Chinas neue KP-Bosse: Liang bringt die Kommunisten zum Lachen

Von , Peking

Eine neue Elite wird auf dem Parteitag der KP Chinas gekürt. Die meisten der künftigen Machthaber sind wie der designierte Generalsekretär Xi graue Anzugträger. Eine Ausnahme ist der Unternehmer Liang Wengen: reich, schillernd und charismatisch.

KP-Parteitag: Chinas neue Elite Fotos
AP

Es hat schon Vorteile, in Chinas Kommunistische Partei aufgenommen zu werden. Allein die Mädchen. "Wenn du in der Partei bist, findest du einfach leichter eine Freundin. Und die, die du findest, ist in der Regel hübscher als die der anderen", sagt Liang Wengen. Das ist ein Argument in einem Land, das unter einem schmerzhaften Mädchenmangel leidet, weil auf 100 weibliche inzwischen 118 männliche Geburten kommen.

Liang Wengen, 56, hat jahrzehntelang versucht, in die Partei einzutreten. Aber als er noch vorrangig an Mädchen interessiert war, reichten seine Noten nicht aus, und später - ja, später war er gewissermaßen zu erfolgreich: Zusammen mit drei Freunden gründete er in den achtziger Jahren eine Firma, die heute 70.000 Menschen beschäftigt und zu Chinas größten Privatunternehmen zählt: den Bauausrüster Sany, der im Februar den deutschen Pumpenhersteller Putzmeister kaufte und vor vier Wochen gegen US-Präsident Barack Obama vor Gericht zog. Der hatte Sany ein Millionengeschäft im Bundesstaat Oregon vermasselt.

An Typen wie Liang, der mit einem Vermögen von neun Milliarden Dollar als einer der reichsten Männer Chinas gilt, war die Partei lange nicht interessiert. Privatunternehmer passten grundsätzlich nicht ins Personalkonzept der Bauern- und Arbeiterpartei, und originelle Köpfe wie Liang schon erst gar nicht: Wer konnte schon sicher sein, dass so jemand nicht aus der Reihe tanzt? Erst 2004 bekam er die Mitgliedschaft.

Ein Kommunist, der Witze macht

Inzwischen steht das Parteimitglied Liang Wengen wohl an der Schwelle zum dritten Kreis der Macht. Liang, so wird spekuliert, könnte auf dem Parteitag diese Woche ins 370-köpfige Zentralkomitee gewählt werden, das wiederum das 25-köpfige Politbüro kürt, aus dem, voraussichtlich am Donnerstag, der siebenköpfige Ständige Ausschuss hervorgeht - der erste und engste Kreis, der China in den nächsten zehn Jahren regieren wird.

Am Sonntag stellte sich Liang der Presse. Es war ein Lichtblick in einer an Langeweile kaum überbietbaren Veranstaltung: Ein Kommunist, der Witze macht. Er liebe die Partei so sehr, sagte er, dass er alles für sie tun würde. Selbst seine 58 Prozent an Sany würde er ihr schenken, wenn sie ihn darum bitte - was die Partei, wie er sich unter dem schallendem Gelächter der Reporter korrigierte, natürlich nie tun würde. Liang lachte mit.

Oder Obama: Er sei heilfroh, so der Unternehmer, dass der US-Präsident wiedergewählt worden sei - ein Mann, dessen Regierungsteam einer seiner Sany-Kollegen kürzlich als "Gauner" beschimpfte. "Ich hatte mir schon Sorgen gemacht, dass mir der Mann abhanden kommt, der uns unserer Vermögenswerte beraubt hat." Er wünsche Obama alles Gute für die zweite Amtszeit.

"Jemand, der dieses Land regieren will, braucht Ehrgeiz und eine Vision"

Von den Männern, die auf dem Parteitag diese Woche aufrücken könnten, ist Liang einer der buntesten. Ein anderer, der Farbe ins graue Kollektiv der Anzugträger hätte bringen können, sitzt seit Monaten im Hausarrest: Bo Xilai, der ehemalige Parteichef von Chongqing, der im März aller Ämter enthoben und im Oktober wegen Machtmissbrauchs und Bestechlichkeit an die Justiz übergeben wurde. Er steht im Zentrum einer Affäre, in der seine Frau wegen Mordes an einem britischen Geschäftsmann verurteilt wurde. Bo war berüchtigt für sein Selbstbewusstsein und seine Lässigkeit - nicht nur im Umgang mit dem Gesetz, sondern auch im Umgang mit einfachen Leuten.

Sogar ausgewiesene Regimekritiker wie der gefeuerte Star-Journalist Li Datong bedauern das unrühmliche Ende von Bos Karriere - nicht um Bos selbst willen, sondern weil mit diesem Mann auch die Hoffnung untergegangen sei, dass Chinas Parteiführer nicht nur mit ihresgleichen, sondern irgendwann auch mit dem Volk selbst kommunizieren können.

Dass Bo Xilai wie auch der designierte Staatschef Xi Jinping sogenannte Prinzlinge sind, also Söhne von Männern, die mit Mao Zedong kämpften - das allein disqualifiziere sie nicht für hohe Ämter, sagt Li: "Im Gegenteil. Jemand, der dieses Land regieren will, braucht Selbstbewusstsein, Ehrgeiz und eine Vision!" Die auf dem 18. Parteitag abtretende Vierte Generation sei die an Charisma bislang wohl ärmste gewesen. Und dem Land habe das nicht genutzt.

Über Xi Jinpings Temperament ist wenig bekannt

Ob charismatische Führer für China eher ein Fluch oder ein Segen waren, darüber lässt sich, wie auch in anderen Ländern, streiten. Ohne Zweifel besaß Mao Zedong Charisma - aber mit seinem Namen verbinden sich zwei der größten Katastrophen des 20. Jahrhunderts: die größte Hungersnot aller Zeiten während des "Großen Sprungs" und die Kulturrevolution, die Hunderttausende von Toten forderte und praktisch die gesamte intellektuelle Elite auslöschte.

Seinen Nachfolger Deng Xiaoping, der die Armee 1989 auf den Tiananmen-Platz schickte, hat die Geschichte in ein milderes Licht getaucht. Eines der bleibenden Bilder zeigt den Wirtschaftsreformer, als er sich in Texas spontan einen Stetson aufsetzen lässt und sich offenbar köstlich amüsiert.

Auch von Dengs Nachfolger Jiang Zemin gibt es Bilder, auf denen er lacht - allerdings weniger mit dem gemeinen Volk, sondern mit geistreichen Freunden wie Henry Kissinger und Boris Jelzin. Auf dem Parteitag, dessen Bühne der nach wie vor mächtige Jiang letzte Woche als einer der ersten betrat, ließ er sich vom scheidenden Präsidenten Hu Jintao erheitern - einem Mann, für den er nie viel übrig hatte.

Besser als Xi Jinping, den Anführer der nächsten Generation, kennen die meisten Chinesen dessen Ehefrau, die singende Generalmajorin Peng Liyuan. Über Xi wissen sie nicht viel, besonders wenig aber über sein Temperament. Ein Zitat allerdings ist belegt, das wohl versehentlich den Weg an die Öffentlichkeit fand und vielleicht auf den Grund seiner Seele blicken lässt: "Es gibt gelangweilte Ausländer mit vollen Bäuchen, die nichts besseres zu tun haben, als mit dem Finger auf uns zu zeigen", beklagte Xi vor drei Jahren. Dabei exportiere China doch keine Revolution, auch keine Hungersnot und keine Armut. "Also, worüber beschweren die sich?"

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insgesamt 12 Beiträge
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1. Sumpfblüten
Regulisssima 13.11.2012
Der intellektuell Sumpf, in dem china steckt, treibt wahrlich immer schillerndere Blüten.
2. Alle die eliten,...
seoul 13.11.2012
Zitat von sysopREUTERSEine neue Elite wird auf dem Parteitag der KP Chinas gekürt. Die meisten der künftigen Machthaber sind wie der designierte Generalsekretär Xi graue Anzugträger. Eine Ausnahme ist der Unternehmer Liang Wengen: reich, schillernd und charismatisch. http://www.spiegel.de/politik/ausland/chinas-kp-liang-bringt-die-kommunisten-zum-lachen-a-866904.html
die nun gewählt??? (von wem) werden oder abtreten wissen genau, dass sich eine Diktatur NIE allzulange halten kann. China hat den Hunger und das Mittelalter, hervogerufen durch unsinnige Ideen des Mao erst seit knapp 20 Jahren verlassen. Nun aber, mit Einzug der Moderne wird es nicht mehr lange fauern, bis sich die Menschen erheben werden, da ihre Führer und ihre Partei an Korruption kaum zu überbieten ist. Das Riesenreich ist äußerst schwach, denn es ist mit Gedeih und Verderb daurauf anhewiesen, billige waren im Ausland an den Mann zu bringen. In Kürze werden aber andere staaten noch billiger sein, dann beginnt die Revolte, da bin ich sicher.
3. florikultura
rwschuster 13.11.2012
Zitat von RegulisssimaDer intellektuell Sumpf, in dem china steckt, treibt wahrlich immer schillerndere Blüten.
dat Problem ist dass deine Unterhosen auch made in China sind
4. In Schach halten
Peter_Lublewski 13.11.2012
Zitat von seouldie nun gewählt??? (von wem) werden oder abtreten wissen genau, dass sich eine Diktatur NIE allzulange halten kann. China hat den Hunger und das Mittelalter, hervogerufen durch unsinnige Ideen des Mao erst seit knapp 20 Jahren verlassen. Nun aber, mit Einzug der Moderne wird es nicht mehr lange fauern, bis sich die Menschen erheben werden, da ihre Führer und ihre Partei an Korruption kaum zu überbieten ist. Das Riesenreich ist äußerst schwach, denn es ist mit Gedeih und Verderb daurauf anhewiesen, billige waren im Ausland an den Mann zu bringen. In Kürze werden aber andere staaten noch billiger sein, dann beginnt die Revolte, da bin ich sicher.
Zumal die KP mit all ihren Gliederungen doch nur noch dazu dient, die Bevölkerung in Schach zu halten.
5. wie bei uns
uspae2007 13.11.2012
Zitat von RegulisssimaDer intellektuell Sumpf, in dem china steckt, treibt wahrlich immer schillerndere Blüten.
Schalten sie mal abends den Fernseher ein, dann wissen sie welche Gesellschaft im Sumpf ist.
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Fotostrecke
Umbruch im Riesenreich: Chinas neue Selbstbewusste

Fläche: 9.572.900 km²

Bevölkerung: 1341,335 Mio. Einwohner

Hauptstadt: Peking

Staatsoberhaupt: Xi Jinping

Regierungschef: Li Keqiang

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