte man sehr gut bei der Berichterstattung aus Nordafrika sehen und man sieht es immer noch. Es war einmal ein guter Nachrichtensender.
Wahrscheinlich haben Sie noch nicht einmal den Sender gesehen, moeglicherweise ist auch Ihr English nicht so ganz up to date, dass Sie dem ganzen nicht folgen koennen, was Sie sehen. Ihre Aeusserung spricht jedenfalls dafuer.
5.
OlGa 08.05.2012
Zitat von willydillyInteressant - man schiebt eine Frau ab, weil man über einen Bericht verärgert ist, mit dem die Frau nix zu tun hat.`Dass man damit in die berufliche Karriere einer Person eingreift und evtl. negativ beeinflusst, scheint dabei gar nicht zu stören. Das verwundert dann auch wieder nicht - ist China doch ein Land, wo Bürger illegal - weil ohne Prozess - auf Jahre wegesperrt werden können.
Ich denke mal, es gibt viele Faktoren, die diese Entscheidung beeinflusst haben mögen. Die persönlche Karriere der Frau gehört sicher nicht dazu. Was für ein Geschenk für China!
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