Chinas prominentester Menschenrechtler Drei Jahre Haft für Hu Jia

Vom "Time Magazine" wird er zu den 100 einflussreichsten Menschen der Welt gezählt. Er tritt in China ein für Aids-Kranke und die Religionsfreiheit. Nun wurde der Menschenrechtler Hu Jia wegen umstürzlerischer Machenschaften zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.


Peking - Ein Gericht in Peking sah es als erwiesen an, dass Hu mit seinem Engagement die Kommunistische Partei kritisiert und damit umstürzlerische Absichten verfolgt habe. Dies teilte Hus Anwalt Li Fangping mit. Dem Anwalt zufolge verurteilten die Richter Hu auf Grundlage von Artikeln, die er auf einer chinesischsprachigen Internet-Seite in den USA veröffentlicht hatte, sowie von Äußerungen in Interviews mit ausländischen Medien.

Hu: "Umstürzlerische Absichten"
DPA

Hu: "Umstürzlerische Absichten"

Hu nahm das Urteil nach Angaben des Anwalts gefasst auf. Er hat nun zehn Tage Zeit, Berufung einzulegen. Journalisten und Diplomaten durften nicht in den Gerichtssaal.

Der 34-Jährige hat sich für unschuldig erklärt. Er war vor allem durch seinen Einsatz für Aids-Kranke im ländlichen China bekannt geworden. Er stand mehr als 200 Tage unter Hausarrest, bevor er im Dezember vergangenen Jahres aus seiner Wohnung in Peking von Sicherheitskräften abgeführt wurde.

Die Verurteilung dürfte die internationale Kritik an China im Vorfeld der Olympischen Sommerspiele weiter verschärfen. Menschenrechtsorganisationen erklärten, China wolle mit dem Gerichtsverfahren vor den Spielen einen wichtigen Kritiker mundtot machen.

Das "Time Magazine" hatte den Dissidenten im vergangenen Jahr zu den 100 einflussreichsten Menschen der Welt gezählt. Für Hu hatten sich Vertreter der US-amerikanischen und mehreren europäischen Regierungen bei Treffen mit chinesischen Offiziellen verwandt.

Im November hatte sich Hu bei einer Anhörung des Europaparlaments über die Menschenrechtslage in China, der er über Kamera und Internet zugeschaltet war, auch kritisch über die Olympischen Spiele in Peking geäußert. Der deutsche Präsident des Europaparlaments, Hans-Gert Pöttering (CDU), hatte seine sofortige Freilassung gefordert. Kritiker sehen die Verurteilung als Teil einer Säuberungskampagne gegen Dissidenten vor den Sommerspielen.

Eine Sprecherin der US-Botschaft in Peking äußerte sich bestürzt über die Verurteilung des Menschenrechtlers. Außenministerin Condoleezza Rice habe sich noch im Februar bei einem Treffen mit ihrem chinesischen Kollegen Yang Jiechi für die sofortige Freilassung Hus eingesetzt. China solle die Gelegenheit der Olympischen Spiele in Peking nutzen und mehr für die Menschenrechte tun.

Amnesty International bezeichnete das Urteil als Warnung für andere Aktivisten in China, die es wagten, Menschenrechtsprobleme offen anzusprechen. Die Verurteilung Hus widerspreche den Zusagen Pekings, dass sich die Menschenrechtslage vor den Olympischen Spielen im Sommer verbessern werde.

asc/AP/AFP/Reuters/dpa



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