Chinas neuer starker Mann Xi "Roter als rot"

Bislang war wenig bekannt über Chinas künftigen Staatschef Xi Jinping - doch die USA konnten eine Quelle in seinem engsten Umfeld anzapfen. In den nun enthüllten Depeschen zeichnen sie das Bild eines Mannes, dem Geld ebenso unwichtig scheint wie demokratische Reformen.

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AFP

Er ist nicht korrupt, Geld scheint ihm nicht wichtig, er hat wohl genug. Die USA findet er sympathisch, und früher faszinierten ihn die Mysterien des Buddhismus und die östlichen Kampfkünste.

Am 18. Oktober machte das Zentralkomitee der chinesischen Kommunisten den Mann mit dem Namen Xi Jinping, 57, zum Vizechef der mächtigen Zentralen Militärkommission. Damit dürfte feststehen: Er ist auserkoren, ab 2012 Nachfolger von Staats- und Parteichef Hu Jintao zu werden - einer der mächtigsten Männer der Welt also, vielleicht der mächtigste.

Aber wer ist Xi Jinping?

Selbst die Chinesen kennen meist nur seine Frau: Peng Liyuan, 48, Generalmajorin der Armee-Kulturtruppe, trällert landauf, landab von der Liebe zu China, zur Partei, zum Frühling und zu schönen Bauernmädchen. Lange Jahre war die "Frühlingsfest-Gala", das wichtigste Fernsehereignis des Jahres, ohne die Sängerin undenkbar.

Nun wird auch deutlich mehr über ihren Mann bekannt. Denn die US-Botschaft in Peking hat sehr präzise Informationen über den künftigen Machthaber. Der sei "extrem ehrgeizig", aber trotzdem ein guter Kerl, so eine Quelle. Und er kommt aus gutem Hause: Xi ist Sohn des ehemaligen Guerillakämpfers und späteren Vizepremiers Xi Zhongxun, somit ein "Prinzling" - ein Mitglied jener einflussreichen Klasse von Söhnen und Töchtern verdienter Genossen, die unter dem Schutzschirm ihrer Eltern in der KP-Hierarchie aufstiegen.

Auch Xi wächst in den behüteten Zirkeln der Nomenklatura auf. Seine Kindheit verbringt er in einem Funktionärsviertel Pekings. Obwohl es in China offiziell keine Klassen gibt, ist die Nachbarschaft streng untergliedert nach Rang: Wer Mitglied des Politbüros ist, hat eine bessere Wohnung, einen größeren Dienstwagen und darf in schöneren Geschäften einkaufen als etwa nur Minister oder Vizeminister. Und früh lernen die Regentenkinder, dass auch sie auserkoren sind, eines Tages den "rechtmäßigen Platz in der chinesischen Führung" zu bekommen, so heißt es in einer der Botschaftsdepeschen.

Der Vater muss ins Gefängnis, Xi zur Feldarbeit

Doch 1966 tritt Staatsgründer Mao Zedong die Kulturrevolution los, er will so Gegner in den Reihen der Partei beseitigen. Unter dem Motto "Bombardiert die Hauptquartiere" reißt sich die Mao-hörige Elite selbst den Boden unter den Füßen weg. Rote Garden toben durch die Straßen auf der Suche nach vermeintlichen "Sowjetspionen" und "Konterrevolutionären". Xis Vater landet im Gefängnis, er selbst muss zur Feldarbeit aufs Land.

Anfang der siebziger Jahre gelingt es vielen "Prinzlingen", nach Peking zurückzukehren, so auch Xi. Doch während sich manche Jugendliche nach dem Spuk den Freuden des Lebens hingeben, wählt er einen anderen Weg. "Er beschloss zu überleben, indem er roter als rot wurde", so heißt es bei den Amerikanern.

Obwohl sein Vater 1974 noch hinter Gittern sitzt, wird Xi Mitglied der Partei und verliert bei Gleichaltrigen die Achtung, sie fühlen sich betrogen. Während die Freunde westliche Literatur verschlingen, liest Xi Marx und schließt sich auch noch einem "Arbeiter-Bauern-Soldaten-Revolutionskomitee" an. Es ist ein offenes Geheimnis unter den chinesischen Kadern, dass Xis erster Universitätsabschluss in "Marxismus" kein echter war, sondern eher in der Praxis verdient wurde. Bis 1979 studiert Xi aber dann wirklich - an der renommierten Pekinger Qinghua-Universität. Er schreibt sich für Chemie und Marxismus ein. Später promoviert er, seltsamerweise, in Rechtswissenschaften.

Nach dem Studium wird Xi Soldat. Er dient als Sekretär im Büro der Zentralen Militärkommission in Peking, in welchem Rang, bleibt ein Geheimnis. Der Job in der Armee ist offenbar Ergebnis eines Tauschgeschäfts; in der KP sind Beziehungen und Seilschaften wichtig. General Geng Biao, ein Kumpel seines Vaters aus alten Kampftagen, verschafft ihm wohl die Stelle. Dafür hievt Xi senior, inzwischen Parteichef in der südlichen Provinz Guangdong, Gengs Tochter auf einen attraktiven Posten.

"Sie stritten sich fast jeden Tag"

Privat hat Xi nicht so viel Glück, seine erste Ehe mit der eleganten und gebildeten Diplomatentochter Ke Xiaoming geht schnell in die Brüche. Sie leben in der Wohnung seiner Eltern im Funktionärsviertel Nanshagou im Westen Pekings und "stritten sich fast jeden Tag", heißt es in einer US-Depesche. Schließlich kehrt Ke nach England zurück, Xi bleibt in China.

Dort fasst er einen klugen Entschluss. Karriere, so erkennt er, kann er nur machen, wenn er für einige Zeit aus dem Pekinger Machtklüngel ausbricht und in der Provinz Erfahrungen sammelt. Die Seilschaft aus seinem Vater und General Geng sei nicht fest genug, glaubt er offenkundig; das Risiko, sich mit der Zeit zu viele Feinde in der Hauptstadt zu machen, sei zu groß.

Er arbeitet sich in den Provinzen Hebei, Fujian und Zhejiang langsam hoch. Fujian liegt gegenüber dem abtrünnigen Taiwan, seither habe er Verständnis für die Taiwaner und ihre Sorgen, heißt es in Peking.

In Ostchina lässt sich Xi vom Mystizismus des Buddhismus, von der Atemtechnik Qigong und von Kampfkünsten faszinieren. Er scheint zu der Zeit auch an übernatürliche Kräfte zu glauben.



Forum - Wie viel Geheimnis verdient die Politik?
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Seite 1
Ty Coon, 04.12.2010
1.
Zitat von sysopDie Online-Plattform WikiLeaks stellt immer wieder geheime Dokumente ins Netz. Die Regierungen in den USA und Frankreich versuchen nun mit Macht, die Betreiber aus dem Web zu verbannen. Wie viel Geheimnis verdient die Politik?
Sehr viel. Vertrauliche Gespräche sind die Grundlage der Diplomatie. Wenn es allerdings darum geht, verbrecherische Machenschaften aufzudecken, dann sind solche Plattformen wie WikiLeaks legitim.
eikfier 04.12.2010
2. ...bestenfalls
Zitat von sysopDie Online-Plattform WikiLeaks stellt immer wieder geheime Dokumente ins Netz. Die Regierungen in den USA und Frankreich versuchen nun mit Macht, die Betreiber aus dem Web zu verbannen. Wie viel Geheimnis verdient die Politik?
...die Frage ist natürlich völlig berechtigt? Schließlich hat kein Geringerer als unser späterer Bundespräsident Gustav Heinemann mal geseufzt:"...regiere du mal dieses Welt!" - und meinte damit sicherlich auch unsere gehaßt-geliebten und in jedem demokratischen Falle dringend benötigten Journalisten, ist meine Meinung - Wer den Journalisten nicht nur in Gedanken, sondern tatsächlich einen Maulkorb umhängt, dem geht´s mindestens so wie Kaiser WilhelmII. in der bekannten "Feuerzangenbowle", wenn er nicht sogar Micky-Leaks zu ungeahnter Popularität verhilft - ein bißchen schlimm, ein bißchen doof, ein bißchen lächerlich, denke ich bestenfalls...
Sharoun 04.12.2010
3. Wieviel Wahrheit traut man dem Souverän zu?
Aus teilweise nachvollziehbaren Gründen trauen Exekutive und Legislative ihrem Wahlvolk nicht über den Weg. Allright; das sollte dann aber auch so benannt werden und nicht die übergroße Fahne einer allgegenwärtigen Mitbestimmung -verwirklicht in dieser und durch diese Gesellschaft- geschwenkt werden. Denn das ist nur noch Verhöhnung!
sieben777 04.12.2010
4. PayPal Konto gelöscht
Wir Internet-Nutzer sind nun gefragt. Wehren wir uns gegen dieses Doppelmoral-System? Warum beachten jetzt plötzlich PayPal und Amazon ihre eigenen AGBs? Warum funktioniert die Löschung der verschiedenen Webseiten von Wikileaks so zügig aber bei den der Kinderporno Seiten denn nicht??? Da kann etwas nicht stimmen.
maximillian64 04.12.2010
5. Paypal, DNS, Hosting für Wikileaks abgestellt.
Die sukzesive Verabschiedung der USA von der Meinungsfreiheit ist wie jede Aufgabe von Grundrechten im Tausch gegen Sicherheit ist ein Punktsieg der Kräfte mit all den Gesetzten eigentlich Bekämpft werden sollen. Das Internet ist heute nur noch für cyber- und echte- krimminelle und wirklich frei. Was meinen die Strafverfolger, Politiker und Serviceprovider in den USA den wo WikiLeaks demnächst gehostet wird und spenden einsammelt? Wenn der Druck so weiter aufrecht erhalten wird wird auch die Schweiz und andere Nationen dem Portal die Gastfreunschaft kündigen. Wikileaks wird dann wohl bald bei den gleichen Providern gehostet die Heute bereits Al Quaida Blogs und deren Paymentprovider hosten? Verkehrte Welt!
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