Kreml-Kritiker Chodorkowski warnt vor Auseinanderfallen Russlands

Russland könnte zerfallen, und mit Putin drohe großes Blutvergießen - Warnungen des Kreml-Kritikers Michail Chodorkowski im SPIEGEL-Gespräch. Deutliche Kritik übt er aber auch am Westen.

Michail Chodorkowski: "Putin ist mein politischer Gegner, aber ich hasse ihn nicht."
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Michail Chodorkowski: "Putin ist mein politischer Gegner, aber ich hasse ihn nicht."


Der ehemalige Finanz- und Rohstoffmagnat Michail Chodorkowski hat dem Westen schwere Fehler in seiner Russlandpolitik vorgeworfen. "Der Westen hat mit seiner sogenannten Realpolitik bei Putin die Überzeugung genährt, dass er und seine Umgebung alles dürfen. Die Botschaft war: Lasst uns gute Geschäfte machen, ansonsten ist alles erlaubt", sagte Chodorkowski, Ex-Konzernchef der Ölfirma Jukos, dem SPIEGEL vor seinem Berlin-Besuch am Dienstag, bei dem er den Relaunch seiner "Open Russia"-Initiative vorstellen wird.

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Heft 39/2014
Die entfesselte Seuche

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Chodorkowski warnte vor den Folgen eines Auseinanderfallens Russlands. "Das wird nicht so friedlich geschehen, wie es nach dem Ende des Kalten Krieges bei der Trennung Tschechiens und der Slowakei der Fall war." Je länger Putin an der Macht bleibe, desto wahrscheinlicher werde ein großes Blutvergießen.

Mit Putin teile er allerdings die Überzeugung, "dass Russland ein starkes Land sein muss. Für Putin wie für mich hat die territoriale Integrität Russlands höchste Priorität", sagte Chodorkowski. "Putin ist mein politischer Gegner, aber ich hasse ihn nicht." Chodorkowski wies ebenfalls im SPIEGEL indirekt geäußerte Vorwürfe von Igor Setschin, dem Chef des staatlichen Ölgiganten Rosneft, zurück, Hintermann von Auftragsmorden gewesen zu sein. Er forderte ein starkes Parlament, eine unabhängige Justiz und freie Wahlen für Russland.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
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Seite 1
rainer_unsinn 21.09.2014
1. ...
Naja er lebt jetzt im Westen und passt seine Sichtweisen entsprechend an. Aber ich denke mal das Referendum im Schottland war auch dem Westen ein Lehre. Man hat in der Vergangenheit viele Separatistenbewegungen im Osten finanziell und ideologisch unterstützt. Das wird man denke ich in Zukunft nicht mehr tun. Dann ist der Spuk mit zerfallenden Staaten auch vorbei. Wer will schon dieses Chaos. Man muss sich nur mal die Ukraine anschauen was diese rechten Wirrköpfe dem Land gebracht haben. Noch krasseres Beispiel Irak. Die dortige Tragödie sollte allen eine Mahnung sein. Leidenschaft ist gut, Hirn ist besser!
Gerixxx 21.09.2014
2. Durchsichtig.....
Zitat Chodorkowski: "Der Westen hat mit seiner sogenannten Realpolitik bei Putin die Überzeugung genährt, dass er und seine Umgebung alles dürfen. Die Botschaft war: Lasst uns gute Geschäfte machen, ansonsten ist alles erlaubt", Zitat Ende. Sorry - aber das klingt für mich nach "Haltet den Dieb", denn es war weniger zu Putins Zeiten, sondern davor unter Jelzin, wo es praktiziert wurde - und Chodorkowski in diesem Umfeld und mit entsprechenen Methoden Milliardär wurde. Und was meint er mit "Open Russia" - ? Dass US-Präsidentensöhne sich wie in der Ukraine die Pfründe aneignen, wenn nötig mit Gewalt ? Chodorkowski ist und bleibt für mich unglaubwürdig. Genausowenig ist klar, welche Interessen hinter ihm stehen....insbesondere dank des Umstandes, dass der Mann trotz der sicherlich auch politischen - aber eben nicht nur - sondern sachlich durchaus zutreffenden Verurteilung weiterhin hoffiert wird......
JulienG 21.09.2014
3.
Im Umkehrschluss entnehme ich den Äußerungen Chodorkowskis, dass man besser daran täte, Putin zeitnah zu stürzen. Jedwede Alktion scheint hier besser zu sein, als es auf ein Blutvergießne ankommen zu lassen...
Teddi 21.09.2014
4. Ich für meine Person
freue mich über jeden Russen, der noch vernünftig und klar denkend reden kann. Da ich privat Leute kenne, die "auf russischer Seite" reden, bin ich über die weit ausgebreitete Unwissenheit erstaunt. Manche im hinteren Land stehen in Gedanken noch auf dem Niveau des zweiten Weltkrieges. Beispiel: "Wie kann es sein, dass es den Deutschen besser geht als uns? Die haben wir doch besiegt!" Und was die russischen Medien betrifft, glaubt man lieber ihnen und bezichtigt den Westen des Lügens. Allerdings wundert es mich auch schon, warum es Vorfälle mit russischen Panzern an der polnisch-ukrainischen Grenze gab (weiß ich von Augenzeugen), von denen Medien in Ukraine und Polen berichteten, aber nichts davon nach Deutschland gedrungen zu sein scheint. Für Russland hoffe ich, dass sich jemand wie Chodorkowski am Ende doch durchsetzen wird. Übrigens sollte man nicht ewig über Oligarchen meckern, denn der Charakter eines Menschen ist nicht davon abhängig, wieviel Geld er hat. Es gibt Gute und Halunken bei Armen, sowie bei den Reichen.
eugen_onegin 21.09.2014
5. Ist nicht neu!
Der Peter Scholl-Latour hat schon in seinem Buch -Russland im Zangengrif- auch schon davor gewarnt. Die Teile Russlands wie Kaukasus oder Tatarstan würden auch am besten heute als mogen aus der Russischen Föderation austretten. Aber die fragt keiner und wenn sie das versuchen dann gibt es Krieg wie in Tschetschenien. Die russische Regierung sollte wirklich nachdenken woran es liegt, dass viele verbrüderte Völker wie Bulgaren, Ukrainer, Polen, u.s.w. sich von Russland abwenden. Wenn weiterhin die Politik für die Minderheit (Oligarchen + Co.) und gegen die Mehrheit betrieben wird, werden noch mehr Völker sich abwenden. In Russland leben mehr als 120 Nationen, also Pulver für die Separatistenbewegungen ist genug da.
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