Washington - Chinas Vizepräsident und zukünftiges Staatsoberhaupt Xi Jinping hat sich am Dienstag in Washington als künftiger chinesischer Staatschef vorgestellt. Schon vor Beginn der Gespräche mit US-Präsident Barack Obama, Vize Joe Biden und Außenministerin Hillary Clinton dämpften jedoch beide Seiten die Hoffnungen auf eine Verbesserung der Beziehungen zwischen den beiden Weltmächten.
Der viertägige USA-Besuch Xis, der im November die Nachfolge von Staats- und Parteichef Hu Jintao übernehmen soll, wurde auf amerikanischer Seite vor allem als Gelegenheit gesehen, den künftigen Herrscher über die am schnellsten wachsende Volkswirtschaft besser kennenzulernen. So zeigte auch das Abendessen am Montag mit der Ex-Außenministerin Madeleine Albright sowie den früheren Nationalen Sicherheitsberatern Brent Scowcroft und Zbigniew Brzezinski, dass Xis Besuch eher einem ersten Treffen als dem Abschluss konkreter Vereinbarungen diene.
Für den 58-jährigen Xi ist die Reise sein bislang bedeutendster Auftritt auf dem diplomatischen Parkett. Bereits vor seiner Ankunft hatte Xi in einem Interview der "Washington Post" betont, dass es weiterhin Differenzen geben werde. Als Spannungsfelder nannte der künftige chinesische Präsident Fragen des Urheberrechts und der Markenpiraterie. Xi verwies außerdem auf den anhaltenden Währungsstreit zwischen beiden Ländern und betonte, China habe bereits Schritte zur Reform der Wechselkurse unternommen.
Bisher gebe es zudem keine Anzeichen dafür, dass sich Xi etwa in der Menschenrechtsfrage aufgeschlossener zeige. Der Besuch könne aber Hinweise darauf geben, ob der Führungswechsel in Peking zumindest zu mehr Offenheit und Produktivität in den Beziehungen führen werde, zitierte die "Washington Post" derzeitige und ehemalige US-Regierungsbeamte. Xi selbst schlug jedoch auch versöhnliche Töne an: "Der riesige Pazifische Ozean ist groß genug für China und die USA", sagte er in dem Zeitungsinterview.
Die Spannungen zwischen den USA und China dauern seit Jahren an. Washington kritisiert Menschenrechtsverletzungen und sehen Pekings militärische Aufrüstung mit Sorge. Erst jüngst hatte Obama verkündet, dass sich das besondere Augenmerk der US-Streitkräfte mehr von Europa nach Asien verlagern werde.
Vor allem aber beklagen sich die USA immer wieder über einen schwierigen Zugang zum chinesischen Markt. Sie werfen Peking vor, seine Währung künstlich niedrig zu halten, um dadurch Exporte zu erleichtern. Auf schwere Verärgerung stieß in Washington auch, dass China jüngst, gemeinsam mit Russland, durch ein Veto im Uno-Sicherheitsrat ein geschlossenes Vorgehen gegen die Gewalt in Syrien verhindert hatte.
lgr/dpa/Reuters
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