China Witwe von Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo darf ausreisen

Seit acht Jahren steht sie in China unter Hausarrest - nun darf Liu Xia, die Witwe des chinesischen Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo, ausreisen. Offenbar ist sie auf dem Weg nach Deutschland.

Liu Xia
Shenyang Municipal Information Office/ AP/ DPA

Liu Xia


China hat die unter Hausarrest stehende Witwe des chinesischen Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo ausreisen lassen. Ihr Gesundheitszustand hatte sich nach Angaben von Vertrauten zuletzt deutlich verschlechtert. Nun will sich die Fotografin und Dichterin den Angaben zufolge in Deutschland medizinisch behandeln lassen.

Liu Xia habe das Land am Dienstagmittag an Bord einer Maschine der finnischen Fluggesellschaft Finnair verlassen und will nach Deutschland weiterfliegen, berichtete ihr Bruder Liu Hui, wie Freunde der Familie der Deutschen Presse-Agentur in Peking bestätigten. Ihr war offiziell nie eine Straftat vorgeworfen worden, durch die Hochzeit mit Liu Xiaobo aber fiel sie beim Regime in Misskredit (mehr zu den Hintergründen lesen Sie hier).

Liu Xiaobo hatte sich als Schriftsteller für ein demokratisches China eingesetzt und war deshalb zum Staatsfeind stilisiert worden. 1989 hatte er die Studenten bei ihrem Protest auf dem Platz des Himmlischen Friedens unterstützt. 2008 verfasste er die Charta 08, in der er und seine Mitstreiter ein offeneres China forderten.

Als die beiden 1998 heirateten, saß Liu Xiaobo schon zwei Jahre im Arbeitslager fest, ein weiteres stand ihm noch bevor. Auch danach wurde er immer wieder zu Gefängnisstrafen verurteilt; der Westen hingegen zollte ihm Anerkennung. 2010 zeichnete ihn die Jury in Oslo mit dem Friedensnobelpreis aus. Bei der Verleihung blieb sein Stuhl leer. Am 13. Juli 2017 starb er an Krebs.

Die Freilassung von Liu Xia, die von Menschenrechtsorganisationen schon lange gefordert wurde, erfolgte nun nur einen Tag nach dem Besuch des chinesischen Ministerpräsident Li Keqiang zu deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen in Berlin. Bundeskanzlern Angela Merkel hatte sich ebenfalls wiederholt für die Freilassung und Ausreise von Liu Xia eingesetzt.

Nie als Bürgerrechtlerin aktiv

Der Bruder gab die Nachricht, dass seine Schwester "ein neues Leben beginnt", in dem sozialen Netzwerk WeChat bekannt. Auch der Bürgerrechtsanwalt Mo Shaoping, der mit Liu Hui gesprochen hatte, bestätigte die Angaben des Bruders, der allerdings nicht mit ausreisen durfte. Nach Angaben ihrer Freunde wird Liu Hui als "Geisel" zurückgehalten.

Die Staatssicherheit wolle Liu Xia damit auch im Ausland zum Schweigen bringen, sagte der Bürgerrechtler Hu Jia. Die Botschaft laute: "Dein Bruder ist hier. Du bist wie ein Flugdrache an der Schnur. Die Grenzen deiner freien Meinungsäußerung sind in den Händen anderer", formuliert Hu Jia die Drohung dahinter.

Ob die Künstlerin tatsächlich politisch aktiv werden will, ist allerdings völlig offen - nicht nur wegen ihres Gesundheitszustandes, sondern auch, weil Liu Xia nie als Bürgerrechtlerin aktiv war. "Liu Xiaobo zu lieben, ist ein Verbrechen", hatte Liu Xia jüngst noch unter Tränen in einem Telefonat mit dem im Exil in Berlin lebenden Schriftsteller Liao Yiwu gesagt. Ihre Behandlung empfand die 57-Jährige als "lebenslange Haft".

vks/dpa



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