Medienbericht Christliche US-Hilfsorganisation soll in Nordkorea spioniert haben

Knapp zehn Jahre lang haben die USA mithilfe einer christlichen Hilfsorganisation in Nordkorea spioniert - das berichtet die Enthüllungsplattform "The Intercept". Ziel war es demnach, Signale des nordkoreanischen Militärs zu stören.


Es begann offenbar mit einer Art Testlauf: Erst hätten sie Bibeln unter Winterkleidung versteckt und nach Nordkorea geschmuggelt - später dann Sensoren und Funkbaken. Wie die Enthüllungsplattform "The Intercept" berichtet, haben die USA mithilfe einer christlichen Hilfsorganisation fast zehn Jahre lang in Nordkorea spioniert.

Der Bericht entstand nach monatelangen Recherchen, die Verfasser stützen sich auf mehrere anonyme Quellen im Pentagon und ehemalige Mitarbeiter. "Wir hatten nichts in Nordkorea, null", sagte demnach ein Ex-Militär über den Fall.

Als Teil eines streng geheimen Programms habe die in mehr als 30 Ländern aktive Humanitarian International Services Group (HISG) christliche Missionare, Hilfsarbeiter und chinesische Schmuggler angeheuert. Ziel sei es gewesen, Signale des nordkoreanischen Militärs zu stören und "nukleare Unregelmäßigkeiten" zu messen, heißt es in dem Bericht.

Wie viele HISG-Mitarbeiter tatsächlich von den US-Plänen wussten, sei unklar, schreibt "The Intercept". Namentlich wird in dem Artikel nur der Gründer der Organisation genannt. Weder er noch hochrangige Kollegen hätten sich auf Anfrage zu den Vorwürfen äußern wollen, heißt es.

Finanziert worden sei das Programm mit rund 15 Millionen Dollar, umgerechnet etwa 13,6 Millionen Euro, über ein Anwaltsbüro im Staat Minnesota, eine Wohltätigkeitsorganisation und eine Unternehmensberatung. Das Programm sei 2003 unter Ex-Präsident George W. Bush gestartet und im Jahr 2012 eingestellt worden.

Das Internetportal "The Intercept" ist seit Anfang 2014 online, es wurde unter anderem von Laura Poitras und Glenn Greenwald gegründet. Zuletzt hatte es mit der Veröffentlichung von Geheimdokumenten über den amerikanischen Drohnenkrieg für Schlagzeilen gesorgt.

aar/dpa



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