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Christenverfolgung in Iran: Pastor droht Todesstrafe

Dreimal forderte ihn ein Gericht auf, von seinem christlichen Glauben abzuschwören. Dreimal hielt ein iranischer Pastor daran fest - jetzt droht ihm  die Todesstrafe. Der einstige Muslim soll wegen "Abfalls vom Glauben" gehängt werden - das Kanzleramt bestellt den Botschafter ein.

Yucef Nadarchani: Er soll gehängt werden, weil er dem Christentum nicht abschwören will Zur Großansicht

Yucef Nadarchani: Er soll gehängt werden, weil er dem Christentum nicht abschwören will

Teheran - Es war die letzte Chance, die ein iranisches Gericht Yucef Nadarchani gab. Der evangelische Pastor sollte sich vom Christentum lossagen. Doch er antwortete: "Ich bin unbeirrbar in meinem Glauben und dem Christentum, ich habe nicht den Wunsch, meinem Glauben abzuschwören." So zitiert die "Times" den Mittdreißiger.

Damit ist das Todesurteil gegen ihn nun letztinstanzlich bestätigt worden. Nadarchanis Vergehen: "Abfall vom islamischen Glauben" und "Verbreitung nicht-islamischer Lehren". Im September vergangenen Jahres hatte ihn ein Gericht zum Tod durch den Strang verurteilt. 2009 war er festgenommen worden, weil er gegen ein Gesetz protestiert hatte, das Schulkinder auch nicht-muslimischen Glaubens zum Koranunterricht zwingt. Seitdem sitzt der Pastor im Gefängnis der Geheimpolizei in der Stadt Lakan ein.

Nadarchani, Vater von zwei Kindern, ist Mitglied der protestantischen Kirche Irans. Im Alter von 19 Jahren war er vom Islam zum Christentum konvertiert. Christen werden in Iran verfolgt, sie können ihren Glauben meist nur im Untergrund praktizieren. Später wurde Nadarchani Pastor, hielt Gottesdienste in privaten Hauskirchen in Rascht ab. Die Provinzstadt liegt etwa 140 Kilometer im Nordwesten von Teheran.

Gegen das Todesurteil legte er Berufung ein, beantragte eine Wiederaufnahme des Verfahrens. Doch Irans Oberster Gerichtshof bestätigte nach Informationen der "Times" die Entscheidung - allerdings mit zwei Auflagen: Bevor es in Kraft treten kann, sollte das Gericht in Rascht zum einen klären, ob Nadarchani vor seiner Konvertierung zum Christentum als "Muslim gelebt" habe. Das verneinte dieser.

Das gelte nach muslimischem Recht aber nicht, berichten Menschenrechtler, da der Pastor islamische Vorfahren habe, er damit als "echter Muslim" gelte. Und zum anderen sollten die Richter ihm drei Möglichkeiten geben, vom Christentum abzuschwören. Das lehnte der Pastor ab. Ihm droht nun die Vollstreckung der Todesstrafe.

Kanzleramt bestellt iranischen Diplomaten ein

Politiker protestieren: Sie fordern Iran auf, Nadarchani freizulassen. Die Bundesregierung bestellte am Donnerstag deshalb den iranischen Geschäftsträger ein. Der Diplomat bekam vom Kanzleramt die "dringende" Aufforderung übermittelt, dass Thereran auf die Vollstreckung des Todesurteils gegen Pastor Nadarchani verzichtet.

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning, erklärte, Iran habe sich völkerrechtlich verpflichtet, religiöse Minderheiten zu achten. Der britische Außenminister William Hague forderte Teheran ebenfalls auf, das Urteil aufzuheben.

Auch der Erzbischof von Canterbury, das Oberhaupt der englischen Kirche, Rowan Williams, brach sein Schweigen. Er äußerte seine "tiefe Sorge" angesichts des Todesurteils und der Verfolgung der religiösen Minderheiten in Iran. Hinter den Kulissen versuchen Vertreter der Kirche zu verhandeln, um das Leben des iranischen Pastors zu retten. Zuletzt war vor 21 Jahren in Marschat ein christlicher Gläubiger hingerichtet worden.

Nadarchanis Anwalt äußerte am Donnerstag die Hoffnung, dass sein Mandant womöglich bald frei kommen könnte. Er erwarte eine Entscheidung des Gerichts bis Ende kommender Woche. Zuvor hatte ein Berufungsgericht die Ehefrau des Pastors freigesprochen. Sie war ursprünglich zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden.

heb/dpa/AFP/AP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 54 Beiträge
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1. Wie will man darüber politisch korrekt diskutieren?
alcaselzar 29.09.2011
Zitat von sysopDreimal forderte ihn ein Gericht auf, von seinem christlichen Glauben abzuschwören. Dreimal hielt ein iranischer Pastor daran fest - jetzt droht ihm* die Todesstrafe. Der einstige Moslem soll wegen "Abfalls vom Glauben" gehängt werden - das Kanzleramt bestellt den Botschafter ein. Christenverfolgung in Iran: Pastor*droht Todesstrafe - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,789062,00.html)
Der Artikel sagt doch alles!
2.
unterländer 29.09.2011
Ich bin sehr gespannt, ob auch dieses Mal wieder die Allesversteher hier auftauchen und den Mann beschuldigen, weltliche Gesetze nicht geachtet zu haben und deshalb zu Recht verurteilt worden zu sein. Ich hoffe, dass die iranische Regierung seine Hinrichtung wenigstens im Gnadenwege aussetzt, wenn sie schon das entsprechende Gesetz nicht kippen will. Und nein, es interessiert nicht, ob auch in anderen Ländern, wie z.B. den USA die Todesstrafe vollstreckt wird. Dadurch wird dieses Urteil nicht besser. Der Iran hat sich, wie zu lesen war, verpflichtet, religiöse Minderheiten zu schützen, und nicht sie auszurotten.
3.
peterhausdoerfer 29.09.2011
Zitat von sysopDreimal forderte ihn ein Gericht auf, von seinem christlichen Glauben abzuschwören. Dreimal hielt ein iranischer Pastor daran fest - jetzt droht ihm* die Todesstrafe. Der einstige Moslem soll wegen "Abfalls vom Glauben" gehängt werden - das Kanzleramt bestellt den Botschafter ein. Christenverfolgung in Iran: Pastor*droht Todesstrafe - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,789062,00.html)
Aber umgesetzt wir die Strafe nie und nimmer, das wäre politischer Selbstmord für den Iran.
4. ....
Zarathustra, 29.09.2011
Zitat von sysopDreimal forderte ihn ein Gericht auf, von seinem christlichen Glauben abzuschwören. Dreimal hielt ein iranischer Pastor daran fest - jetzt droht ihm* die Todesstrafe. Der einstige Moslem soll wegen "Abfalls vom Glauben" gehängt werden - das Kanzleramt bestellt den Botschafter ein. Christenverfolgung in Iran: Pastor*droht Todesstrafe - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,789062,00.html)
Gerade als Iraner hoffe ich sehr, dass der Mann freikommt. Wenn aber nicht, dann wird sein Tod nicht umsonst sein. Solche mittelalterliche, barbarische und unmenschliche Urteile führen zu noch mehr Abwendung von Religion und Islam im Iran. Das Regime sägt sozusagen an dem eigenen religiösen Ast, auf dem es sitzt. Manchmal denke ich, die Mullahs sind da, um nur dem Islam zu schaden. Mir persönlich soll es recht sein. Immerhin bin ich vor Jahrzehnten aus dem Islam ausgetreten. Und ich bin mir sicher, dass auch Millionen weitere Iraner das gleiche getan haben. Zurzeit noch inoffiziell, aber bald und zwar nach dem Sturz des Regimes sogar offiziell. Die Menschen werden auf den Straßen tanzend ihre islamischen Schleier, Kopftücher und sogar den Koran verbrennen.
5. nee
dadanchali, 29.09.2011
Zitat von unterländerIch bin sehr gespannt, ob auch dieses Mal wieder die Allesversteher hier auftauchen und den Mann beschuldigen, weltliche Gesetze nicht geachtet zu haben und deshalb zu Recht verurteilt worden zu sein. Ich hoffe, dass die iranische Regierung seine Hinrichtung wenigstens im Gnadenwege aussetzt, wenn sie schon das entsprechende Gesetz nicht kippen will. Und nein, es interessiert nicht, ob auch in anderen Ländern, wie z.B. den USA die Todesstrafe vollstreckt wird. Dadurch wird dieses Urteil nicht besser. Der Iran hat sich, wie zu lesen war, verpflichtet, religiöse Minderheiten zu schützen, und nicht sie auszurotten.
Nein Sie haben ja Recht, ABER ist es das Wert, dafür wenn die iranische Regierung wirklich aufs Ganze geht sein Leben aufs Spiel zu setzen? Jede Religion ist Schwachsinn, das ist meine Überzeugung! Glaube nicht dass ich diese im Iran propagieren würde. Vielleicht ist das feige, vielleicht auch nur Intelligent oder Überlebenswille. Der Mann ist konsequent, für was für einen Preis? Er pokert hoch.
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Fläche: 1.648.195 km²

Bevölkerung: 79,476 Mio.

Hauptstadt: Teheran

Staatsoberhaupt und Religionsführer:
Ajatollah Ali Chamenei

Staats- und Regierungschef:
Hassan Rohani

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Republik Iran
Land
REUTERS
Die Islamische Republik Iran ist mit einer Fläche von rund 1,7 Millionen Quadratkilometern fünfmal so groß wie Deutschland. Das Land besitzt nach Russland die zweitgrößten Erdgasreserven der Welt, beim Erdöl steht Iran auf Platz drei und ist derzeit nach Saudi-Arabien der größte Produzent innerhalb der Opec.
Politik
dpa
Seit der Islamischen Revolution von 1979 haben der Revolutionsführer, aktuell Ajatollah Ali Chamenei (Bild), und der Wächterrat die größte Macht im Staat. Der Wächterrat kontrolliert die Kandidaten für Wahlen. Der Regierungschef ist der gewählte Präsident - seit August 2013 Hassan Rohani.
Leute
Corbis
Iran hat rund 75 Millionen Einwohner. Auf dem Uno-Index menschlicher Entwicklung (HDI) für 179 Staaten belegt Iran Platz 76 (Deutschland ist auf Platz 5). Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 73 Jahren (zum Vergleich: Die Lebenserwartung in Deutschland liegt bei 80 Jahren).
Wirtschaft
REUTERS
Die Wirtschaftsleistung pro Kopf betrug 2008 laut einer Schätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) rund 5200 Dollar. Begünstigt vom hohen Ölpreis wuchs die Wirtschaft zuletzt um etwa sechs Prozent. Neben der Arbeitslosenquote, die laut inoffiziellen Schätzungen bei etwa 30 Prozent liegt, ist die Inflation eines der größten wirtschaftlichen Probleme. 2008 soll sie bei fast 30 Prozent gelegen haben, für 2009 rechnet der IWF mit 25 Prozent. Im Jahr 2005 machten Teherans Ausgaben für das Militär laut Uno-Statistiken 5,8 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung aus (Deutschland: 1,4 Prozent).
Menschenrechte
REUTERS
Nach China ist Iran das Land, in dem die meisten Todesurteile vollstreckt werden. Laut Amnesty International wurden 2009 mindestens 388 Menschen hingerichtet, das waren 42 Hinrichtungen mehr als im Vorjahr. Der Uno zufolge saßen 2007 pro 100.000 Einwohner 214 Menschen im Gefängnis (in Deutschland sind es 95). Korruption ist in Iran weit verbreitet. Auf dem weltweiten Index von Transparency International nimmt Iran 2009 bei 180 beobachteten Staaten den 168. Rang ein (Deutschland: 14).
Chronik
Aufstieg von Mohammed Resa
AFP
Im Zweiten Weltkrieg gilt der monarchische Staat Iran als Freund der Achsenmächte. Britische und sowjetische Truppen besetzen daher 1941 das Land. Resa Schah muss abdanken. Die Alliierten inthronisieren seinen Sohn Mohammed Resa . Wegen seiner proamerikanischen Reformpolitik gerät der Schah erstmals 1963 in die Kritik von Ajatollah Ruhollah Chomeini, einem damals hochrangigen religiösen Führer, den die Regierung ein Jahr später in die Türkei abschiebt. Chomeini geht schließlich in den Irak. Dort bleibt er 13 Jahre und entwickelt er das Staatsmodell des islamischen Staates. Mit seiner repressiven Politik und seinem dekadenten Herrschaftsstil bringt der Schah eine wachsende Opposition aus sehr unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Schichten gegen sich auf.
Ajatollah Chomeini und die islamische Revolution
Getty Images
1978 mobilisieren Liberale und Konservative, Säkulare und Religiöse, Linke und Rechte Massenproteste gegen den Schah. Zur Leitfigur des Protests wird Ajatollah Chomeini. Den landesweiten Streiks und Massendemonstrationen in Teheran schließen sich Hunderttausende an. Armee und Polizei gehen teilweise brutal gegen die Demonstranten vor. Dennoch enden die Proteste mit dem Sturz des Schahs am 16. Januar 1979. Nach Chomeinis Rückkehr aus dem Exil in Frankreich, wohin er 1978 gedrängt worden war, spricht sich die Bevölkerung in einem Referendum für die Islamische Republik aus, deren oberster Führer der Großajatollah selbst wird.

Die Außenpolitik Chomeinis wendet sich vor allem gegen die USA und Israel. Am 4. November 1979 besetzen islamische Kräfte die amerikanische Botschaft und nehmen mehr als 50 Geiseln, die erst nach 444 Tagen wieder freikommen. Chomeini billigt die Aktion. Die Beziehungen zu den USA erreichen ihren Tiefpunkt. Unterstützt von den USA überfällt der Nachbarstaat Irak am 22. September 1980 Iran. In dem folgenden acht Jahre langen Krieg zwischen den beiden Ländern sterben etwa eine Million Menschen.
Phase der Islamisierung
REUTERS
Im Laufe des Kriegs treibt die Regierung die Islamisierung des Landes voran. Für Frauen gilt eine strenge Kleiderordnung, in öffentlichen Verkehrsmitteln die Geschlechtertrennung. Chomeini lässt linksgerichtete politische Häftlinge ermorden, vor allem Anhänger der Volksmudschahidin, die noch während der Revolution auf Seiten Chomeinis standen.

1989 stirbt der religiöse Führer. Der Expertenrat, ein Gremium aus höchsten religiösen Sachverständigen, ernennt Ajatollah Ali Chamenei zum Nachfolger. In den Folgejahren hat Iran stark unter zunehmender Korruption zu leiden. Die Liberalisierung der Wirtschaft bleibt weitgehend wirkungslos. Bereits 1995 verhängen die USA erste wirtschaftliche Sanktionen, weil Iran nach US-Auffassung den internationalen Terrorismus unterstützt.
Vom Reformer Chatami zum Hardliner Ahmadinedschad
AFP
Der als liberaler Geistlicher geltende Mohammed Chatami gewinnt 1997 die Präsidentschaftswahl. Seine innenpolitischen Reformbemühungen geraten allerdings ins Stocken, da er versucht, zu viele politische Lager zusammenzubringen, und die nach wie vor einflussreichen konservativen Hardliner erheblichen Widerstand leisten. Im Juni 2005 erobert der frühere Bürgermeister Teherans und konservative Hardliner Mahmud Ahmadinedschad das Amt des Präsidenten. Außenpolitisch sorgt er vor allem durch Vorantreiben eines Atomprogramms und harsche verbale Angriffe gegen Israel für Ärger. Infolge seiner Wiederwahl als Präsident im Sommer 2009 kam es wegen Unregelmäßigkeiten zu wochenlangen Massenprotesten, die teils brutal niedergeschlagen wurden. Zahlreiche Demonstranten wurden getötet, Hunderte Menschen verhaftet.
Entspannung gegenüber dem Westen
Bei der neuerlichen Präsidentenwahl im Sommer 2013 durfte Ahmadinedschad nach zwei Amtszeiten nicht erneut antreten. Es siegte der als gemäßigt geltende Kandidat Hassan Rohani, der seitdem mildere Töne nach außen anstimmt. Der Westen und Iran einigen sich im November auf einen "Gemeinsamen Aktionsplan" im Streit um das iranische Atomprogramm.


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