Putin-Kritiker Chodorkowski warnt USA vor Krieg gegen Russland

Der Ex-Oligarch und Kreml-Gegner Michail Chodorkowski schlägt Alarm: Sollte Washington die Ukraine aufrüsten, drohe den USA ein Krieg mit Russland. Putin lebe "in einer anderen Realität".

Ex-Häftling Chodorkowski: "Das bedeutet Krieg"
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Ex-Häftling Chodorkowski: "Das bedeutet Krieg"


Michail Chodorkowski war einmal einer der reichsten und mächtigsten Männer Russlands. Bis er im Kreml in Ungnade fiel. Nun ist er einer der bekanntesten Ex-Häftlinge der Welt - und beobachtet auch im Exil die Entwicklung in seinem Heimatland genau. Er fürchtet eine militärische Eskalation des Konflikts zwischen dem Westen und Russland.

In einem Interview appelliert Chodorkowski deshalb an die USA, die Ukraine unter keinen Umständen mit tödlichen Waffen auszurüsten. Über einen solchen Schritt wird seit Längerem debattiert.

Die Folgen wären laut Chodorkowski aber verheerend: "Wenn sie tödliche Waffen an die Ukraine liefern, wird Putin als Antwort den Rebellen Hubschrauber und eine Luftwaffe liefern", sagte er der Moskauer Wochenzeitung "Sobesednik".

Washington müsste dann eine Flugverbotszone über der Ostukraine errichten "und eine Luftwaffendivision dorthin verlegen". Amerikanische Flugzeuge über Donezk werde Moskau aber als Bedrohung auffassen. "Das bedeutet Krieg, im Kreml würde man das nur so verstehen", sagte Chodorkowski. Leider habe er bei Gesprächen in den USA den Eindruck gewonnen, dort seien viele bereit für einen Waffengang.

"Putin hat sich nicht mehr im Griff"

Chodorkowski war in den Neunzigerjahren mit Bank- und Ölgeschäften zu einem der reichsten Männer des Landes aufgestiegen. 2003 wurde er verhaftet und in zwei Prozessen zu langen Haftstrafen verurteilt. In den Verfahren ging es um Steuerhinterziehung und planmäßigen Betrug. Die Anklageerhebung galt aber als politisch motiviert, Chodorkowski hatte Präsident Putin die Stirn geboten und die Opposition finanziert. Ende 2013 wurde er begnadigt und lebt seitdem im Ausland.

Über Putin fällt Chodorkowski in dem Interview ein vernichtendes Urteil. Russlands Präsident agiere inzwischen völlig "unvorhersehbar". Er sei "irrational und hat sich sogar selbst nicht mehr im Griff". Putin lebe in einer anderen Realität. "Er sieht sich im Ernst als Anführer einer postamerikanischen Welt", sagte Chodorkowski.

Spekulationen über Putins Zukunft

Gleichzeitig gebe es Pläne für eine Ablösung Putins. Die beiden wahrscheinlichsten Kandidaten seien Sergej Iwanow, Chef der Kreml-Administration und früher Verteidigungsminister, sowie Nikolai Patruschew, Ex-Chef des Inlandsgeheimdienstes FSB und heute Vorsitzender des Nationalen Sicherheitsrats. Putin werde vermutlich 2018 noch einmal zur Wahl antreten, ein Jahr danach aber seinen Posten räumen.

Chodorkowski kommentierte auch ein neues Verfahren der russischen Justiz. Er wird beschuldigt, 1998 den Auftrag zum Mord am Bürgermeister der Ölstadt Neftejugansk in Auftrag gegeben zu haben. Chodorkowski war damals Chef des Öl-Konzerns Jukos. Als Drahtzieher des Mordes sitzt der ehemalige Sicherheitschef des Konzerns in Haft.

Die Anschuldigungen fußten allein auf den Aussagen von zwei Zeugen, die derzeit Haftstrafen verbüßten und auf vorzeitige Haftentlassung hofften, sagte Chodorkowski: "Man kann sich leicht vorstellen, dass eine Bedingung ihrer vorzeitigen Freilassung ihr Auftreten in einem neuen Prozess ist."

beb



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 115 Beiträge
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Seite 1
dapete89 23.07.2015
1. Trump
Na dann ist doch Trump der passende Präsident.
mosquitojg 23.07.2015
2. Vielleicht leben die USA in einer
Was ist Realität? Ich würde sagen die Bedrohung durch Islamismus ist eine Realität, die immer näher kommt, auch für die USA, die gerade erst einen Anschlag im eigenen Land wieder erlebt haben (Islamist erschiesst 4 Marines vor Kaserne). Auf der anderen Seite ist die Bedrohung durch Russland eine Art Hirngespinnst, teilweise selbst konstruiert. Es gibt keinen natürlichen, selbst-evidenten Anlass für die EU und die USA, sich in der Ukraine zu engagieren. Sie müssten es nicht tun und würden keine ihrer Prinzipien oder Verpflichtungen verletzen, genauso wenig wie sie sich in Sri Lanka, Nigeria oder sonstwo nicht in die Konflikte einmischen. Der einzige Grund, das zu tun, ist dass sie es von selbst einfach wollen. Würden sie "realistisch" denken, dann würden sich nicht in zunehmende Konfrontation mit Russland marschieren, sondern sich mit den Russen zusammen setzen, ihnen zugestehen, was sie historisch begründbar wollen, klare Grenzen vereinbaren und dann gemeinsam gegen Islamismus in der Welt vorgehen.
saxschneider 23.07.2015
3. Unberechenbare Desperados
Putin und seine Gefolgsleute sind eine Gefahr für den Weltfrieden. Das ist leider eine Binsenweisheit. Im Westen gibt es immer noch viel zu viele Putinversteher, die den Mann noch gefährlicher machen - leider. Auch der Spiegel gehört zu den Blättern, die mit ihrer Schreibe nichts zu einer De-eskalation beigetragen haben.
rainer_unsinn 23.07.2015
4.
Wow der Mann ist echt gut. Aber was er sagt ist Fakt. Dafür muss man nur mal die russischen Medien verfolgen. Es geht längst nicht mehr darum wer wann wo was gelogen hat. Das ist eine Phantomdiskussion. Fakt ist Russland ist entschlossen alles zu tun um den Donbass zu halten. Ein zweites Jugoslawienszenario wird es mit diesem heutigen Russland nicht mehr geben. In Zweifel werden wieder wie im Koreakrieg russische und westliche Jets und Luftabwehrstellungen sich eine Schlacht um die Lufthoheit in der Ukraine liefern. Inklusive eines Risikos das dieser Konflikt sich zu einem Weltkrieg ausweitet. Sind wir wirklich so dumm? Das hatten wir doch alles schon mal und damals hat das auch nichts gebracht.
ssissirou 23.07.2015
5. Ist dieser Herr Chodorkowski
inzwischen auch Militärexperte? Ich denke, dass die Amis die Konsequenzen einer Waffenlieferung an die Ukraine kennen und einkalkuliert haben. Zu hoffen ist, dass Putin dann nicht von ihnen geplant handelt. Was meint er mit "Putin hat sich nicht mehr im Griff"? Nässt er sich jetzt ein?
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