Berichte über Einflussnahme aus Peking China wirft Australien Rassismus und Paranoia vor

Versucht China, Einfluss auf die australische Politik zu nehmen? Das legten zuletzt Medienberichte nahe. Nun reagiert die Volksrepublik - und beschwert sich über Vorurteile und latenten Rassismus.

Australiens Premier Malcolm Turnbull
REUTERS

Australiens Premier Malcolm Turnbull


Die australische Regierung will den Einfluss von ausländischen Staaten eindämmen - und hat dabei besonders China im Blick. Premierminister Malcolm Turnbull bekräftigte erst am vergangenen Dienstag, dass es für Ausländer künftig nicht mehr möglich sein soll, für australische Parteien oder Aktivistengruppen zu spenden. Zudem will er durchsetzen, dass sich ehemalige Politiker registrieren müssen, die von ausländischer Seite für Lobbyarbeit angeheuert werden.

Turnbull sagte dabei ausdrücklich, die Maßnahmen würden nicht speziell mit Blick auf China erlassen. Das wird im Land allerdings bezweifelt. Und das liegt auch an Sam Dastyari.

Der Senator der Labor-Partei bangt derzeit um seine politische Karriere: Medien hatten berichtet, Dastyari habe den chinesischen Spender Huang Xiangmo gewarnt, dass Geheimdienste möglicherweise sein Handy abhören. Dastyari dementierte die Berichte nicht. Er sagte aber, man habe nur Klatsch ausgetauscht: Er habe gar keinen Zugang zu Geheimdienstinformationen.

Sam Dastyari
AP

Sam Dastyari

Turnbull fragte kurz darauf den Labor-Parteichef Bill Shorten, ob er denn denke, der Job seiner Partei bestehe darin, mit den Geheimdiensten zusammenzuarbeiten, um für die Sicherheit Australiens zu sorgen - oder ob der Job nur darin bestehe, Australien zu verkaufen. Turnbull sagte auch, er nehme Berichte sehr ernst, wonach die Kommunistische Partei Chinas versuche, Einfluss in australische Angelegenheiten zu nehmen. Kräfte aus dem Ausland würden "bisher nie dagewesene und zunehmend raffinierte Versuche unternehmen, politische Prozesse zu beeinflussen".

Im Juni dieses Jahres hatten Fairfax Media und der Sender ABC über eine chinesische Kampagne berichtet, mit der die australische Politik "infiltriert" werden solle, um chinesische Interessen durchzusetzen.

"Rassistisch und paranoid"

Aus China kam schon vor einigen Tagen eine Erklärung zu Turnbulls jüngsten Äußerungen: Man mische sich nicht in Angelegenheiten anderer Länder ein, sagte ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums. Die Regierung in Canberra solle Vorurteile ablegen und stattdessen die Beziehung zwischen beiden Ländern vertiefen. Auch aus der chinesischen Botschaft in Canberra gab es harsche Kritik an den Berichten.

Nun legte die offizielle Zeitung der Kommunistischen Partei noch einmal nach. Die australischen Medienberichte über eine Beeinflussung aus China hätten rassistische Untertöne und gingen auf Paranoia zurück, heißt es in "People's Daily". Die Berichte seien voller erfundener Geschichten, es handle sich um unbegründete Attacken auf die chinesische Regierung.

China appelliere an die Regierung in Canberra sowie an die Medien im Land, ihre "politischen Vorurteile und ihre Engstirnigkeit außen vor zu lassen" und sich stattdessen im Umgang mit China an die Fakten zu halten.

aar



insgesamt 32 Beiträge
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TomDietl 11.12.2017
1. Rassismus?
Jetzt hat auch China gelernt die "Rassismus"-Karte zu spielen. Die ist gegen westliche Gesellschaften ein As, da zuckt jeder zusammen. Nur die australischen Konservativen vielleicht nicht.
Bueckstueck 11.12.2017
2. Amüsante Heuchelei
Ausgerechnet China beschwert sich über Paranoia und Rassismus...
hennesviii 11.12.2017
3. Schön...gilt dies auch für Australier ?
in den USA und Europa? Also Murdoch Presse und Fernsehen nur noch in Australien? Kein Fox News , Times, the Sun anymore? Wenn Australier in anderen Ländern agieren, scheint dies für den australischen Premier kein Problem zu sein... https://www.washingtonpost.com/opinions/how-rupert-murdoch-destroyed-the-republican-party/2017/11/13/0d41e68e-c8ad-11e7-b0cf-7689a9f2d84e_story.html?utm_term=.f3f32a7aa2b3 "Premierminister Malcolm Turnbull bekräftigte erst am vergangenen Dienstag, dass es für Ausländer künftig nicht mehr möglich sein soll, für australische Parteien oder Aktivistengruppen zu spenden. Zudem will er durchsetzen, dass sich ehemalige Politiker registrieren müssen, die von ausländischer Seite für Lobbyarbeit angeheuert werden."
pauli96 11.12.2017
4. Rassismus
Ein Vorwurf, der westlichen Gesellschaften ungemein gern ausgesprochen wird. Mal abgesehen vom Wahrheitsgehalt, teilweise ja gar nicht so falsch, ist es interessant, dass die Vorwerfenden meistens selbst ein hohes Maß an Abneigung gegen Andere, Andersartige, Andersfarbige usw. hegen und dies teilweise auch völlig akzeptierte gesellschaftliche Ansicht in diesen Ländern ist. Gerade die Chinesen sind nicht unbedingt als aufgeschlossen und tolerant bekannt, gegenüber allem was nicht Han ist . Und über den Umgang mit Afrikanern in den arabisch/muslimischen Gesellschaften Nordafrikas wurde hier schon berichtet.
paula_f 11.12.2017
5. chinesischer Zynismus - China will nur selbst mehr Einfluss
ähnlich wie in Afrika geht es China - einer Diktatur - nur um mehr Einfluss in Australien und um deren Bodenschätze. China expandiert weltweit. Gegen Australien argumentiert die chinesische Führung zynisch mit Menschenrechten. China selbst hat beispielsweise Angst vor flüchtenden Nordkoreaner und unterstützt u.a. deshalb Kim Jong Un.
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