Umgang mit Taiwan Chinesische Staatszeitung warnt USA

Was, wenn die USA Taiwan künftig nicht als Teil Chinas anerkennen? "Das chinesische Volk würde die Regierung auffordern, sich zu rächen", so eine Staatszeitung. Auch ein diplomatisches Treffen sorgt für neue Spannungen.

Baldiger US-Präsident Donald Trump
AP

Baldiger US-Präsident Donald Trump


Die staatliche chinesische Zeitung "Global Times" hat den künftigen US-Präsidenten Donald Trump gewarnt, von der "Ein-China-Politik" abzurücken. "Das chinesische Volk würde die Regierung auffordern, sich zu rächen", hieß es im Leitartikel des Blattes, das zum Zentralorgan der Kommunistischen Partei "Renmin Ribao" gehört. "Es gibt keinen Raum für Verhandlungen".

Trump, der am 20. Januar die Nachfolge von Barack Obama antritt, hat nach seiner Wahl im November wiederholt gegen China gewettert und damit bei der Regierung in Peking für Verärgerung gesorgt. So zog er unter anderem in Zweifel, ob die USA auch künftig anerkennen werden, dass der Inselstaat Taiwan ein Teil Chinas ist. Dies ist ein heikles Thema, da China Taiwan als abtrünnige Provinz betrachtet. China hatte unter anderem scharf kritisiert, dass Trump nach seiner Wahl mit Taiwans Präsidentin Tsai Ing Wen telefonierte. (Lesen Sie hier mehr zu den Hintergründen des Streits um die sogenannte Ein-China-Politik.)

Für erneute Spannungen sorgt derzeit ein Treffen von US-Senator Ted Cruz mit Taiwans Präsidentin. Der im Vorwahlkampf der Republikaner gegen den designierten Präsidenten Donald Trump unterlegene Senator kam am Sonntag im texanischen Houston mit Tsai zusammen. Er habe mit ihr über Waffenverkäufe, diplomatische und wirtschaftliche Beziehungen gesprochen, teilte Cruz nach dem Treffen mit.

"Merkwürdiger" Brief aus dem chinesischen Konsulat

Tsai hatte am Wochenende auf dem Weg zu einer Lateinamerika-Reise einen Zwischenstopp in den USA eingelegt. Nach ihrem Besuch in Honduras, Nicaragua und El Salvador wird sie am kommenden Wochenende im kalifornischen San Francisco zwischenlanden.

Chinesische Diplomaten hatten Cruz ausdrücklich vor dem Treffen mit Tsai gewarnt. Cruz erklärte, kurz vor dem Treffen habe die Vertretung des US-Kongresses in Houston einen "merkwürdigen" Brief des chinesischen Konsulats erhalten, in dem die Kongressmitglieder aufgefordert worden seien, sich nicht mit Tsai zu treffen und an der sogenannten Ein-China-Politik festzuhalten. China müsse aber "verstehen, dass wir in Amerika die Entscheidungen über Treffen mit Besuchern selber treffen", erklärte Cruz.

Im Dezember hatten taiwanische Medien berichtet, dass Tsai möglicherweise sogar einen Zwischenstopp in New York einlegen und sich mit Trumps Übergangsteam treffen wolle. Das chinesische Außenministerium hatte die US-Regierung daraufhin aufgefordert, Tsais Zwischenstopp in den USA ganz zu verhindern. Peking hoffe darauf, dass die US-Regierung weiter an der Ein-China-Politik und den bisherigen Vereinbarungen mit der Volksrepublik festhalte, hieß es.

Die USA hatten im Zuge ihrer Annäherung an die Volksrepublik China 1979 ihre diplomatischen Beziehungen zu Taiwan abgebrochen und die Führung in Peking als alleinige Regierung Chinas anerkannt - was als Ein-China-Politik bezeichnet wird. Zugleich unterhielt die US-Regierung inoffiziell aber stets freundschaftliche Kontakte zu Taipeh.

anr/AFP/Reuters



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Aberlour A ' Bunadh 09.01.2017
1. China ist der größte Gläubiger der USA
Es ist noch schlimmer als befürchtet. Trump ist sogar noch dümmer als erwartet. China ist der größte Gläubiger der USA. China hält die USA überhaupt am Leben. Sagen die Chinesen "No", können die USA ihr Schulden nicht mehr bedienen. Das Land würde zu einem "failed state" südamerikanischen Musters. Eine Peso-Ökonomie mit Dollars. Natürlich hat auch China ein Interesse daran, die Kauflust amerikanischer Konsumenten an (günstigen) Produkten aus chinesischer Produktion zu alimentieren. Nur deswegen halten sie die USA ja finanziell am Leben. Noch. Wie jeder halbwegs rationale Mensch weiß, sollte man es sich niemals mit seinem Gläubiger verscherzen. Vor allem nicht, wenn er einem die Existenz sichert. Nur wer erklärt es Donald - Kleinkind - Trump?
forumgehts? 09.01.2017
2. Trump
hat allen Grund, sich mit Putin auf ein freundschaftliches Verhältnis zu einigen. Denn er wird ihn dringend brauchen, wenn er China vergrätzt. Andererseits dürfte Putin auch wissen, dass RU trotz aller Freundschaftsbezeugungen DAS Aufmarsch- und Besatzungsgebiet für China sein wird. Sibirien, ein menschenleeres riesiges Gebiet, das nur darauf "wartet" von China übernommen zu werden. Wenn überhaupt, dann ist China nur von USA und RU gemeinsam in Schach zu halten. Sollten dies Trumps Beweggründe sein, so sieht er in diesem Punkt klarer als der Rest der Welt.
forumgehts? 09.01.2017
3. Erklärung:
China ist bereits jetzt in einer Position, wo es ihm gleichgültig ist, was andere Staaten ihm zubilligen oder nicht. Es setzt ganz einfach seine Interessen durch. Falls noch nicht bemerkt, wir befinden uns wieder in der Vorkriegszeit.
HeisseLuft 09.01.2017
4. :-)
Kann mich nicht erinnern, dass China irgendwie gegen die russische Politik gegenüber der Ukraine protestiert hätte. Vorschlag also: eine Volksabstimmung auf Taiwan zur Unabhängigkeit durchführen und diese von schwerbewaffneten grünen Männchen absichern lassen. Deren Uniform kommt aus dem Supermarkt. Die Waffen irgendwoher, unbekannt. Das wenig fernöstliche Aussehen der freundlichen Helfer und Beschützer als feindlichen Informationskrieg abtun. Und wenn Taiwan dann einen US-Flottenstützpunkt einrichten lassen will, haben die USA einen mehr... Wer ruft da jetzt "Eskalation!" "Imperialismus!"... ;-)
PiotrTrebisz 09.01.2017
5. Das kann sich aber schnell ändern!
Ja es stimmt dass Russland derzeit gute Beziehungen zu dem kommunistischen Gebilde auf dem chinesischen Festland, das sich selbst als "Volksrepublik China" bezeichnet, sucht. Aber das gab es schon einmal und hat nicht funktioniert. Ich erinnere an den Sowjetisch-Chinesischen Krieg 1969/1970 als die sogenannte Volksrepublik China die USSR an 2 Fronten angriff (westlich und östlich der Mongolei) um den Teil Sibiriens zu erobern den es als historisch zu China gehörend ansieht (Parallelen zum Krimkonflikt sind unübersehbar). Dabei hatten die USSR und die sogennante Volksrepublik China vorher von 1949 bis ca. 1960 gute Beziehungen. Innerhalb weniger Jahre hat sich das geändert.
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