Chronologie Die blutige Spur der IRA

Die IRA hat nach mehr als drei Jahrzehnten der Gewalt dem bewaffneten Kampf abgeschworen. SPIEGEL ONLINE dokumentiert die wichtigsten Daten in der Geschichte der irischen Untergrundorganisation.


1919 -

Die Irisch-Republikanische Armee (IRA) wird gegründet.

1921 - Irland wird geteilt. Die Republik Irland im Süden wird unabhängig, der Norden verbleibt bei Großbritannien.

1969 - Die IRA spaltet sich, die offizielle IRA schwört der Gewalt ab.

1970 - Nach bürgerkriegsähnlichen Unruhen geht die "vorläufige IRA" ("Provisional IRA") in den Untergrund. Später wird der Begriff IRA nur noch für die "vorläufige IRA" verwendet.

30. Januar 1972 - Bei einer Demonstration von mehreren tausend Menschen in der nordirischen Stadt Londonderry erschießen britische Elitesoldaten 13 Menschen, nach Angaben der Armee angeblich bewaffnete Gewalttäter. Der Tag geht als "Bloody Sunday" in die Geschichte ein und gilt als Auslöser für den folgenden, verstärkten Terror der IRA.

4. Februar 1974 - In Nordengland sprengt die IRA einen Bus mit Soldaten und deren Angehörigen in die Luft. Zwölf Menschen sterben, 14 werden verletzt.

Oktober bis November 1974 - Anschlagsserie in britischen Pubs: 28 Menschen kommen ums Leben, rund 200 werden verletzt.

1981 - Zehn IRA-Mitglieder sterben nach einem Hungerstreik, mit dem sie für sich den Status politischer Gefangener durchsetzen wollten.

Juli 1982 - Zwei Attentate auf Soldaten in einem Park in London töten elf Menschen und verletzen 50.

Dezember 1983 - Eine IRA-Bombe im Londoner Kaufhaus Harrods reißt sechs Menschen in den Tod.

12. Oktober 1984 - Attentat auf eine Parteiversammlung der britischen Konservativen im Grand Hotel von Brighton: Sechs Menschen sterben, das Kabinett von Premierministerin Margaret Thatcher entkommt knapp.

22. September 1989 - Eine Bombe explodiert in der Königlichen Marinemusikschule im englischen Deal. Elf Menschen werden getötet, 22 verletzt.

10. April 1992 - Der Londoner Finanzdistrikt wird von der Explosion einer Autobombe erschüttert. Drei Menschen sterben und 91 werden verletzt.

20. März 1993 - Bei Sprengstoff-Explosionen im nordenglischen Warrington sterben zwei Kinder.

24. April 1993 - Die IRA lässt im Bankenviertel von London eine in einem Lastwagen platzierte Bombe hochgehen: Ein Mensch stirbt, 44 werden verletzt.

31. August 1994 - Die IRA ruft einen Waffenstillstand aus.

9. Februar 1996 - Die IRA beendet den Waffenstillstand mit einem Bombenanschlag in den Londoner Docklands. Die Explosion fordert zwei Todesopfer, 100 werden verletzt.

16. Mai 1997 - Die neue Labour-Regierung nimmt Gespräche mit Sinn Fein auf.

20. Juli 1997 - Die IRA verkündetet erneut eine Waffenruhe.

10. April 1998 - Friedensschluss zwischen Protestanten und Katholiken: Das Karfreitagsabkommen ("Good Friday Agreement") sieht die Schaffung eines Regionalparlaments, einer Regionalregierung, die Freilassung von Gefangenen und eine Zusammenarbeit zwischen der Republik Irland und Nordirland vor. Die IRA verspricht, ihre Waffen abzugeben.

22. Mai 1998 - 71,2 Prozent der Bevölkerung stimmen bei einem Referendum für das Abkommen.

25. Juni 1998 - Wahlen zum Regionalparlament.

15. August 1998 - Eine Splittergruppe der IRA, die sich "Wahre IRA" nennt, bombt in der Kleinstadt Omagh 29 Menschen in den Tod. 350 Menschen werden verletzt.

11. September 1998 - Erste Terroristen werden aus den Gefängnissen entlassen.

16. Oktober 1998 - Der Protestant David Trimble von der Ulster Unionist Party (UUP) und der gemäßigte katholische Nationalist John Hume erhalten den Friedensnobelpreis.

29. November 1999 - Pro-britische Protestanten und republikanische Katholiken bilden eine Provinzregeierung. Erster Premierminister Nordirlands wird David Trimble.

2. Dezember 1999 - Nach 27 Jahren direkter britischer Herrschaft wird Nordirland wieder autonom.

5. Februar 1999 - Die IRA hat immer noch keine Waffen abgegeben und lehnt Bedingungen diesbezüglich ab. Sie bestreitet, sich jemals zur Abgabe der Waffen verpflichtet zu haben.

1. Juli 2001 - Trimble tritt zurück. Bei der Entwaffnung der IRA gibt es keine Fortschritte.

14. Oktober 2002 - Die britische Regierung setzt die Autonomie aus und übernimmt selbst die Verwaltung. Parteimitgliedern der Sinn Fein wird Spionage zugunsten der IRA vorgeworfen.

26. November 2003 - Bei den Regionalwahlen gewinnen die radikalen Parteien beider Lager.

9. Dezember 2004 - Friedensgespräche scheitern an der Frage der IRA-Entwaffnung. Eine neue Autonomie ist nicht in Sicht.

20. Dezember 2004 - Einbruch in die Northern Bank in Belfast: 38 Millionen Euro werden geraubt, britische und irische Behörden vermuten kriminelle Mitglieder der IRA hinter der Tat.

28. Juli 2005 - Neue Hoffnung für den Friedensprozess: Die IRA erklärt den "bewaffneten Kampf" für beendet, ihre Kämpfer sollen "die Waffen wegwerfen".



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