Chronologie Der langsame Tod des Alexander Litwinenko

Alexander Litwinenko ist tot. Drei Wochen nach den ersten Symptomen starb der russische Ex-Agent in einem Londoner Krankenhaus nach einer Vergiftung. Die Chronologie des Todeskampfes.


1. November: Litwinenko ist mit einem Russen in einem Londoner Hotel zum Tee verabredet. Laut Ermittlungen kommt zu dem Treffen auch ein weiterer Russe, der später als Dmitrij Kowron identifiziert wird. Zuvor hatte sich Litwinenko mit dem italienischen Geheimdienstexperten Mario Scaramella in einer Sushi-Bar getroffen. Scaramella spricht mit Litwinenko über eine E-Mail eines Informanten, in der die angeblichen Mörder der Journalistin Anna Politkowskaja sowie weitere Anschlagsziele genannt werden - unter anderem Litwinenko. Nach dem Treffen mit Scaramella kommt er noch mit dem tschetschenischen Rebellensprecher Ahmed Sakajew zusammen. Kurz darauf erkrankt Litwinenko.

16. November: Die britische Polizei wird informiert, dass Litwinenko mit lebensbedrohlichen Symptomen im Krankenhaus von Barnet liegt.

17. November: Kreml-Kritiker Litwinenko wird in die Londoner Universitätsklinik verlegt.

19. November: Britische Zeitungen berichten über eine Vergiftung des Ex-Spions. Der Toxikologe John Henry geht von einer Vergiftung mit Thallium aus. Ein Gramm des Schwermetalls kann beim Menschen bereits tödlich wirken.

20. November: Die Polizei ermittelt wegen Vergiftung. Die Anti-Terror-Abteilung von Scotland Yard schaltet sich ein. Litwinenko wird im Krankenhaus unter Polizeischutz gestellt und auf die Intensivstation verlegt. Der russische Geheimdienst weist Anschuldigungen zurück, er habe mit der Sache etwas zu tun.

21. November: Toxikologe Henry zieht eine Vergiftung Litwinenkos durch radioaktives Thallium in Betracht. Litwinenko wird tagelang von der Polizei vernommen. Der italienische Bekannte aus der Sushi-Bar meldet sich zu Wort und bezeichnet sich und Litwinenko geheimnisvoll als hoch gefährdete Personen.

22. November: Litwinenkos Vertrauter Alex Goldfarb spricht von einer ernsthaften Verschlechterung des Gesundheitszustandes Litwinenkos nach plötzlichem Blutdruckabfall und einem möglichen Herzstillstand.

23. November: Der Chef der Intensivmedizin an der Uniklinik, Geoff Belligan, nennt Litwinenkos Zustand lebensbedrohlich. Die Ärzte rätseln weiter über die Ursachen der Erkrankung, glauben aber nicht mehr an eine Thallium-Vergiftung; auch eine radioaktive Substanz schließen sie zunächst aus. Litwinenko stirbt um 21.21 Uhr Ortszeit (22.21 Uhr MEZ).

24. November: Die britische Behörde für Gesundheitsschutz teilt mit, dass Litwinenko mit einer radioaktiven Substanz vergiftet wurde. In seinem Urin sei Stunden vor seinem Tod eine hohe Konzentration von Polonium-210 gefunden worden.

phw/AFP



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