Bevölkerung China will angeblich Zwei-Kind-Politik einführen

Die Ein-Kind-Politik hat in China zu einer Überalterung der Gesellschaft geführt. Seit einiger Zeit gibt es deshalb schon Lockerungen - doch womöglich dürfen bald die meisten Ehepaare zwei Kinder haben.

Chinesisches Kind: Womöglich dürfen bald viele Familien zwei Kinder bekommen
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Chinesisches Kind: Womöglich dürfen bald viele Familien zwei Kinder bekommen


In China steht offenbar eine Umwälzung in der Bevölkerungspolitik bevor. Laut den "China Business News" will die Volksrepublik ihre jahrzehntelange Ein-Kind-Politik grundsätzlich lockern. Die meisten Ehepaare sollen demnach in Zukunft zwei Kinder haben dürfen. Die offizielle Ankündigung werde Ende dieses Jahres oder Anfang 2016 erwartet, berichtet die Zeitung. Als Quelle beruft sie sich auf einen Wissenschaftler, der zur Kommission für Familienplanung gehört.

Die Chinesische Akademie der Sozialwissenschaften hatte eine Zwei-Kind-Lösung im vergangenen Jahr als Antwort auf die Alterung der Gesellschaft und eine fallende Geburtenquote vorgeschlagen.

Die strengen Vorschriften zur Familienplanung reichen bis in die späten Siebzigerjahre zurück. Die Ein-Kind-Politik sollte das Wachstum des größten Volkes der Erde bremsen. Inzwischen hat China jedoch eine der geringsten Geburtenraten der Welt. Im Durchschnitt kommen auf eine chinesische Frau nur noch 1,55 Kinder. Für eine stabile Bevölkerung ist eine Quote von 2,1 nötig.

Ende 2013 hatte die Kommunistische Partei in Peking angekündigt, dass Ehepaare in bestimmten Regionen des Landes zwei Kinder haben dürfen, wenn ein Elternteil Einzelkind ist. Bislang durften für diese Ausnahme weder Vater noch Mutter Geschwister haben.

Die Nationale Gesundheitskommission dementierte allerdings laut "Guardian" umgehend die Berichte von einer bevorstehenden weiteren Lockerung. "Bisher gibt es keinen Zeitplan nachdem künftig alle Paare zwei Kinder bekommen dürfen."

Experten warnen bereits seit längerem vor einer Überalterung Chinas. Die Zahl der Senioren wachse rapide, während der Anteil der arbeitenden Bevölkerung schrumpfe. Nach Uno-Schätzungen wird es in dem Land bis 2050 rund 440 Millionen Menschen geben, die über 60 Jahre alt sind.

ler/dpa



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insgesamt 13 Beiträge
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sting111 23.07.2015
1. Dieser Bericht ist unvollstaendig
und ein alter Hut dazu. Bereits vor Monaten wurde ueber die Lockerungen in einigen Regionen berichtet. Es wurde aber auch berichtet, dass das fuer die modernen Chinesen kein Thema mehr ist. Wer reisen will oder dem Kind eine gute Ausbildung geben will, wird sich oftmals kein zweites Kind leisten koennen.
muellerthomas 23.07.2015
2.
Die Geburtenziffer in China lag 2014 bei 1,6. Durch ein Ende der 1-Kind-Politik mag diese etwas steigen, es dürfte sich aber als Illusion erweisen, damit eine Trendwende einzuleiten. In Taiwan liegt die Geburtenziffer bei 1,1 - die neidrigste weltweit. Auch in Hongkong, Macau, Japan, Korea und Singapur lieg die Geburtenziffer niedriger als derzeit in der Volksrepublik. Etwas höher leigt die Ziffer in Thailand und Vietnam, aber auch dort unter bzw. (noch) exakt 2,1. Und selbst Länder wie Indien und Pakistan bewegen sich klar in Richtung der 2,1 Kinder je Frau. Außerhalb Afrikas (und auch dort gibt es eine sinkende Tendenz) sind hohe Geburtenziffern mittlerweile die Ausnahme. Die Politik scheint darauf nur wenig Einfluss nehmen zu können.
WwdW 23.07.2015
3. Es sind zu viele Menschen auf dem Planeten
Es sind zu viele Menschen fast überall auf diesem Planeten. Und Probleme, die durch eine Überalterung entstehen kann man sicher anderweitig abdämpfen. Z.B. durch Arbeiten bis 85 Jahren. Es ist einfach unmöglich, dass China weiterhin 1,4 Milliarden Bewohner oder mehr behält. 500 Mio. wären schon zu viel.
anna cotty 23.07.2015
4. Sind Sie sich sicher,
Zitat von WwdWEs sind zu viele Menschen fast überall auf diesem Planeten. Und Probleme, die durch eine Überalterung entstehen kann man sicher anderweitig abdämpfen. Z.B. durch Arbeiten bis 85 Jahren. Es ist einfach unmöglich, dass China weiterhin 1,4 Milliarden Bewohner oder mehr behält. 500 Mio. wären schon zu viel.
dass es jetzt schon zu viele Menschen gibt? Wie man das Problem der Ueberalterung damit abschaffen kann, in dem man die Leute bis 85 arbeiten laesst, kapier ich allerdings nicht. Die Finanzierung der Alten waere vielleicht einfacher, wenn sie arbeiten bis sie umkippen, aber juenger wird davon der Durchschnitt sicher nicht. Ich kann mir vielleicht gerade noch einen 80 jaehrigen Arzt vorstellen, aber einen 80 jaehrigen Busfahrer, eine 82 jaehrige Krankenschwester oder eine 84 jaehrige Pilotin oder Polizistin??? Von Anstreichern, Maurern oder Kanalarbeitern ganz zu schweigen. Mein Vater hat tatsaechlich bis zu seinem 83 jaehrigen Lebensjahr gearbeitet, aber das war eine freiwillige und stressfreie Arbeit, die ihm Spass machte. Aber bis 85 hat selbst er es nicht durchgehalten. Und um auf China zurueck zu kommen, haben Sie sich schon einmal angesehen, wie gross das Land ist. Wenn 80 Millionen in Deutschland gut leben koennen, sollten mehr als 500 Milliionen in China moeglich sein.
Preppy 23.07.2015
5. Schon heute
Schon heute dürfen die meisten chinesischen Eltern mehr als ein Kind haben. Die 1-Kind-Politik galt nämlich primär für Städte, nicht hingegen für die Landbevölkerung, und es gab auch diverse weitere Ausnahmen. Anders liesse sich auch kaum erklären, warum China selbst mit 1-Kind-Politik immer noch eine signifikant höhere Geburtenrate als z.B. Deutschland hat. Bei einer strikten 1-Kind-Politik müsste die offizielle Geburtenrate nämlich unter ein Kind pro Frau sein, sie liegt jedoch je nach Schätzung bei 1,55-1,66 Kinder pro Frau.
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