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Russischer Regierungskritiker: Chodorkowski in die Schweiz ausgereist

Michail Chodorkowski (im Dezember in Berlin): Reise in die Schweiz Zur Großansicht
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Michail Chodorkowski (im Dezember in Berlin): Reise in die Schweiz

Der Kreml-Gegner Michail Chodorkowski hat Berlin verlassen. Er reiste einem Sprecher zufolge mit der Bahn in die Schweiz. Nun will sich der 50-Jährige offenbar für die Freilassung von politischen Gefangenen in Russland einsetzen.

Berlin - Nach seiner Freilassung flog er direkt nach Berlin, nun hat er auch die Bundesrepublik verlassen: Der russische Regierungskritiker Michail Chodorkowski ist mit der Bahn in die Schweiz ausgereist. Nach Angaben einer Sprecherin ist der 50-Jährige bereits dort angekommen. Ob er sich dauerhaft in der Schweiz niederlassen will, ist noch offen.

Mit Chodorkowski reisten einem Sprecher zufolge seine Frau Inna, die Zwillingssöhne Gleb und Ilja sowie die Tochter Anastasia. Die Familie hatte die Weihnachtstage und den Jahreswechsel in Berlin verbracht.

Der ehemalige Ölmilliardär Chodorkowski war 2003 festgenommen und zwei Jahre später wegen Betrugs und Steuerhinterziehung verurteilt worden. Die Gerichtsverfahren gegen ihn waren im Westen als politisch motiviert kritisiert worden. Ihm drohten in Russland noch weitere Verfahren, so dass ein Ende seiner Haft nicht absehbar war.
Am 20. Dezember wurde er jedoch überraschend von Präsident Putin begnadigt und kam frei. Unter Vermittlung durch den früheren Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher landete Chodorkowski nur wenige Stunden später mit einem Privatjet in Berlin.

Von der Schweiz aus will sich Chodorkowski nun offenbar für die Befreiung von politischen Gefangenen in Russland einsetzen. Das sagte er während seiner Zugfahrt dem Schweizer Sender SRF. Er wolle möglichst viel dafür tun, dass auch andere politische Gefangene freikommen, so Chodorkowski. "Man kann doch nicht ruhig leben, wenn man weiß, dass in Gefängnissen politische Gefangene schmoren."

Chodorkowskis Frau Inna und die Zwillingssöhne leben in der Schweiz. Die Eltern wollten die Söhne zum Schulbeginn im neuen Jahr begleiten, heißt es in einer Mitteilung von Chodorkowskis Schweizer PR-Agentur. Tochter Anastasia lebt in Moskau.

Die Schweiz hatte dem Kreml-Kritiker ein Visum für drei Monate bewilligt. Die Familie danke dem Land für die Möglichkeit, Zeit miteinander verbringen zu können, heißt es in der Mitteilung. Chodorkowski sei auch dankbar "für die klare Haltung der Schweizer Behörden während der langen Jahre seiner ungerechtfertigten Haft".

Schweizer Medien zufolge soll Chodorkowski Millionenbeträge auf Schweizer Konten gelagert haben. Sein Visum für Deutschland ist ein Jahr gültig.

hut/dpa/AFP

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1. Ich auch
Gunter 05.01.2014
Zitat von sysopDPADer russische Regierungskritiker Michail Chodorkowski hat Berlin verlassen. Der 50-Jährige reiste einem Sprecher zufolge mit der Bahn in die Schweiz. Begleitet wurde er von seiner Frau und seinen Kindern. http://www.spiegel.de/politik/ausland/chodorkowski-in-die-schweiz-ausgereist-a-941905.html
Ich war letztens auch mal in der Schweiz, bin aber alleine gereist.
2. Oh, ein regierungskritiker....
klaussailing 05.01.2014
...in der schweiz, wo es 3 verschiedene arten von auslaendern gibt...je nach vermoegen natuerlich eingeordnet... Wie im europaeischen gerichtshof nach zu lesen ist, fusste die uebersetzte anklage agegen diesen herrn NICHT auf irgendwelchen konfusen anschuldigungen sondern, mit rechtsgueltigen beweisen hinterlegten fakten, die sie als journalisten auch kennen. Unterschlagung, steuerhinterziehung, urkundenfaelschung und anderes ... Worum in europa immer noch mit undemokratischen mitteln 'berichtet' wird, ist nur den journalisten selbst verstaendlich...ihr macht euch damit keinen gefallen und arbeitet denjenigen kraeften in die haende, welche fuer die unterminierung unserer westlichen werte dankbar sind, dann in dieses vakuum stossen und euch auf ihr niveau herabziehen...ind da habt ihr keine chance zu ueberleben. Schaltet endlich mal euer ' unabhaengiges' hirn eine und 'bemueht' euch um eine zumindest neutrale berichterstattung und nicht um volksverdummung...guten morgen
3. Fern der Heimat
ichsagwas 05.01.2014
Damit folgt er dem Beispiel zahreicher Vorgänger, die in der Schweiz ein Emigranten-Dasein führten. Selbst Lenin war darunter. Die Schweiz ist ein vergleichsweise sicherer Hafen, in dem man am besten ein diskretes Leben führen und ungehemmt einen luxuriösen Lebensstil pflegen kann, ohne dass es einem jemand neidet. Mit diesem Schritt hat sich Chodorkowski selbst erst einmal politisch kaltgestellt. Zwar menschlich verständlich, aber für die Opposition in Russland nicht gerade ein ermutigendes Signal.
4. Kaltgestelltes Beuteltier
Meinungsfreiheitskämpfer 05.01.2014
Zitat von ichsagwasDamit folgt er dem Beispiel zahreicher Vorgänger, die in der Schweiz ein Emigranten-Dasein führten. Selbst Lenin war darunter. Die Schweiz ist ein vergleichsweise sicherer Hafen, in dem man am besten ein diskretes Leben führen und ungehemmt einen luxuriösen Lebensstil pflegen kann, ohne dass es einem jemand neidet. Mit diesem Schritt hat sich Chodorkowski selbst erst einmal politisch kaltgestellt. Zwar menschlich verständlich, aber für die Opposition in Russland nicht gerade ein ermutigendes Signal.
Wäre Russlands Opposition tatsächlich auf Schwerstkriminelle angewiesen, dann könnte man wahrlich nur sagen, "Armes Russland". Aber Gottseidank gibt es auch Menschen, denen Opposition Herzenssache ist, und nicht eine Frage des dickstmöglichen Geldbeutels.
5.
krasmatthias 05.01.2014
Zitat von sysopDPADer russische Regierungskritiker Michail Chodorkowski hat Berlin verlassen. Der 50-Jährige reiste einem Sprecher zufolge mit der Bahn in die Schweiz. Begleitet wurde er von seiner Frau und seinen Kindern. http://www.spiegel.de/politik/ausland/chodorkowski-in-die-schweiz-ausgereist-a-941905.html
Ein Verbrecher auf dem Weg zu seinem Geld, mehr nicht. Merken die Medien eigentlich nicht, wie sie von diesem Mann vorgeführt werden? 10 Jahre nutzt er sie, um immer wieder auf die angeblich politisch motivierte Verhaftung hinzuweisen. Am Ende wird er begnadigt und was tut er? Er teilt mit, dass er nichts von dem tun wird, was die Medien nun hören wollten. Und auch jetzt geht ihr seiner PR Agentur auf den Leim. Es sei denn, Ihr müßt über die ganzen Klitschkos, Timoschenkos und Chodorkowskies berichten. Eine Frage sei gestattet. Hat Herr Chodorkowskie die Zinseinnahmen, welche sein Vermögen all die Jahre erwirtschaftete, ordentlich versteuert oder braucht das nur Herr Hoeneß? Wenn er das nicht getan hat, ist er ein Steuersünder und es muß wiederum gegen ihn ermittelt werden, wie im Fall Hoeneß, oder sehe ich das falsch?
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